Fassade muss man lernen

Bei Fassadenbekleidungen aus Dünnblech kommt es auf die exakte und ­spannungsarme Herstellung von Anschlüssen und Durchdringungen an. Voraussetzung ist eine richtige Planung und besonderes handwerkliches Geschick.

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Fensterbank mit Ausklinkungen und Quetschfalte an der Fensterecke.

Die Fassade ist die Visitenkarte des Hauses. Deshalb legen Bauherren besonderen Wert auf eine exakte Ausführung, da viele Anschlüsse im direkten Blickfeld liegen. Als wachsendes Tätigkeitsfeld des Klempners wurde dieser Leistungsbereich richtigerweise in die Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung (ÜLU) aufgenommen. „Erstellen von Wandbekleidungen im Winkelfalzsystem mit speziellen Fassadendetails, insbesondere Be- und Entlüftungen, Fenstereinfassungen, Fassadenknickpunkte“, heißt es in den Schulungsunterlagen. In der Spengler-Meisterschule in Würzburg werden die seit Januar 2016 neu geltende ÜLU nach Vorgabe des Heinz-Piest-Instituts für Handwerkstechnik durchgeführt. Es gibt insgesamt sieben neue gewerkspezifische Lehrgänge, die ausschließlich für Klempner/Spengler erarbeitet wurden. Erfreulicherweise können wir sie sehr praxisnah vermitteln. Lehrlinge aus ganz Unterfranken sowie aus dem Saarland kommen zu uns. In Miltenberg werden die Lehrlinge in der Spenglerfachklasse, mit der wir eng zusammenarbeiten, von ihrem Fachlehrer Klaus Wolf ausgebildet. Ergänzend zu den genannten Anforderungen der ÜLU für die Fassadentechnik haben wir neben der Stehfalztechnik auch noch ein gängiges Paneelsystem in den Ausbildungsplan integriert.

Arbeiten am Modell

Mit den Lehrgangsteilnehmern werden am Holzmodell zunächst verschiedene Varianten durchgesprochen und anschließend schriftlich und zeichnerisch skizziert. Nachdem eine passende Variante gewählt ist, dient die Skizze als Vorlage für die Ausführung. Wir haben ein Unterkonstruktionssystem aus Aluminium mit Thermostop gewählt, das gemäß der im theoretischen Unterricht erarbeiteten Vorplanung montiert wird. Wir begründen die Materialwahl damit, dass hiermit keine Ablaufspuren durch Korrosionsprodukte entstehen können, wie dies bei Unterkonstruktionen aus Stahl vorkommen kann. Für die meisten Kursteilnehmer ist es schwer verständlich, dass bei einem Paneelsystem ein Teil des Regenwassers auf der Rückseite der Paneele entlangläuft. Hier ist in den Köpfen der Spengler das Winkel- oder Doppelstehfalzsystem in der entsprechenden regensicheren Ausführung.

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Aluminiumunterkonstruktion, bestehend aus L-Profil, Wandkonsole mit vorgestanzten Rund- und Langlöchern und Thermostop Alle Fotos: Arno Fell

Berücksichtigt werden am Modell auch die Belüftungsebene, Statik und Dämmung. Die Befestigung der UK erfolgt mit Fest- und Gleitpunkten (Rund- und Langlöcher) unter Einsatz selbstschneidender Schrauben als Befestigungsmittel. Wir weisen wir darauf hin, dass die Einzellängen der L-Profile aus Gründen der temperaturbedingen Längen­änderung drei Meter nicht überschreiten.

Ablauf der Schulungseinheit

Die Erstellung des Fensterbankdetails der Bekleidung erfolgt aus einer kompletten Aufgabenstellung, die lautet „Bekleiden des Fassadenmodells mit vorgehängten Paneelen“. Auf das Fassadenmodell sollen eine vorgehängte Außenecke und die Bekleidungsfläche des rechteckigen Fensters aus ein Millimeter dicken Paneelen geplant, gefertigt und montiert werden. Der Abstand von der Holzwand bis zur Vorderkante Aluwinkel der UK beträgt 80 Millimeter. Dieser Aufbau ist mit Alu-Konsolenwinkel sowie den dazugehörigen Thermostop-Unterlagen senkrecht zu montieren.

Arno Fell

Arno Fell