Der Schatz der Felsenkirche

Klempner im Ausland: Nach fünf Jahren Gründungsarbeit haben es Dietmar und Eva Pistorius geschafft. Ihr Klempner-Fachbetrieb in Namibia läuft, das Auftragsbuch ist voll. Lesen Sie, wie der ehemalige Zwickauer Betrieb Klempnertechnik in Südwest-Afrika praktiziert und dabei wahre Schätze zu Tage fördert.

Luederitzkirche_Namibia (01).jpg
Immerhin waren 100 Jahre vergangen, bis die Befestigungselemente der Kupfer-Tafeldeckung der stürmischen Witterung nachgaben. Kaum eine andere Dachdeckung hätte diese Zeit ohne Ausbesserungsarbeiten und Sturmschäden überstanden. Foto: Konny von Schmettau

Atemlose Stille herrschte auf dem Kirchenvorplatz, als Klempnermeister Dietmar Pistorius seine Hand in die hohle Spitze des historischen Kirchturms steckte und eine Pergamentrolle hervorholte. Zunächst war lediglich ein zusammengeknülltes Stück Papier sichtbar und die Kugel selbst war leer. Dietmar Pistorius war darüber erst enttäuscht, denn nach alter Klempnertradition werden in Kirchturmspitzen Münzen, Geschenke und andere Schätze verborgen. Auch Grußbotschaften von Bauherren und Spendern und so manches andere, das man für kommende Generationen erhalten will, wurde oft in anderen Kirchtürmen gefunden. Doch dann entdeckte er die Pergamentrolle, die vor hundert Jahren in die oberste Ecke der sich verjüngenden Spitze geschoben war! Vorsichtig rollte Pistorius sie auf und zum Vorschein kam eine "Lüderitzbuchter Zeitung" vom 25. November 1911 mit einem Bericht über die Grundsteinlegung der Felsenkirche. Und damit nicht genug inmitten der Zeitungsseiten befand sich ein Brief des Klempnermeisters Wilhelm Meckel, von Hand geschrieben und unterzeichnet am 12. Juni 1912. Damit war die Sensation perfekt und auch Kirchenvorstand Erich Looser zeigte sich begeistert.

Mit dem gefundenen Dokument wird klar, dass der Handwerker der Felsenkirche aus Deutschland stammte und die Traditionen auch in seiner neuen Heimat fortsetzte. Dietmar Pistorius und seine Mitarbeiter umringten die im Sand liegende Kirchturmspitze mit strahlenden Gesichtern, nachdem Klempner Lukas sie in schwindelnder Höhe von 27 Metern mit größter Konzentration demontierte hatte. Auf den Schultern transportierte er sie bis zum Gerüst, wo seine Kollegen sie entgegennahmen.

Kirche der Diamantensucher

Fernab der Hauptstrecken Namibias, doch voller Geschichte, liegt die Stadt Lüderitzbucht am stürmischen Atlantik. Mit der Ankunft des Bremer Tabakhändlers und Unternehmersohn Adolf Lüderitz 10. April 1883 begann ihre moderne Geschichte. Lüderitz Vision bestand darin, diesen Landstrich für deutsche Auswanderer attraktiv zu machen, Bodenschätze zu erkunden und eine Handelsniederlassung zu gründen. Dies gelang jedoch erst 1908, als der deutsche Bahnmeister August Stauch den ersten Diamanten fand, dem Abertausende folgen sollten - ein Diamantenrausch begann. In dieser Zeit wurde auch die historische Felsenkirche in der Lüderitzbucht erbaut. Genauer gesagt: am 4. August 1912 fand die Einweihung statt, nach nur neun Monaten Bauzeit. Die Glocken wurden bei der Hofglockengießerei Franz Schilling im Thüringischen Apolda gegossen. Seit 1978 steht die Kirche unter Denkmalschutz.

Luederitzkirche_Namibia (10).jpg
)) Inmitten der Zeitungsseiten befand sich ein handgeschriebener Brief des Klempnermeisters Wilhelm Meckel, unterzeichnet am 12. Juni 1912. Foto: Dietmar Pistorius

Immerhin waren 100 Jahre vergangen, bis die Befestigungselemente der Kupfer-Tafeldeckung der stürmischen Witterung nicht mehr standgehalten haben und eine Neudeckung erforderlich wurde. Kaum eine andere Dachdeckung mit Ziegeln oder Schiefer hätte diese Zeit ohne Ausbesserungsarbeiten und Sturmschäden überstanden. Klempnermeister Wilhelm Meckel hatte damals ganze Arbeit geleistet. Dietmar Pistorius aus dem etwa 700 Kilometer entfernten Windhuk übernahm diese ehrenvolle Aufgabe sehr gern. Jedoch verlief der Auftakt der Sanierungsmaßnahmen nicht ohne Hindernisse. Unfachgerecht erstellte und fehlende Baugerüste ließen zunächst Montagearbeiten nicht zu. "Die Gerüste wurden anders erstellt, als wir dies im Vorfeld geplant hatten. Sie waren schief und viele Teile fehlten, sodass ein gefahrloser Zugang zu den Dachflächen nicht gegeben war. Das, was die "Gerüstbauer" aufgebaut hatten, mussten wir anschließend wieder demontieren und neu einrüsten. Fehlendes Gerüstmaterial haben wir aus dem zehn Autostunden entfernten Windhuk anliefern lassen oder wir brachten es bei der nächsten Tour selbst mit", erinnert sich Dietmar Pistorius nur ungern. Die Arbeiten in 27 Metern Höhe war für die Klempner aus Windhuk nicht einfach, zumal heftige Stürme vor allem ab Mittag die Arbeiten extrem erschwerten. Eine Woche lang mussten die Arbeiten am Turm sogar komplett unterbrochen werden, da die Stürme so heftig tobten, dass es kein Halten der Gerüstbretter, Tafeln und Bleche gab.

Konny von Schmettau / Klaus Siepenkort

Weitere Bilder finden Sie in unserer Bildergalerie .

Den ausführlichen Artikel lesen Sie in der klempner magazin Ausgabe 03.13.