Glanzstück in Rauten

Dass Architektur und Handwerk eine Symbiose bilden können, zeigt der neue Pavillon inmitten einer Wohnbebauung Münchens. Mit seiner Gold glänzenden doppelschaligen Gebäudehülle in Falztechnik ist das Bauwerk der Eyecatcher im Viertel

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Die diagonalen Rautenlinien umfassen den Baukörper und verlaufen an den Eckausbildungen ohne Unterbrechung. Foto: Ralf Dieter Bischoff

Seit 2013 entsteht auf dem Gelände des ehemaligen Bahnbetriebswerkes München 4 das Stadtquartier „Baumkirchen Mitte“. Von 1924 bis 1992 wurden hier Dampflokomotiven und Güterwaggons repariert und rangiert. Nach der endgültigen Stilllegung des Bahnwerkes wächst hier in mehreren Bauabschnitten ein urbanes und hochwertiges Stadtquartier in direkter Nachbarschaft zu einem Landschaftspark – und damit vor allem auch der dringend benötigte Wohnraum. Auf einer Gesamtfläche von über 130.000 Quadratmetern werden die unterschiedlichen Bedürfnisse künftiger Bewohner und Benutzer vereint. Von den knapp 70.000 Quadratmeter Bauland sind weitere 34.000 Quadratmeter für Grünflächen und private Gärten vorgesehen.

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Die Trapezleisten wurden vor der Verlegung der Abdichtungsbahnen auf die rohe Schalung geschraubt. Die Abdichtungsbahnen sind mit Aluprofilen auf den Leisten fixiert. Foto: Fleischer Metallfaszinationen

Rund 400 Quadratmeter des Areals sorgen jedoch schon jetzt für besondere Aufmerksamkeit im neuen Stadtviertel. Denn hier gestaltete das Wiener Architekturbüro Delugan Meissl Associated Architects einen ganz besonderen Gewerbepavillon. Mit seinem fünfeckigen Grundriss und einer Hülle aus goldfarbener Kupfer-Alu-Legierung, kombiniert mit Glasflächen, ist das Bauwerk der Eyecatcher im Zentrum der geschwungenen achtgeschossigen Wohnbebauung. Da alle Balkone auf den Innenhof ausgerichtet sind, ist der Pavillon maximal im Blick der Bewohner. Klar, dass auch an die Bauausführung besonders hohe Anforderungen gestellt waren – genau das Richtige für Klempnermeister Mike Fleischer. Denn mit der Herausforderung, außergewöhnliche Gebäude kreativ mit Metall zu gestalten, hat der Dünnblechspezialist bereits einschlägige Erfahrungen gemacht.

Filigran konstruiert

So war auch bei diesem Objekt seine Beratungskompetenz gefragt; denn es galt, alle Dach- und Fassadenflächen mit schräg angeordneten Rautenschindeln zu bekleiden. Das war bei der Fassade kein Problem, jedoch waren die Liegefalze des Rautensystems für die etwa 7 Grad flachgeneigten Dachflächen nicht geeignet: Liegende, einfache Falze dürfen gemäß den Fachregeln für Klempner- und Metallarbeiten erst ab einer Dachneigung von 25 Grad ausgeführt werden. Darüber hinaus sollten alle vertikalen und horizontalen Eckausbildungen des Gebäudes optisch scharfkantig-filigran und ohne jegliche Eckleisten und Überfalzungen ausgeführt werden – dies galt ebenso für die drei Belichtungsöffnungen auf dem Dach. „Zunächst war eine Bekleidung mit Quadratrauten 60 cm × 60 cm vorgesehen. Bei einem anderen Projekt hatten wir anstelle rechtwinkliger Elemente die Rauten als schiefwinkliges Parallelogramm mit einer speziellen Anordnung verwendet. In den Beratungsgesprächen hatten wir dies präsentiert und eine ähnliche Variante für den Pavillon vorgeschlagen. Die Rautenlinien sollten hierbei den Baukörper diagonal umfassen und auch an den Eckausbildungen ohne Unterbrechungen durchlaufen. Die Rauten-Elemente mussten hierzu entsprechend gekantet und einteilig ohne jegliche Verbindungsleisten über Eck geführt werden. Diese Variante fand letztendlich die Zustimmung der Architekten. Geeinigt hatten wir uns auf Rautenabmessungen 60 cm × 120 cm“, schildert Mike Fleischer.

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Da sich die Fassadengestaltung mit Rautenschindeln auch am Dach fortsetzen sollte, musste eine zusätzliche wasserdichte Ebene geschaffen werden. Foto: Fleischer Metallfaszinationen

Klaus Siepenkort

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in klempner magazin 4.2017