Lamellen für die Hülle

Das Gesundheitszentrum der Kleinstadt Nozay (F) zeichnet sich aus durch eine außergewöhnliche Gebäudearchitektur. Für die Gebäudehülle mit rund 2,5 Kilometer Fassadenlamellen aus vorbewittertem Titanzink ließen sich Planer und Klempner pfiffige Details einfallen

Lamellenvorhänge
Die Fassade ist schieferfarben und erinnert an Lamellenvorhänge. Die Lamellen sind übereinander mit unterschiedlicher Winkelstellung montiert. Foto: Rheinzink

Der kleine 4.000-Seelen-Ort Nozay muss sich, wie viele ländliche Regionen Europas, damit auseinander,setzen, dass es die Ärzte in die Städte zieht und bestehende Praxen keine Nachfolger finden. Um dennoch die medizinische Versorgung sicherzustellen und gleichzeitig attraktive Arbeitsplätze für Mediziner zu schaffen, fasste die regionale Entwicklungsgesellschaft SELA den Entschluss, in Nozay ein Gesundheitszentrum zu errichten. Ziel war ein Gebäude, das ein Sozialzentrum und unterschiedliche medizinische Fachdisziplinen beherbergt, Ärzten den fachübergreifenden Austausch ermöglicht und ihnen zudem die gemeinsame Nutzung der medizinischen Apparate und Einrichtungen bietet. Als Standort bot sich ein Grundstück im Herzen Nozays an, das zudem direkt gegenüber dem örtlichen Krankenhaus liegt. Für den Entwurf des Gebäudes wurde ein Architektenwettbewerb ausgelobt, den das Büro a+ samueldelmas, Paris, für sich entscheiden konnte. Die Planer hatten ein zweigeschossiges Gebäude entwickelt, das die Topologie des Geländes aufgreift und die unterschiedlichen Nutzungsbereiche um zwei tageslichtspendende Innenhöfe gruppiert. Gestalterische Highlights sind die Fassade und sieben Dachaufbauten mit Lichtkuppeln, über die die Architekten Tageslicht in einige innen liegende Räume leiten.


Die Fassade ist schieferfarben und erinnert an Lamellenvorhänge, die übereinander mit unterschiedlicher Winkelstellung montiert sind. Mit dieser ausgefallenen und auffallenden Gestaltung haben es die Planer geschafft, die Architektur und Geschichte Nozays mit dem Wunsch des Bauherrn nach einer langlebigen, wartungsfreien Fassade und einem wirkungsvollen Sonnenschutz zu kombinieren. In der Region wurde früher Schiefer abgebaut. Zahlreiche Dächer, Wege und öffentliche Plätze zeugen davon.

„Sonnenbrecher“ aus Titanzink


Da der Naturstein selbst jedoch nicht für die Fassadengestaltung des Gesundheitszentrums infrage kam, sollte zumindest eine schieferfarbene Bekleidung zum Einsatz kommen. Die Wahl fiel auf das Titanzink in der Oberflächenqualität prePatina schiefergrau. Es gab mehrere Gründe, warum sich die Beteiligten für dieses Material entschieden. Ein Aspekt ist seine lebenslange Wartungsfreiheit. Da die natürliche Entstehung der Schutzschicht bei walzblankem Titanzink ungleichmäßig verläuft und Lichtreflexe auf der Oberfläche ein unruhiges Aussehen zur Folge haben, wählten die Architekten die werkseitig vorpatinierte Variante. Die Metalloberfläche erhält im Patinierungsverfahren den Farbton, der sich durch die natürliche Bewitterung ohnehin bilden würde. Für die Dachdeckungen, Fassadenkleidungen und Lamellen waren klempnertechnische Lösungen die geeignete Wahl, da sich Titanzinkblech leicht verarbeiten und auch an ausgefallene Formen und Geometrien anpassen lässt. Eine Eigenschaft, die beim Gesundheitszentrum Nozay eine elementare Rolle spielte, weil die Architekten ein spezielles Sonnenschutzsystem „Brise Soleil“ („Sonnenbrecher) vorgesehen hatten. Brise Soleil verschattet die Innenräume, ohne den Ausblick nach draußen zu ­behindern. Der Sonnenschutz wird ­feststehend, auskragend und in der ­Regel waagerecht verlaufend ausgeführt. In Nozay jedoch umhüllt sie das Gebäude in senkrechter Linienführung und wirkt dadurch wie Lamellenvorhänge. Verstärkt wird diese Wirkung dadurch, dass die senkrechte Linien­führung auch vor den Wand­flächen fort­gesetzt wird.


Frank Neumann

Den kompletten Beitrag lesen Sie in klempner magazin, Ausgabe 1.2017