Ausbildungsordnung für Tradition und Moderne

Es ist endlich soweit! Am 1. August 2013 trat die modernisierte Ausbildungsordnung für Klempner/Klempnerinnen in Kraft. Die Lehrzeit dauert weiterhin 3 ½ Jahre.

Tradition und Moderne
Moderne: Bei der Umsetzung freigeformter Gebäudehüllen aus Metall sind besondere Kenntnisse der verschiedenartigen Metallwerkstoffe, Unterkon­struktionen und der Bauphysik erforderlich. Foto: Novelis Göttingen Tradition: Der Denkmalschutz zählt zu den besonders anspruchsvollen Aufgaben des Klempners. Er muss sowohl alte als auch neue Handwerkstechniken der Blechformung miteinander kombinieren und die extremen Wetterbedingungen des Klimawandels berücksichtigen können. Foto: Bade Dächer

Das Neuordnungsverfahren für den Beruf Klempner/Klempnerin stand unter keinem guten Stern. Das BMWi hatte die Absicht, künftig alle 3 ½-jährigen Berufe nur noch mit 3-jähriger Ausbildungsdauer zu erlassen. Man argumentierte im BMWi, dass es doch nicht sein könne, dass man für einen Bachelorabschluss 3 Jahre benötige, für den Ausbildungsberuf des Klempners jedoch 3 ½ Jahre. Um diese Frage zu klären, wurde ein Gutachten vom BMWi in Auftrag gegeben. Das Gutachten sollte klären, inwieweit 3½-jährige Berufe auf 3 Jahre reduziert werden bzw. unter welchen Voraussetzungen 3 ½-jährige Berufe auch weiterhin verordnet werden können. Ende 2012 wurde das Ergebnis des Gutachtens veröffentlicht. Es kam zu dem Schluss, dass 3 ½-jährige Berufe durchaus Sinn machen und auch weiterhin verordnet werden sollten. Insbesondere dann, wenn die Sozialpartner sich für 3 ½ Jahre Ausbildungsdauer aussprechen, solle das BMWi sich nicht dagegenstellen. Das BMWi lenkte daraufhin ein.
Die neue Ausbildungsordnung für den Beruf Klempner/Klempnerin wird deshalb, wie von der SHK-Organisation geplant, zum 1.8.2013 in Kraft treten. Die Ausbildungsdauer wird weiterhin bei 3 ½ Jahren bleiben und die Verordnung wird unbefristet verordnet. Eine Evaluierung des Berufes findet nicht statt. Eine Verringerung der Ausbildungszeit auf drei Jahre wäre zwangsläufig nur durch eine Einschränkung der Ausbildungsinhalte möglich gewesen, was gerade diesem Ausbildungsberuf extrem negative Folgen für die Wirtschaft, die Betriebe, die Mitarbeiter und für die Lehrlinge mit sich gebracht hätte. Zum Glück konnte dies in letzter Sekunde abgewendet werden.

Das neue Berufsbild
Mit der Kehrtwende des BMWi hat das novellierte Berufsbild des Klempners, nach dem ab Herbst 2013 ausgebildet wird, deutlich an Attraktivität gewonnen. Zwar ist das Berufsbild in wesentlichen Punkten gleich geblieben, denn nach wie vor decken Klempner und Klempnerinnen Dach- und Wandflächen von Bauwerken mit Metallen und Kunststoffen ein, erstellen Anlagen zur Ableitung von Niederschlagswasser, stellen Formteile und Anschlüsse an Baukörpern sowie Abdeckungen von Mauern und Gesimsen her, insbesondere im Bereich des Denkmalschutzes. Und nach wie vor wird der Beruf an unterschiedlichen Einsatzorten ausgeübt, sowohl in der Werkstatt als auch auf der Baustelle. Dennoch sind wesentliche Änderungen in das Berufsbild und damit in die Ausbildung eingeflossen, die eindeutig neue Techniken zum Inhalt haben und für die Modernität des Berufes stehen.

Praxisorientiertes Lernen
Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hat die Modernisierung des Ausbildungsberufes „Klempner/Klempnerin“ im Auftrag der Bundesregierung gemeinsam mit den Sozialpartnern der IG-Metall und den Sachverständigen des ZVSHK sowie den Vertretern der Kultusministerkonferenz, die den Rahmenlehrplan der Berufsschule auf den neuen Ausbildungsrahmenplan abgestimmt haben, erarbeitet. Die Erfahrungen aus der betrieblichen/beruflichen Praxis der Ausbilder, der Berufsschullehrer sowie der Prüfer sind in die neue Ausbildungsordnung eingeflossen. Entwicklungen wie die Anwendung nachhaltiger Energietechniken und eine verstärkte Kundenorientierung prägen die neue Ausbildungsordnung. Zudem sind der Wissensstoff umfangreicher und die zu erlernenden Techniken vielseitiger geworden. Die Änderungen bzw. Neue­rungen werden nachfolgend beschrieben.

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Vielfalt: Auch der Einsatz und die Verwendung von Kunststoffen haben im Klempnerbereich fast explosionsartig zugenommen und müssen geschult werden. Hier zeigen sich am deutlichsten die Veränderungen des Marktes durch technische und technologische Entwicklungen. Foto: Siepenkort

Kundenorientiertes Handwerken
Die Verlagerung des Schwerpunktes von rein handwerklichen zu mehr dienstleistungsorientierten Tätigkeiten (Kundenorientierung) prägen die neue Berufsausbildung im Klempnerhandwerk. Neue Techniken und Technologien (zum Beispiel die Anwendung nachhaltiger Energietechniken) haben mittlerweile auch im Klempnerhandwerk Einzug gehalten und sind die Schrittmacher der Entwicklung. Mehr Kundennähe, mehr Kundenkommunikation, höhere Qualitätsanforderungen und der gestiegene Zeitdruck von der Auftragserteilung bis zur Übergabe an den Kunden, erforderten zusätzliche Ausbildungsinhalte. Alles ist straffer, komprimierter und aufeinander abgestimmter.
Ganz nebenbei musste auch der Umstand berücksichtigt werden, dass seit dem 1. Juli 2004 Klempner und Dachdecker handwerksrechtlich verwandt sind und somit beide Berufe auch Tätigkeiten im anderen Gewerk ausführen dürfen.

Herausforderung Werkstoffe und Systeme
Neue Materialien und Werkstoffe bestimmen die heutigen Dach- und Fassadenkonstruktionen und müssen von den Betrieben beherrscht werden. Insbesondere die Fertigungs-, Montage- und Abdichtungstechniken haben sich stark gewandelt. Allein der Schichtenaufbau an Dach und Wand von Gebäuden hat der Entwicklung von funktionsbedingten Schichten mit Trag- und Befestigungskonstruktionen eine ganz neue Bedeutung gegeben. Dachabdichtungen aus Edelstahl sowie rollennaht-geschweißte Ausführungen sind Techniken, die inzwischen im Klempnerhandwerk selbstverständlich geworden sind. Auch der Einsatz und die Verwendung von Kunststoffen haben im Klempnerbereich fast explosionsartig zugenommen. Hier zeigen sich am deutlichsten die Veränderungen des Marktes durch technische und technologische Entwicklungen.

Friedrich-Wilhelm Göbel

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in Ausgabe klempner magazin 05.2013.