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Fließende Formen am Clyde River
Mit dem neuen schottischen Verkehrsmuseum "Riverside" ist der Hafen von Glasgow um eine Attraktion reicher. Erfahren Sie, welche außergewöhnlichen Anforderungen die aufsehenerregende Architektur an Planer und Handwerker stellte.
Panta rhei alles fließt. Nach diesem Motto entwarf die bekannte Architektin Zaha Hadid das neue Riverside Museum in Glasgow. Es bietet einen wohltuenden Kontrast zu der heute in aller Welt gängigen, kubisch geprägten Architektur. Das schottische Verkehrsmuseum stellt seit Ende Juni 2011 mit seiner eigenwilligen Gestaltung einen neuen Anziehungspunkt im Hafen von Glasgow dar. Glasgow, als wichtiger Verkehrsknotenpunkt Schottlands, kann auf eine lange Tradition im nationalen und internationalen Transportwesen zurückblicken. Bereits ab Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich die Stadt durch die Lage am River Clyde zu einem wichtigen Umschlagplatz für den Handel in Übersee. In Industriehallen und Werften wurden Züge und Schiffe gebaut; 1896 nahm die drittälteste U-Bahn ihren Verkehr auf. Heute treffen hier vier Autobahnen aufeinander und zwei Flughäfen binden die Stadt an den internationalen Luftverkehr an. Diese Tradition und Entwicklung können Einwohner und Besucher Glasgows seit 1964 im Museum of Transport nachvollziehen. Das Museum war zunächst in einem ehemaligen Straßenbahndepot untergebracht und ab 1987 im Ausstellungszentrum Kelvin Hall. Da hier aber längst nicht alle Exponate gezeigt werden konnten, fiel die Entscheidung für einen Neubau, der direkt am River Clyde entstehen und zugleich das Hafengebiet aufwerten sollte. Den Auftrag für Planung und Realisierung erhielt die Architektin und Pritzker-Preisträgerin Zaha Hadid aus London. Der Pritzker-Preis ist der weltweit renommierteste Preis im Bereich der Architektur. Hadid entwarf ein Gebäude, das durch ungewöhnliche Architektur und eigenwillige Gestaltung einen neuen Anziehungspunkt im Glasgower Hafen darstellt. In Formgebung und Grundriss ähnelt das neue Museum of Transport, das Riverside Museum, einer unregelmäßig gefalteten und zweimal gebogenen Serviette, deren Anfang und Ende aus zwei komplett verglasten Giebeln bestehen. Hier startet der Besucher seine Reise durch einen Museumstunnel, der die Blicke auf das Wesentliche, die rund 3.000 Exponate, lenkt. Es gibt Fahrräder, Autos, Straßenbahnen, Busse und Lokomotiven zu entdecken, originalgetreu nachgebaute Straßenzüge mit allen Sinnen zu erleben. So wie fließender Verkehr auf der Straße oder das Wasser des River Clyde gehen die unterschiedlichen Ausstellungsbereiche ineinander über. Die sichtbaren Unterseiten der gefalteten Serviette unterstreichen die Fließrichtung und führen den Besucher leicht durch das Museum. Nur die Exponate lassen ihn anhalten oder kleine Umwege machen, denn der Museumstunnel ist im Innern komplett stützenfrei. Keine Stütze behindert den Besucherstrom oder bringt ihn ins Stocken. Möglich wurde dies durch ein Faltwerk aus Stahl, das eine Breite von 35 Metern und eine Länge von 167 Metern überspannt. Unterstützung erhält es lediglich in der Mitte des Museums durch die beiden mäandrierende Biegungen, die der Stahlkonstruktion Stabilität verleihen. Diese weichen, fließenden Übergänge kennzeichnen auch die äußere Gestaltung des Museums.
Dach und Fassade aus einem Guss
Fassade und Dach gehen ohne Absätze oder Vorsprünge ineinander über, die äußere Dachfläche zeigt die im Innern sichtbaren, mäandrierenden (schlingenhaften) Erhebungen und Täler und weist Höhenunterschiede von bis zu 10 Metern auf. Um das gewünschte einheitliche Erscheinungsbild zu erhalten, besitzen Fassaden- und Dachbekleidung den gleichen Aufbau. Die Unterkonstruktion besteht aus Stahltrapezblechen, die auf der Stahlkonstruktion montiert wurden. Darauf wurden Bitumendichtungsbahnen, Mineralwolle, Holzwerkstoffplatten und eine Unterspannbahn verlegt. Als Bekleidung kam Titanzink der Rheinzink GmbH & Co. KG, Datteln, mit einer Dicke von 0,8 Millimetern zum Einsatz. Um Lichtreflexionen zu minimieren, die bei naturbelassenen, walzblanken Metallen auftreten können und von Architekten und Bauherren häufig als störend empfunden werden, kam passend zum maritimen Standort blaugrau vorbewittertes Titanzinkblech zur Ausführung. Die Metallbänder werden im Vorbewitterungsprozess nach einem Säuberungsvorgang einer Beizung unterzogen. Diese Beizung ergibt eine gleichmäßige Farbgebung, die jedoch nicht mit einem RAL-Farbton verglichen werden kann. Durch eine anschließende organische Oberflächenbehandlung ist das Material weitestgehend gegen Verarbeitungsspuren wie Fingerabdrücke geschützt. Auch wird ein verbesserter Schutz bei Lagerung und Transport erzielt. Da mit dem Beizverfahren nur der Farbton der Schutzschicht erzielt wird, bleibt die Eigenschaft von Titanzink, eine lebenslang schützende Patina zu bilden, vollständig erhalten.
Frank Neumann
Den ausführlichen Artikel lesen Sie in Ausgabe klempner magazin 05|2011.
