Fliegen zum Weltrekord

Spengler-Events: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen, so startete die Spenglermeistervereinigung Bayern ihren Jubiläumstag. Was folgte, war ein Riesenspaß mit Guinness Weltrekord vor dem Landshuter Rathaus.

ZDM_2017_03_401_BU_01_IMG_3456
Um 15.46 Uhr war es dann soweit: Weltrekord, Jubel und Spenglerlied vor dem Rathaus – die maximale Imagewerbung für das Spengler-/Klempnerhandwerk. Fotos: Klaus Siepenkort

Seit exakt 30 Jahren netzwerken mittlerweile 150 bayerische Spenglermeister, die mit zahlreichen Aktionen Imagepflege für das Handwerk betreiben und den Nachwuchs fördern. Kein Wunder also, dass bei der 30. Jahreshauptversammlung einstimmig die weitere Förderung der Studienrichtung Gebäudehülle an der Hochschule Rosenheim und die Erhöhung des Förderbetrages um 25 % beschlossen wurden. Ebenso klar war es, dass sich die dynamische Spenglermeistervereinigung zu ihrem Jubiläum wieder etwas Besonderes hat einfallen lassen. So war bereits die Tagesordnung der Vereinssitzung neben dem typischen Procedere um einen weiteren Zusatzpunkt ergänzt: Vorbereiten auf den Weltrekord! Es ging diesmal wieder um „Fliegen“ – natürlich aus Blech. Bereits einige Wochen zuvor schon beschäftigten sich die Spenglermeister im Rahmen einer Spendenaktion mit diesem „Getier“. Sie waren etwa 13 cm lang, mit einem Halsband ausgerüstet und als Kragenschmuck konzipiert (siehe hierzu auch klempner magazin Ausgabe 1/2017 Seite 40). Hieraus entstand die Idee zu etwas größerem – nein, sogar zur größten Spenglerfliege der Welt. Rund 50-mal so groß wie die „Spenderfliege“, also über 6,50 Meter breit und 2,50 Meter hoch sollte sie werden. „Wenn schon Weltrekord, dann sollte die Fliege auch gleich in das Guinnessbuch der Rekorde aufgenommen werden. Die Anmeldung bei „Guinness Worldrecords“ war erfolgreich, doch um den Eintrag zu erhalten, musste der Rekord noch schriftlich, per Video und mit Fotos dokumentiert und anschließend beglaubigt werden“, schilderte Norbert Heinzlmeier – was bei den eventerfahrenen Spenglermeistern mal wieder für sprühende Ideen sorgte, ihr Ziel: Maximale Aufmerksamkeit.



Fliegenfalten auf dem Rathausplatz

Im Fliegenfalten geübt, waren alle spenglertechnischen Aufgabenstellungen schnell gelöst und die Form, Biegelinien, Randausbildungen sowie Arbeitsabläufe geklärt. Das Problem ergab sich aus dem Zuschnitt - kein Hersteller der Spenglerbranche war in der Lage, das Blech im erforderlichen Zuschnitt in einem Stück zu liefern (zumindest nicht zu erträglichen Kosten). Denn dies war jedoch Maßgabe und gleichzeitig die Herausforderung. Eher zufällig stieß das Team auf die Firma Euramax. Das Unternehmen ist spezialisiert auf den Wohnwagenbau, für deren Fahrzeughüllen Zuschnitte in Weltrekordfliegenabmessungen zum Einsatz kommen. Somit war auch dieses Problem gelöst. Jetzt fehlte noch der Punkt „Maximale Aufmerksamkeit“. Da sich der Verein aus ehemaligen Schülern der Meisterschule Landshut gründete, sollte die Aktion dort und idealerweise an prominenter Stelle stattfinden, also in der Einkaufsmeile direkt am Rathaus – was sich später als die perfekte Wahl herausstellen sollte.

Drahteinlage mit Bürgermeister

Um die gesamte Organisation des Events kümmerte sich Spenglermeister Norbert Heinzlmeier, alle Vorbereitungen erledigte das Team mit Werner Fünfer, Xaver Stark, Max Pschörer und Jürgen Stifter. Hierzu musste einschließlich Einfalzverlust für Drahteinlage und Umfalzungen an den Flügelenden zunächst das Euromax-Aluminiumblech exakt auf 2,34 x 6,75 m zugeschnitten werden. Um 14.00 Uhr starte der Spenglermeister-Flashmob, als der ausklappbare mobile Arbeitstisch vor das Rathaus rollte – da staunte auch Landshuts Oberbürgermeister Alexander Putz nicht schlecht. Zunächst noch etwas zögerlich konnte er sich schon bald dem dynamischen Treiben nicht erwehren und half tatkräftig beim Umfalzen der Fliegenflügel mit – denn der Weltrekord musste innerhalb von zwei Stunden geschafft werden. Eine Niederlage für Landshut war für das Stadtoberhaupt nicht denkbar. Angefeuert wurde das Landshuter Spenglerfliegenfalten bei herrlichstem Wetter von Ideengeber Andreas Palli (Fa. Haushaut), der mit seiner musikunterstützten fernsehtauglichen Moderation und Interviews das Publikum lockte. Lokalpresse und TV sorgten für die dokumentarische Begleitung.

Meisterhaft falten

Für die handwerklichen Faltungen der Fliegenflügel rollten die Spengler Biegelinien mit einer rund 5 mm breiten, abgerundeten Metallrolle und einem langen Holzlineal ein. Als weiche Unterlage hierzu diente eine Bautenschutzmatte. Zum Falten des unhandlichen Riesenflügels mussten alle verfügbaren 39 Spenglermeister Hand anlegen – mit von der Partie war auch Bundesfachgruppenleiter und Vereinsmitglied Ulrich Leib. Um 15.46 Uhr war es dann soweit: Weltrekord, Jubel und Spenglerlied vor dem Rathaus – die maximale Imagewerbung für das Spengler-/Klempnerhandwerk. So gab es zum 30-jährigen noch einen weiteren Grund zum Feiern. Zum gelungenen Festabend mit Musik und Tanz kamen rund 120 Gäste, auch aus dem benachbarten Ausland. Staatsekretär Bernd Sibler vom Bayerischen Bildungsministerium eröffnete mit seinem Grußwort die Galaparty.

Klaus Siepenkort


Wir sagen Herzlichen Glückwunsch!