Holzwerkstoff im Kreuzfeuer

Im Rahmen der Fachmesse BAU luden Bundesfachgruppenleiter Ulrich Leib, die SHK-Innung München sowie der Fachverband SHK Bayern zur traditionellen Podiumsdiskussion. Im Kreuzfeuer der Experten waren diesmal Holzwerkstoff- und OSB-Platten als Deckunterlage für handwerkliche Falzdächer.

Podiumsdiskussion BAU Leib
Nach der Begrüßung durch René Eberhardt (links) gab Ulrich Leib (rechts) gleich den richtigen Diskussionseinstieg mit einem massiven Schadensfall. 2.,3. v. links Dr. Konrad Hanf und Stefan Gottfried. Alle Fotos: Klaus Siepenkort

Metalldachspezialisten aus dem gesamten Bundesgebiet, Österreich, Südtirol und der Schweiz folgten dem Ruf zur Teilnahme an der Podiumsdiskussion, denn es ging um eine tragende Angelegenheit – der Deckunterlage für Metalldächer in handwerklicher Stehfalztechnik. „Holzwerkstoff- und OSB-Platten als Unterkonstruktion für Spenglerarbeiten – Fluch oder Segen?“ lautete das Diskussionsthema, das kontroverse Meinungen von Fluch bis Segen hervorbrachte. Nach der Begrüßung der Teilnehmer und Experten auf dem Podium durch René Eberhardt, Referent Technik beim Fachverband SHK Bayern gab Ulrich Leib gleich den richtigen Einstieg mit einem massiven Schadensfall. Er zeigte die „selbstkompostierte“ Holzkonstruktion aus OSB-Platten einer mit Zink gedeckten Dachgaube, bei der sich sogleich Podiumsgast Stefan Gottfried zu Wort meldete. Der Diplomingenieur ist beim OSB-Plattenhersteller Swiss Krono GmbH für den technischen Service zuständig und stellte zurecht fest, dass bei diesem bauphysikalisch fehlerhaften Aufbau keine Holzkonstruktion „überlebt“ hätte – weder aus Massivholz noch aus Holzwerkstoffen. Feuchteeintrag in die Dachkonstruktion müsse immer vermieden werden, egal welche Platte oder Schalung eingebaut wird; hilfreich sei hierbei ein schlüssiges Baustellenmanagement. Stefan Gottfried gab aber auch den Hinweis, dass OSB-Plattenwerkstoffe für den jeweiligen Anwendungszweck geeignet sein und die jeweiligen Herstellerhinweise beachtet werden müssen.

Vorteil Statik, Nachteil Diffusionsdichtheit

Wolfgang Weigl, Ausbildungsleiter für die Zimmerer bei der Bauinnung München und Sachverständiger im Zimmererhandwerk zeigte Vor- und Nachteile beim Einsatz von Holzwerkstoffplatten auf. Vorteile seien gutes Handling, einfache Lagerung, statische Eigenschaften und eine zeitsparende Verlegung. Der Holzexperte bewertet deren Einsatz jedoch bauphysikalisch und in Verschattungsbereichen als kritisch.

Auch Willi Reiter, Spenglermeister und Mitglied der Landesfachkommission Spengler in Bayern, sieht ein bedeutendes bauphysikalisches Problem, insbesondere in der hohen Diffusionsdichtheit der OSB-Plattenwerkstoffe. Mit der zudem fehlenden Pufferfähigkeit temporär auftretender Feuchte gegenüber Schalungen aus Massivholz hält er deren Einsatz als Deckunterlage für handwerkliche Falzdächer für problematisch.

Von Podiumsteilnehmer Dr. Konrad Hanf, Leiter technischer Innendienst bei Prefa Wasungen, erhielten die Diskussionsteilnehmer Vergleichswerte von Holzwerkstoffen und Massivholz als Deckunterlagen. So gab er an, dass im Neubau heute rund 30% Holzwerkstoffplatten und 70 % Naturholz zum Einsatz kommen. Bei fachgerechtem Einbau geht er erfahrungsgemäß bei Holzwerkstoffplatten von einer Nutzungsdauer von 30 Jahren aus, bei Massivholz von 50 bis 80 Jahren. Dr. Hanf sieht beide Materialien bei fachgerechtem Dachaufbau als geeignet an, er empfiehlt in seinem Fazit aufgrund der Nachhaltigkeit jedoch den Einsatz von Naturholz.

Fehlertoleranter bauen

Diplomholzwirt Klaus Goecke, Sachverständiger bei Holz.Bau.Beratung berichtete, dass die Häufung der Schadensfälle nicht ausschließlich auf den Werkstoff zurückzuführen sei. Als Ursachen berichtete er auch über Fehler bei der handwerklichen Ausführung der Funktionsschichten, von der Deckung bis zur Innendecke sowie im bauphysikalischen Aufbau.

Klaus Siepenkort

Den kompletten Beitrag lesen Sie in klempner magazin 02. 2017.