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Feuchtestopp am Elisenbrunnen
Über sechzig Jahre hielt sie, die alte Titanzink-Leistendeckung auf dem Dach des Elisenbrunnens in Aachen. Doch nun war eine umfassende Sanierung der Dachkonstruktion fällig, die die Firma Wadenpohl fachgerecht restaurierte.
Aachen war schon zur Zeit der Römer wegen seiner zahlreichen Thermalquellen ein Bade- und Kurort. Im 19. Jahrhundert erbaute Friedrich Schinkel um die bedeutende "Kaiserquelle" ein repräsentatives Bauwerk, das den Elisenbrunnen bildet und auch im heutigen Stadtbild ein großer Anziehungspunkt für Aachener und zahlreiche Besucher darstellt. Namensgeberin für Aachens Wahrzeichen ist Kronprinzessin Elisabeth von Bayern (1801 bis 1873), Gemahlin des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV, die häufig als Besucherin die Vorzüge Aachens genoss. 1943 wurde der Elisenbrunnen durch Bombenangriffe nahezu vollständig zerstört und Anfang der 1950er Jahre entsprechenden Begehren der Aachener Bürger originalgetreu rekonstruiert. Um einen Restaurantbereich erweitert, konnte der Gebäudekomplex 1953 seiner neuen Nutzung übergeben werden.
Die Dachdeckung der Rotunde und der seitlichen Flügel erfolgte in Leistendeckung, wie dies derzeit üblich war. Zur Ausführung kam das für diese Region typische und historische Rheinisch/Belgische Leistensystem. Diese Deckart zeichnet sich durch eine Holzleiste mit einem regelmäßigen Fünfeck (Pentagon) als Leistenquerschnitt aus. Bei diesem Querschnitt entsteht beim Anlegen der um etwa vierzig Millimeter und neunzig Grad aufgekanteten Schare zwangsläufig eine Fuge, die die problemlose Querdehnung der Deckung ermöglicht. Auf die etwa 15 Millimeter Rückfalze der Aufkantungen wurden die beidseitig gewulsteten Leistendeckel aufgeschoben oder aufgeklickt. Vorteil einer Leistendeckung ist, dass sich die Schare, anders als beim Doppelstehfalzsystem, relativ problemlos auswechseln lassen. Auch ist die Gefahr der Kapillarbildung in den Längsverbindungen nahezu ausgeschlossen. In der modernen Architektur findet man das Leistensystem jedoch nur noch sehr selten. Zum einen ist die sehr starke Gliederung der Dachflächen nicht mehr gewünscht, zum anderen ist diese Deckungsart aufwendiger herzustellen, erfordert einen höheren Materialeinsatz und ist somit im Vergleich zur Doppelstehfalztechnik zu teuer.
Klempnertechnik anno 1953
Zwar sanierungsreif, aber klempnertechnisch erstaunlich gut konstruiert und verarbeitet, stellte sich in 2008 die mittlerweile 55 Jahre alte Deckung dar. Die Klempner führten ihre Arbeiten mit im Rheinisch/Belgischen Leistensystem bereits 1953 nach historischem Vorbild durch, was ein Blick in alte Fachliteratur von 1907 beweist. Die Schare der etwa elf Grad geneigten Dächer hatten sich nach den vielen Jahren der welligen Schalung angeformt und an zahlreichen Stellen, überwiegend in den Querfalzen, waren durch Zinkkorrosion poröse Stellen und Löcher entstanden. Insbesondere die Deckung der flachgeneigten Rotunde war von Lochfraß betroffen. Der Untergrund aus Beton war mit einer Bitumenbahn abgedeckt, die sich mit der Zeit bei Hitzeeinwirkung mit dem Zinkblech verklebte. So war die Dehnung behindert und bereits geringfügig eindringende Feuchte konnte stellenweise zwischen Trennlage und Zinkblech eingeschlossen werden und zur Korrosion führen. Darüber hinaus waren größere Dachflächenteile stark vermoost, sodass der Elisenbrunnen als Fotomotiv für die zahlreichen Besucher nicht mehr besonders attraktiv war. Mit der finanziellen Beteiligung des Landes Nordrhein-Westfalens konnte die Stadt Aachen das Sanierungsprojekt unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten ab 2008 realisieren. Für die Planung, Ausschreibung und Leitung der Dachsanierung, die in drei Bauabschnitten bis 2011 erfolgen sollte, beauftrage die Abteilung Gebäudemanagement der Stadt Aachen den öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen Rainer Schüpphaus aus Wermelskirchen. Den Zuschlag für die Ausführung der Klempnerarbeiten nach dem historischen Vorbild erhielt die Firma Wilhelm Wadenpohl aus Langenfeld.
Denkmalschutz nach den Regeln der Technik
Der erste Bauabschnitt war mit der Neudeckung des markantesten Bauteils, dem Rotundendach, zugleich der anspruchvollste Sanierungsteil. Für dessen Rekonstruktion erforderter das kreisrunde Kegeldach mit der Rinnenausbildung, den konisch zu erstellenden Scharen und mit dem Anschluss an die Bekrönung einschließlich Vergoldung viel Erfahrung und handwerkliches Geschick. So entwickelter Andreas Wadenpohl in Zusammenarbeit mit Rainer Schüpphaus im Zuge der Demontage der Deckung sämtliche Ausführungsdetails. Hierzu erstellte er verschiedene Muster, wie beispielsweise für die aufwendige Rinnenkonstruktion auf den Gesimsen. Anstelle der umlaufend, zu einem Stück verlöteten Gesimsabdeckung kamen nun kurze konische Schare zur Ausführung. Sie sind etwa hundert Millimeter an der Gesimsstufe per Quetschfalz hochgeführt und an der Außenseite mit einer großen fünfzig Millimeter gerundeten Wulst versehen. Auf die Rinnenblende, wie sie an der alten Konstruktion vorgefunden wurde, konnte verzichtet werden, da sie optische unbedeutend war. Zudem würde sie eventuelle spätere Wartungsarbeiten an der Rinne behindern.
Klaus Siepenkort
Weitere Bilder der Sanierung finden Sie hier .
Den ausführlichen Artikel lesen Sie in Ausgabe klempner magazin 05|2011.
