Bunker neu verhüllt

Metallfassaden„Wenn man so ein Bauvorhaben beginnt, muss man extrem leidensfähig sein“, sagte Boris Hof, als er von seinem außergewöhnlichen Projekt berichtete. Der Dachdeckermeister sanierte einen alten Luftschutzbunker und setzte ihm ein Penthouse mit einer schönen Metallfassade auf.

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Mit Handwerkskunst sorgte Boris Hof für einen neuen Eyecatcher und zusätzlichen Wohnraum in Offenbach. Alle Fotos: Boris Hof

So außergewöhnlich das Projekt war, so ist Boris Hof auch an das Projekt herangekommen. Bereits in 2011 hat der Dachdeckermeister den Bunker von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben im Internet ersteigert. „Angeboten war das Objekt als Bauland und hätte abgerissen werden dürfen, daran war jedoch angesichts der Kosten für den Rückbau nicht zu denken.“ Seine Idee war, den alten Betonkoloss zu erhalten und Wohnraum zu schaffen. Dies ist mit zwei weiteren Bunker-Umnutzungen in Offenbach bereits erfolgreich gelungen. Da ein Umbau des Bunkerinneren zu kostspielig wäre, sah sein Sanierungskonzept vor, Wohnungen an den Bunkerbau anzubauen und ein Penthouse auf das Dach aufzusetzen. Insgesamt sollten sechs Mietwohnungen zwischen 77 und 115 Quadratmetern mit zwei- bis vier Zimmern entstehen. Die vier Wohnungen seitlich am Bunker sind barrierefrei und zwei große Penthouse-Wohnungen werden oben aufgesetzt. Insgesamt kommen nach den Plänen der Architekten Peter Holik und Frank Andres rund 590 Quadratmeter Wohnfläche zusammen.

Vom Luftschutz- zum ABC-Bunker


Der dreigeschossige Luftschutzbunker Ecke Jahnstraße/Rumpenheimer Straße von 1938 bot rund 300 Menschen auf 460 Quadratmeter Fläche Schutz vor den Bomben des 2. Weltkriegs. „Ich treffe immer wieder Menschen, die den Krieg erlebt haben und während der Angriffe in völlig überfüllten Schutzräumen ausharren mussten“, schildert Boris Hof. Damit das Bauwerk aus der Luft nicht als Bunker erkannt werden sollte, wurde auf die oberste Geschossdecke ein für das Wohnumfeld typisches Satteldach aufgesetzt. In den 1980er-Jahren rüstete der Bund den Bunker aufgrund eines neuen Schutzzieles um. Er sollte nun vor atomaren, biologischen und chemischen Angriffen schützen. „Hierfür lagerten rund 60 Tonnen Quarzsand in den Räumen der Filteranlage, mit der Gifte aus der Luft gefiltert werden sollten. Den bin ich dank eines Beitrages im Fernsehen zum Glück recht schnell losgeworden“, so Boris Hof. Bevor er das Gebäude kaufte, wurde der Bunker als Lager der Offenbacher Feuerwehr genutzt.

200 Tonnen bis zum Dach

Im nicht bewohnbaren Inneren den Bunkers wurden die Treppen der Schutzräume belassen und es entstanden Lager- und Kellerräume, Fahrradabstellplätze als Kellerersatz. Für die Verbindungen zu den seitlich anzubauenden Wohnungen und die Penthouse-Aufstockung mussten Durchbrüche durch die bis zu zwei Meter dicken Betondecken und -wände geschaffen werden. Spezialunternehmen setzten hierzu große Schneidgeräte und Diamantseilsägen ein. Auch das alte Satteldach musste zurückgebaut werden. Über 200 Tonnen Bauschutt wurden abgetragen und entsorgt, bevor mit dem Wohnungsanbau und dem Penthouse auf dem Dach begonnen werden konnte.

Klaus Siepenkort

Den kompletten Beitrag lesen Sie in klempner magazin, Ausgabe 1.2017