Home Klempner Magazin
» TECHNIK » Blitzschutz-Versuchsreihe
Aufschlussreiche Blitzschutz-Versuchsreihe
Informatives Fachgepräch
Foto: P r e f a
Über die aufschlussreiche Blitzschutz-Versuchsreihe sowie die daraus resultierenden Anwendungsmöglichkeiten für die Klempnertechnik sprach (v.l.) Dipl.-Ing. Frank Bußdorf mit Dipl.-Ing. Andreas Schmelzer und mit Dipl.- Ing. Jens Schönau, CE-Lab- Prüfingenieur in Ilmenau. Das Manuskript dieses interessanten Gesprächs stellen wir für Sie hier bereit.
Frank Bußdorf: Herr Schönau, der TÜV-Thüringen bescheinigte den Prefa-Dacheindeckungssystemen aus farbbeschichtetem Aluminium bereits im Jahre 1993 die Eignung als natürliche Komponente des Blitzschutzes. Mit Überarbeitung der VDE-Norm im Jahre 2002 wurde dieses TÜV-Gutachten widerrufen. Können Sie schildern, wie es dazu kam?

Jens Schönau: Anlässlich der im Zweijahresrhythmus stattfindenden VDE-Tagungen des Ausschusses für Blitzschutz und Blitzforschung (VDE/ABB) wurde 2002 die VDE-Norm 0185-305-3 überarbeitet und die VDE-V-0185-305-3 als Vornorm der aktuellen DIN EN 62305-3 (3) Teil 1 bis 4 gültig. Diese Vornorm forderte mit Blick auf sicherheitsrelevante Anlagen, wie beispielsweise Pipelines oder Gasbehälter, auch von Metallbedachungen sehr hohe Metallstärken. Dem Präventionsgedanke folgend, sollte somit durch Blitzeinschlag hervorgerufene Lochbildung wirkungsvoll vorgebeugt werden.

Andreas Schmelzer: Das macht durchaus Sinn, wenn auf der Innenseite der Behälter beispielsweise entzündliche Stoffe gelagert werden. Für das Metalldach konnte diese Forderung nicht nachvollzogen werden. Heute wissen wir, dass Blitzeinschläge in Metalldächern nicht häufiger sind als bei anderen Dachdeckungsmaterialien. Sollte es zu einem Blitzeinschlagereignis beim Metalldach kommen, sind zwar punktuell Aufschmelzungen im Bereich von wenigen Millimetern Durchmesser möglich, das Metalldach bleibt jedoch weiterhin funktionsfähig und erfüllt dabei seine Regen- und Blitzschutzaufgaben zuverlässig.

Frank Bußdorf: …zumal laut offizieller Definition eine Blitzschutzanlage in erster Linie Personen und Werte schützen soll, wozu unsere Metalldächer unbestritten in der Lage sind.

Jens Schönau: Sie haben recht, wenn Sie auf die Forderung mehrerer Millimeter starker Metallplatten für die Dacheindeckung anspielen. Wir wissen allerdings, dass die Blitzschutzfunktion bereits bei 0,7 mm starkem Aluminium gegeben ist. Das beweist die aktuelle Versuchsreihe eindrucksvoll. Die geprüften Prefa- und Falzonal-Dachsysteme sind, ohne zusätzliche Fangleitungen oder -stangen, als natürlicher Bestandteil der Blitzschutzeinrichtung geeignet. Die Dachflächen müssen jedoch vorschriftsmäßig geerdet sein. Außerdem muss der Gebäudeeigentümer wissen, dass metallgedeckte Flächen nach einem Blitzeinschlag auf mögliche Schadstellen untersucht werden sollten.

Frank Bußdorf: Ein weiteres Kriterium stellt die Verbindungstechnik am Metalldach dar. Die Vornorm berücksichtigte in erster Linie aus dem Behälterbau stammende Schweiß- und Nietverbindungen. Doch genau diese Techniken spielen bei einem Aluminiumdach eine eher untergeordnete Rolle. Für uns war es wichtig zu wissen, was eine Steck- oder Falzverbindung leistet. Wie sehen dort die Versuchsergebnisse aus?

Jens Schönau: Grundlegend kann ich zu den Versuchen sagen, dass ausschließlich die von Ihnen angesprochene Verbindungstechnik Prüfgegenstand war. Die Versuche beweisen, dass der an einem Punkt der Prüflinge eingeleitete Blitzprüfstrom über mehrere Dach-Elemente und Verbindungen bis zum Ableitpunkt fließt. Dabei erstaunte mich, als Metalldachlaie, vor allem, dass auch die einfachen Überdeckungen der Prefa-Dachplatten diese Prüfungen bestanden. Somit konnte die vom VDE/ABB aufgestellte These „Farbbeschichtungen wirken als isolierender Faktor“ widerlegt werden. Welche Bedachungsmaterialien und Verbindungstechniken als natürliche Komponente der Blitzschutzeinrichtung noch in Frage kommen, zeigen auch die in der DIN EN 62305-1-4 enthaltenen Tabellen des „Normenbeiblattes 4“.

Andreas Schmelzer: Außer von den Verbindungstechniken der Prefa-Produkte sprachen Sie von der Stehfalztechnik mit Falzonal- beziehungsweise Prefalz-Farbaluminium. Welche Rolle spielen dabei die Unterkonstruktion oder Zubehör wie Falzdichtbänder?

Jens Schönau: Die Unterkonstruktionen der Versuchsaufbauten war genau spezifiziert. Bei den kleinformatigen- sowie den Stehfalzprüflingen gehörte jeweils eine Vollholzschalung einschließlich Trennlage zum Versuchsbestandteil. Falzdichtbänder wurden nicht verwendet. Daher kann das Ergebnis ebenso wenig auf abgedichtete Stehfalze wie auf andere Dachaufbauten übertragen werden.

Frank Bußdorf: Sind somit Dachsysteme, die beispielsweise mittels eingefräster C-Profile direkt auf der Wärmedämmung montiert werden, als Blitzschutzkomponente ausgeschlossen?

Jens Schönau: Ja, es sei denn, deren Tauglichkeit wird entsprechend nachgewiesen. Auch von Handwerkern selbst hergestellte Schindelsysteme sowie andere Eindeckarten aus farbbeschichtetem Aluminium benötigen einen gesonderten Einzelfallnachweis. Nochmal: Prüfgegenstand war die Prefa- sowie die Stehfalz-Verbindungstechnik mit Prefalz und Falzonal. Das Ergebnis ist, dass alle Prefa-Dach-Systeme sowie mit den Materialien Falzonal oder Prefalz hergestellte Stehfalzdächer als natürliche Komponente der Blitzschutzeinrichtung geeignet sind.