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Goldene Spenglerarbeit 2011

Metalldeckungen und Fassadenbekleidungen haben in der zeitgemässen Architektur einen hohen Stellenwert und stossen bei Bauherren und Architekten auf Interesse. Um diese Architektur und das Handwerk mit Dünnblech der Öffentlichkeit vorzustellen, hat der Verein diplomierter Spenglermeister der Schweiz (VDSS) bemerkenswerte Arbeiten dieser Art bewertet.

Die Dachlandschaft besteht aus vier verschieden Dachflächen. Fotos Tom Bisig, Basel

Die Jury unter Präsident Christoph Aeberhard, mit Professor für Architektur Jürg Grunder und kompetenten Spenglermeistern hat zum fünften Mal, nach 1999, 2002, 2005 und 2008 den VDSS-Zehnder-Preis "DIE GOLDENE SPENGLERARBEIT" für eine qualitativ hochstehende metallische Gebäudehülle verliehen. Die Auszeichnung wurde am 6. Mai 2011 in Bad Ragaz in festlichem Rahmen übergeben. Siegerin ist: Die Spenglerfirma Ramseyer und Dilger, Bern, zuständig die Spenglermeister Heinz und Remo Wyss.

Das monolithische Gebäude mit seiner schimmernden Metallhaut aus vertikalen, spiegelnden Profilblechen respektiert die sensible Silhouette

Der voluminöse, im grossen Park neben dem alten Casino neu gebaute Kongresssaal von Interlaken will der Stadt helfen, sich weiterhin international als Kongressstandort zu behaupten. Die Balance zwischen einem selbstbewussten Auftritt des Neubaus und dem respektvollen Umgang mit dem historischen Ensemble der bestehenden Anlagen ist gelungen. Entstanden ist ein faszinierender Bau, mit einer Bedachung für die Ewigkeit und mit einer genialen Fassade aus kaltem Blech, welche die ganze Wärme des umliegenden Parks und des Altgebäudes widerspiegelt. Ausgeführt hat diese prächtige Arbeit die Spenglerei Ramseyer und Dilger Bern, unter der Führung der Spenglermeister Heinz und Remo Wyss, bei der Fassade in Zusammenarbeit mit der Firma Ediltecnica AG von Urtenen-Schönbühl, geleitet durch die Spezialisten für Gebäudehüllen Norbert Wymann und Stefan Kesselring.

Seit dem letzten Jahr steht im Zentrum von Interlaken neben dem historischen Casino der neugebaute Kongresssaal. Es galt, eine Balance zu finden zwischen einem selbstbewussten Auftritt des neuen Kongresssaales und respektvollem Umgang mit dem historischen Ensemble der bestehenden Anlagen. Das monolithische Gebäude mit seiner schimmernden Metallhaut aus vertikalen,

spiegelnden Profilblechen respektiert die sensible Silhouette. Im Glanz des neuen Gebäudes und dessen homogener Hülle werden die Strukturen und Farben der gewachsenen und gebauten Umgebung aufgenommen. Der Baukörper ist deutlich präsent, gleichzeitig nimmt er sich aber in der Wahrnehmung des Betrachters zurück.

Die Fassade ist nur der Vorbote. Die Krönung liegt etwas weiter oben, leider für den Normalbetrachter schwer einsehbar

Kommentar Jury

Die Ausgangslage war nicht einfach für den Architekten. Mitten in einem grossen Park, neben dem traditionsreichen Casino und vis-à-vis vom Badhaus auf der anderen Aare-Seite, beides Architekturjuwelen früherer Bauzeiten, sollte das neue Kongresshaus gebaut werden.

Entstanden ist ein Monolith, den man aber trotz seiner enormen Masse nur dezent und total harmonisch integriert wahrnimmt. Die Architekten haben für die Fassade einen Werkstoff und ein Profil gewählt mit starker Spiegelung, mit grosser Wandelbarkeit im Ausdruck, und mit perfekter Wiedergabe der Umgebung und Umwelt. Das ist absolut faszinierend und hat zur Folge, dass sich ein kaltes Material wie Chromstahl "ent-Material-isiert". In der Fassade erstrahlen der Park, die Bäume, der Himmel, das alte Gebäude nebenan… Einfach, aber absolut genial.

Die Fassade ist nur der Vorbote. Die Krönung liegt etwas weiter oben, leider für den Normalbetrachter schwer einsehbar. Das riesige Metalldach, bedeckt mit Roofinox Pearl matt, mit Doppelstehfalz, Clip-Relief und Doppelsicke realisiert, mit optischen Scharenlängen bis 44 m, mit mehreren Gefällsrichtungen, die ineinander übergehen ist Ausdruck des heutigen Zeitgeistes bei geneigten Dächern. Die Fläche beträgt 2''400m2 und ist gespickt mit anspruchsvollen Überlappungen, An- und Abschlüssen sowie Entwässerungen. Dach, Fassade, Planung und Handwerk sind perfekt. Das lässt vermuten, dass die Zusammenarbeit von Architekt, Fassadenbauer und Spenglerfirma intensiv war. Die Jury weiss, dass solche Erfolge auf der Synergie perfekter Zusammenarbeit beruhen. Sie ist von diesem Bau begeistert, dies umso mehr, weil von derselben Spenglerfirma zwei sensationelle Bauten eingereicht wurden. Ramseyer und Dilger machen den kalten Chromnickelstahl zum "Gold der Neuzeit."

Die Sieger Heinz und Remo Wyss erhielten den begehrten VDSS-Zehnder-Preis, einen Check von Franken 10'000.- anlässlich der Generalversammlung des Vereins vom 6. Mai in Bad Ragaz. Der Preis wurde durch das Spenderehepaar Alex und Jeannette Zehnder aus Hergiswil persönlich übergeben. Die von der Spenglerfirma Ramseyer und Dilger realisierte Gebäudehülle verbindet traditionelle und innovative Spenglertechniken unter Berücksichtigung höchster ästhetischer Anforderungen. Die ganze Spenglermannschaft kann auf ihre technische und handwerklich beispielhafte Realisation stolz sein. Diese Bemerkungen gelten natürlich auch für das Partnerteam von Ediltecnica. Der Kongresssaal Interlaken ist gesamtheitlich betrachtet ein Werk von hoher Qualität. Ein kurzer Besichtigungshalt bei einem Ausflug ins Berner Oberland lohnt sich und ist jeder Leserin und jedem Leser sehr zu empfehlen.

Weitere Infos lesen Sie in klempner magazin 04 und online unter

vdss.ch

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