Himmelsrichtungen verknüpft

Wien baut derzeit einen Europa-Bahnhof der Superlative. Die komplexen Dachgeometrien der verknüpften Bahnsteig-Rautendächer sind architektonisches und klempnertechnisches Highlight. Als Dachdeckung wählten die Klempner ein Gleit-Falz-Profildach.

ZDM_02_2012_100_BU_01_Wolf_Aldinger_NEU_2.jpg
Verkehrsknoten der Superlative: 145.000 Reisende werden im Hauptbahnhof Wien in Zukunft unter den Bahnsteig-Metalldächern ein-, aus- und umsteigen oder in der Bahnhofscity shoppen gehen. Foto: ÖBB/Stadt Wien

Sechs Kilometer Bahnstrecke, 30.000 Quadratmeter Brückenbauten, 100 Kilometer Gleis mit 300 Weichen, acht Kilometer Lärmschutzwände und rund vier Milliarden Euro Investition in die Stadtentwicklung, davon etwa 987 Millionen Euro für die Bahnhofs-Infrastruktur und Verkehrsstation das sind die Zahlen des neuen Wiener Hauptbahnhofes. Ende 2014 ist die Eröffnung des Verkehrsknotenpunktes geplant, dessen Teilbetrieb bereits im Dezember 2012 erfolgen soll. Der moderne Bahnhof ersetzt eine historisch gewachsene Situation mit zwei Endbahnhöfen den Süd- und Ostbahnhof, durch die sich die vielen Reisenden zwängen und zusätzliche Wartezeiten durch rangierende Züge in Kauf nehmen müssen. Er wird ein zentraler Durchgangsbahnhof, der erstmals Züge aus allen Himmelsrichtungen verknüpft. Somit entsteht mitten in Wien ein Kreuzungspunkt dreier transeuropäischer Bahnnetze (TEN-Korridore): TEN 17 ParisStraßburgStuttgartWienBratislava; TEN 22 AthenSofiaBudapestWienPragNürnberg/Dresden; TEN 23 DanzigWarschauBrünn/Bratislava-WienVenedig. In Zukunft können durch das neue Bahnverkehrskonzept, das an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden ist, täglich 145.000 Reisende auf fünf stahlüberdachten Inselbahnsteigen mit zehn Bahnsteigkanten ein-, aus-, umsteigen oder "durchgleiten". In der neuen Bahnhofcity unter den Gleisanlagen laden Geschäftsflächen zum Einkaufen ein.

Gleiten statt zwängen

Mit der Montage des ersten markanten Bahnsteigdaches wurde das architektonische Highlight Wiens sichtbar. Getragen wird das Dach von einer komplexen Stahlkonstruktion, die von der österreichischen Unger Steel Group konstruiert, gefertigt und errichtet wird. Als Dachdeckung kommt ein industrielles und bauaufsichtlich zugelassenes Gleit-Falz-Profildach der Firma Zambelli zur Ausführung. Dies ist für große Scharlängen konzipiert; die spezielle Verbindungstechnik ermöglicht eine sehr zeitsparende Verlegung. Als Funktionsschichten unter dem Metalldach sind eine Trapezblechtragschale, eine selbstklebende Dampfsperre sowie eine trittfeste Sechzig-Millimeter-Mineralfaserdämmung angeordnet. Das Dachsystem besteht aus selbsttragenden und begehbaren Profilbahnen aus ein Millimeter dickem, stucco-matt patiniertem Aluminium, das aufgrund der hohen Korrosionsbeständigkeit einen zuverlässigen Schutz vor der in Großstädten erhöhten Luftverschmutzung bietet. Es zeichnet sich durch eine spezielle Halteclip-Geometrie und eine zwängungsfreie Montagetechnik zur Profilbahnverbindung aus. So konnten an anderen Bauvorhaben bereits Bahnlängen bis zu neunzig Meter realisiert werden, informiert der Hersteller. Bereits ab 1,5 Grad Dachneigung kann das System eingesetzt und durchgängig ohne Querstoß verlegt werden. Die Gleitclips ermöglichen eine durchdringungsfreie Montage des Metalldaches, auch auf Pfetten oder vollflächiger Holzschalung. Alle systemkompatiblen Zubehörteile, zu denen auch Schneefänge, Trittstufen, Solarhalter oder Sicherungs-Seilsysteme zählen, werden ebenfalls durchdringungsfrei auf den Profilbahnstegen montiert. Ein nachträgliches Verbördeln der Längsverbindungen ist bei diesem System nicht erforderlich, so dass die Bahnen auch bei niedrigen Temperaturen problemlos verlegt werden können.

ZDM_02_2012_100_BU_06_Montage.jpg
Der Anfang ist gemacht, die Arbeitsabläufe sind koordiniert und das Klempnerteam arbeitet Hand in Hand. Der Weg für die restlichen 30.000 Quadratmeter Metalldachdeckung ist bereitet. Foto: Zambelli

Am Hauptbahnhof Wien kommen

Aluminium-Profilbahnen mit einer Baubreite von 500 Millimetern zur Ausführung. Die Befestigung erfolgt zeitsparend mit drei Meter langen Clipleisten auf der sechzig Millimeter dicken Schalldämmung. Die Clipleisten sind bereits werkseitig mit sechs Clips im Systemabstand ausgerüstet, so dass gleich sechs Profilbahnen mit einem Schnurschlag ausgerichtet und für die Verlegung vorbereitet werden. Die Befestigung erfolgt mit selbstbohrenden Schrauben in der bauseits erstellten Trapezblech-Tragschale. Da sich die Anordnung der Clipleisten nach der Lage der Trapezblechsicken richtet, müssen diese an der Oberseite der Dämmung gekennzeichnet sein. "Das Rib-Roof-Montageprinzip schaltet hier mehrere Problemstellen aus. Die spezielle Einrastmechanik sorgt mittels Kraftschluss für eine dauerhafte Profilbahnverbindung und ermöglicht im Vergleich zur Verbördelung eine werkseitig gleichbleibende Dilatation. Zudem reduziert die optimierte Gleitclip-Geometrie, bei der die Cliphöhe annähernd gleich der Profilbahnhöhe ist, die Hebelwirkung auf die Dachhaut", erklärt Wilhelm Friedl, Geschäftsführer der Zambelli Dach- und Fassadentechnik GmbH & Co. KG.

Klaus Siepenkort

Weitere Bilder zu dem Bauprojekt finden Sie in unserer Bildergalerie .

Den ausführlichen Artikel lesen Sie in Ausgabe klempner magazin 03.12.