Mit der ersten Schicht regendicht

Ziegeldeckung, flache Dachneigung und der Klimawandel sorgten für ständige Wassereinbrüche in eine Sporthalle. Nach einer durchdachten Dachsanierung gehören teure Reparaturen und hohe Heizkosten nun der Vergangenheit an.

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Es sieht einfach aus – doch es stecken viel ganzheitliche Konzeptarbeit und Planungs­leistungen in dieser, jetzt wartungsfreien Dachkonstruktion der Kehlbachhalle in Everswinkel. Foto: Siepenkort

Die stark genutzte Kehlbachhalle bei Münster ist besonders bekannt in der Handballszene der Region. Hier finden jedes Wochenende Punktespiele mit vielen Zuschauern sowie intensive Trainingseinheiten der Mannschaft des heimischen Handballvereins SC DJK Everswinkel statt. Nach rund 25 Jahren Nutzung traten jedoch immer häufiger Wasserschäden auf, die teure Folgekosten verursachten und zum Teil sogar den Spiel- und Trainingsbetrieb störten. Die Gemeinde Everswinkel entschloss sich deshalb, diesen immer wiederkehrenden Problemen und ständigen Reparaturen an der Halle ein Ende zu bereiten – ein nachhaltiges Sanierungskonzept musste her. Den Auftrag hierzu erhielt das Planungsbüro Göttker & Schöfbeck aus Ostbevern, zu dessen Schwerpunkten auch komplexe Sanierungslösungen zählen. „Die einzelnen Bauteile und Konstruktionsbereiche der Gebäudehülle der Kehlbachhalle wurden von uns in mehreren Ortsterminen genauer untersucht und in Augenschein genommen. Hierbei legten wir den Fokus speziell auf Konstruktion und den Schichtenaufbau des Daches und der Lichtbänder“, so Daniel Göttker und Markus Schöfbeck. Hierbei wurde festgestellt, dass in nahezu allen Dachbereichen ein durchgehendes Unterdach fehlte und Anschlusshöhen an aufgehende Bauteile viel zu gering ausgeführt waren. Überhaupt waren es mehrere Faktoren, die zu den Wassereinbrüchen führten: Winddruck, eine geringe Dachneigung von nur 12 bis 15 Grad und ungeeignete Dachziegel boten keinen ausreichenden Rückhalt gegen auftreibendes Niederschlagswasser. Da keine durchgehende Unterdeckbahn vorhanden war, wurde das Wasser nicht kontrolliert abgeleitet, sondern gelangte in die Dämmung und letztendlich in die Sporthalle.

Dachhaut ohne Probleme
„Unser Sanierungsvorschlag sah vor, die Dachflächen mit einem neuen Dachaufbau und einer neuen Dachhaut zu versehen, um hiermit die Schwachstellen zu beseitigen. Nach dem Vorsatz ‚mit der ersten Schicht regendicht‘ haben wir uns für eine Metalldeckung im Doppelstehfalzsystem entschieden, da diese auch ohne Zusatzmaßnahmen die erforderliche Dichtheit und die Wasserführung auf der Bauteiloberfläche bringt. Außerdem ließen sich mit der handwerklichen Klempnertechnik die komplizierten Anschlüsse der Dachkonstruktion problemlos bewerkstelligen. Diese waren somit nicht mehr anfällig gegen eindringendes Regenwasser durch Windauftrieb. Da wir unsere Bauaufgaben ganzheitlich betrachten, war es damit allein natürlich noch nicht getan“, erklärte Markus Schöfbeck.
Grundsätzlich war es notwendig, auch mit Blick auf die Metalldeckung, die Funktionsschichten der Dachkonstruktion bauphysikalisch so zusammenzustellen, dass sie einwandfrei mitei­nander funktionieren. Dabei sollte am Ende auch eine energetische Ertüchtigung herauskommen. Hierbei war zu berücksichtigen, dass die alte Deckung mit Ziegeln zwar eine nachgewiesene statisch solide Baukonstruktion mit ausreichenden Lastreserven bot – weitere Lasten durch zusätzliche Dämmmaßnahmen jedoch mit einer leichteren Dachdeckung kompensiert werden mussten. Mit der Wahl einer leichten Metalldeckung konnten die Dachflächen jetzt problemlos aufgedoppelt und mit einer zusätzlichen Wärmedämmung gemäß EnEV versehen werden. Aufgrund der fehlenden Dampfsperre, deren nachträglicher Einbau zu hohe Kosten verursacht hätte, ordneten die Planer eine Hinterlüftungsebene mit durchlaufenden Zu- und Abluftöffnungen an First und Traufe an. Hiermit stellten die Planer eine ungehinderte Abfuhr der anfallenden Bau- und Nutzungsfeuchte sicher.

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Der Hinterlüfungsraum wurde fachgerecht unterhalb der Rinne und am Lichtkuppelanschluss an die Außenluft angeschlossen. Nun kann auch die anfallende Nutzungsfeuchte sicher abgeführt werden. Dies ist wichtig, insbesondere bei Sportveranstaltungen mit viel Publikum. Foto: Göttker & Schöfbeck

Befestigungen planen, Dehnung berücksichtigen
In die Planungen der Dachkonstruktion bezog das Architekturbüro auch die Fachingenieure der Unternehmen Rheinzink und Rockwool ein, die bereits einschlägige Erfahrungen aus zahlreichen gemeinsam abgewickelten Sanierungsprojekten in ihre Beratungen einbringen konnten. Gemeinsam mit Architekt Markus Schöfbeck konnten sie dem Bauherrn einen schlüssigen Lösungsansatz bieten. Somit hatte Rheinzink Fachberater Marcus Kartzig die Gelegenheit, bei der Vorplanung und Ausschreibung die einschlägigen Klempnerfachregeln sowie die herstellerspezifischen Richtlinien umzusetzen. Der Unterbau für die Titanzinkdeckung aus vorpatiniertem Zinkblech prePatina blaugrau, die Bemessung der Dachentwässerung, die Befestigung der Scharen und hierbei vor allem die Berücksichtigung der geplanten Solaranlage waren die bedeutenden Grundlagen, die geklärt, geplant und umgesetzt werden mussten. Die 530 Quadratmeter nach Süden ausgerichteten Dachflächen sollten im Rahmen der Sanierung mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet werden. Hierbei war es entscheidend, die richtigen Haftabstände und Festhaftbereiche der Metalldeckung statisch zu ermitteln sowie die geeigneten Falzklemmen zu wählen und richtig anzuordnen. Auch die Ausdehnung der Aluminium-Strangpressprofile für die Befestigung der Solarmodule mussten mit einbezogen werden. Die Nichtberücksichtigung der Dehnung in Querrichtung der Schare verursacht an Metalldeckungen immer wieder Rissbildungen und in der Folge teure Bauschäden durch eindringendes Niederschlagswasser.

Klaus Siepenkort, Markus Schöfbeck

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in Ausgabe klempner magazin 07.2013.

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