Fassade mit Rinnen

Gut Ding will gut geplant sein. Nach diesem Motto recherchierte der Architekt intensiv nach einer passenden Lösung für sein Wohn- und Geschäftshaus. Das Ergebnis: eine frei gestaltbare Metallhülle mit ­integrierten Fassadenrinnen – hergestellt vom Klempner-Fachbetrieb.

Grevenmacher Aufmacher
Das neue Wohn- und Geschäftshaus erinnert an Walmdächer und besitzt nahezu keine rechten Winkel. Es fällt besonders mit seinen innen liegenden Rinnen auf, die die Fassadenflächen unterbrechen. Alle Fotos und Zeichnungen: Rheinzink

Die Bekleidung von Architektenhäusern ist für Klempner- und Spenglermeister oft mit besonderen technischen Herausforderungen verbunden. Denn hiermit möchten Planer potenziellen Kunden zeigen, wie kreativ sie in der Gestaltung und wie leistungsfähig in der Umsetzung von Bauvorhaben sind. In diesem Sinne suchten auch die Architekten Jean-Claude Welter und Maurice Bley als Bauherren nach einer passenden Hülle für ihr neues Wohn- und Geschäftshaus im Luxemburgischen Grevenmacher, in das auch das Architekturbüro einziehen sollte. Aufgrund der vielfältigen Möglichkeiten der Falzanordnungen und der verfügbaren Oberflächenfärbungen recherchierten sie nach verschiedene Variationen für die zukünftige Gebäudehülle. Die Inspiration holten sie sich anhand von Referenzprojekten und Materialmustern bei Handwerksunternehmen und der Industrie. Für die geeignete Gebäudegeometrie, Material und Verbindungstechnik gab letztendlich das Empfangsgebäude der Firma Rheinzink Orientierung. Es besitzt nahezu keine rechten Winkel und fällt mit seinen von innen liegenden Rinnen unterbrochenen Fassadenflächen auf, deren Winkelstehfalze zudem schräg angeordnet sind.

Inspiriert planen

Aufgabe war es, eine Wohnung, das Architekturbüro sowie ein Ladenlokal in ein Raumkonzept zu integrieren und dies mit einem auffällig geformten Baukörper zu umhüllen. Damit der Wohnbereich nicht mit dem Geschäftsbereich kollidiert, konzipierte der Architekt das neue Domizil als Doppelhaus. Die Hälften sollten zwar in ihrer Formensprache zusammenpassen, sich dennoch optisch klar voneinander abgrenzen. Sie erhielten die Form am Boden stehender Walmdächer mit circa 75 Grad geneigten Fassaden- und 50 Grad geneigten Dachflächen. Den Unterschied machen zwei Grautöne der Metalloberflächen sowie einerseits zurückspringend und andererseits
flächenbündig integrierte Fensterfronten. Bei der Wahl des Werkstoffes entschieden sich die Architekten für natürliche Metalloberflächen, die in einem speziellen Patinierungsverfahren in verschiedenen Grautönen gefertigt werden: helles blaugraues Titanzink für den Wohnbereich und fast schwarzes, schiefergraues Titanzink für den Arbeits- und Geschäftstrakt. Ein zusätzliches Unterscheidungsmerkmal der beiden Haushälften ist die Anordnung der per Winkelstehfalztechnik verbundenen Schare an den Giebeln, die vertikal und diagonal zu montieren waren.

Grevenmacher Fassadenrinnen
Um den Fassadenrinnen eine stabile Unterlage und eine präzise Richtung zu geben, montierten die Klempner zunächst Haltebleche aus verzinktem Stahlblech.

Vom Entwurf zur Werkplanung

Den Auftrag für die klempnertechnisch anspruchsvolle Gebäudehülle einschließlich Unterkonstruktion erhielt die Firma Toiture-Antony aus dem benachbarten Mertert. Der Meisterbetrieb bedient alle Bereiche rund um Dach-, Fassaden- und Holzbau, ob Neubau oder Sanierung. Er zählt zurzeit rund 40 Mitarbeiter, deren einzelne Abteilungen von Klempner-, Dachdecker- und Zimmerermeistern geleitet werden. Somit gab es bei der Ausführung des gesamten Aufbaus keinerlei Schnittstellenprobleme und die Arbeiten konnten reibungslos koordiniert werden.

Zuständig für die Projektleitung des außergewöhnlichen Wohn- und Geschäftshauses bei der Firma Antony war Techniker und Dachdeckermeister Sascha Cillien, für die handwerkliche Ausführung Klempnermeister Markus Meyer. Er hatte die besondere Aufgabe, auf die Wünsche des Architekten einzugehen und diese fachtechnisch einwandfrei umzusetzen. Zusammen mit der dem Firmenkollegen Zimmeremeister Matthias Zens sorgte er für die bauphysikalisch funktionierende hinterlüftete Unterkonstruktion.

Klaus Siepenkort

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in klempner magazin 05/2016.