Austauschen, Auskennen, Auspowern

Networking in Willingen - Unter diesem Motto fand im bekannten Ferien- und Freizeitdomizil Willingen/Sauerland unser 1. MTB-ADVENTURE statt. Klempner, Dachdecker, Holzbauer und Zimmerer nahmen sich eine dreitägige Auszeit zum sportlich entspannten Networking.

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Am zweiten Tag ging es dann sportlich zu. 11:00 Uhr Treffen, je nach Könner-Status Leih-Mountainbikes oder E-Bikes in Empfang nehmen, Einweisung und Tipps von den Guides, rein in die Pedale und rauf auf die Graf-Stolberg-Hütte. Alle Fotos: Rudolf Müller Medienholding

„Beim nächsten Mal sind wir wieder dabei“, so die einstimmige Rückmeldung sowohl der Teilnehmer als auch der Organisatoren. Für viele war es das erste Mal, gewerkeübergreifend anstelle des täglichen Gegeneinanders in einem Miteinander Fortbildung, kollegialen Austausch und Freizeit zu verbinden – und dies in der prallen Businessphase. Doch Business fand auch beim MTB-ADVENTURE statt, nur auf eine neue und angenehme Art. Denn es gab nach der Ankunft im Hotel Hochheide und dem Mittagslunch spannende branchenübergreifende Fachvorträge zu Themen wie Sicherheit am Dach, Bauphysik oder, leider tagesaktuell, dem Brandschutz. Das familiengeführte 4-Sterne-Hotel liegt am sonnigen Südhang des Ettelsberges, nur fünf Gehminuten vom Stadtzentrum Willingens entfernt.
Die Vortragsreihe startete mit einem erfrischenden Dialogvortrag von Dr. Marco Einhaus, Leiter des Sachgebiets Hochbau bei der BG BAU. Wie wichtig das Thema Sicherheit am Dach ist, zeigte er anhand verschiedener erschreckender Statistiken auf. Demnach passieren die meisten Unfälle beim „Arbeiten an der Kante“.

Technik hopp, Nutzung flop

In den überwiegenden Fällen sind schwerste bis tödliche Verletzungen die Folge, dabei gebe es hervorragende sicherheitstechnische Systeme, die nur leider nicht oder nicht fachgerecht angewendet würden. Die gefährdetste Arbeitsgruppe seien die Zimmerer. „Aber auch das Arbeiten mit Leitern birgt eine Menge Unfallgefahren. Wir verzeichnen 1.200 Leiterabstürze sowie 150 Fersenbrüche aus nur rund 50 Zentimeter Höhe (also von der zweiten oder dritten Sprosse) pro Jahr“, so Dr. Einhaus. In diesem Zusammenhang wies er darauf hin, dass das Arbeiten von Leitern über 5 Meter ab 2018 unzulässig ist und für den ersten Aufstieg auf das Dach ab sofort eine „Sicher benutzbare Vorrichtung“ vorhanden sein muss. Dieser Erkundungshaken ist im Abstand von 60 Zentimeter in Griffweite vom Überstieg Leiter/Dach anzuordnen. Ergänzend hierzu präsentierte Martin Binder von ST Quadrat verschiedene Dachsysteme und gab Hinweise zur richtigen Anwendung und den Zulassungsvoraussetzungen von Sicherheitseinrichtungen.

Nach drei Minuten kaum zu retten

In Anbetracht der schrecklichen Brandkatastrophe in London gab Diplom-Ingenieurin Annette Clauß von der Fachberatung Holz Einblicke in die Anforderungen des baulichen Brandschutzes. So gebe es bei einem Bestand in Deutschland von etwa 19 Millionen Gebäuden (Zensus 2011) rund 500.000 Meldungen über Feuerschäden an Versicherungen (GdV 2016) und circa 200.000 Löscheinsätze der Feuerwehr – oder anders gesagt: In einem Gebäude brennt es 1 × in 40 Jahren und nur 1 × in 95 Jahren wird ein Brand von der Feuerwehr gelöscht. Nur wenn die Löscharbeiten in den ersten drei Minuten nach Entstehen eines Brandes erfolgen, beschränken sich die Brandfolgen auf einen sehr lokalen Brandherd, später sind die Schäden groß. Denn vor dem Löschen kommt das Retten der Personen. Hierbei ging es um Schadensursachen, die Einteilung von Gebäuden in unterschiedliche Gebäudeklassen sowie um den korrekten Einsatz von Baustoffen hinsichtlich ihres Brandverhaltens.

Der Kampf gegen Wasser

Genau mit dem gegenteiligen Thema, dem Kampf gegen das Wasser, beschäftigte sich das Referat von Michael Zimmermann. Er verdeutlichte, welche enormen Wassermengen in Form von Baufeuchte im Baukörper vorhanden sein können und bautechnisch gemanaged werden müssen. Damit die Wassermengen keine Schäden an der Baukonstruktion verursachen, käme es auf die richtige Auswahl, Anordnung und besonders auf deren fachgerechte Verarbeitung an. Anhand von Schadensfällen zeigte der vereidigte Sachverständige und Schimmelexperte zahlreiche unterschiedliche Schwachstellen auf und gab Tipps zur fachgerechten Ausführung.

Nach der Vortragsveranstaltung wurden die letzten beiden Themen beim gemeinsamen Barbecue auf andere Weise fortgesetzt. Hierbei ging es bei guter Stimmung ums Kennenlernen beim fachlichen und privaten Austausch untereinander.


Klaus Siepenkort


Den kompletten Beitrag lesen Sie in klempner magazin, Ausgabe 5.2017