Möwenschwingen aus dem Sauerland

In der Hamburger Hafencity erstellte der Klempner-Meisterbetrieb Menke aus Winterberg eine Dachdeckung in Form eines Möwenflügels. Problemstellungen in der Bauphysik und komplizierte Dachanschlüsse erforderten meisterliches Können bei der Planung und Ausführung.

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Nicht nur die Elbphilharmonie, sondern auch die neuen Möwenschwingen der Firma Menke zählen zu den Eyecatchern in Hamburgs Hafencity. Als Deckungswerkstoff kam vor- bewittertes Titanzinkblech mit verschiedenen Patinafärbungen zum Einsatz. Foto: VM Zinc

Mitten in der Hamburger Hafencity an den Marco-Polo-Terrassen befindet sich das neue Restaurant coast by east Hamburg. Nahe des Kreuzfahrtterminals und mit freiem Blick auf die Hamburger Elbphilharmonie bietet es ein preisgekröntes Gastronomie- und Hotelerlebnis. Die damals industriell genutzten Flächen mit Freihafen und Speichern wurden durch eine Umstrukturierung in einen neuen Stadtraum mit gemischten Nutzungen gewandelt. Der neu geschaffene Stadtraum verbindet eine Vielzahl von Funktionen mit dem Ziel, die Attraktivität des Ortes zu erhöhen und zu nutzen. Preisverdächtig ist auch die Architektur des neuen Bauwerks, in dem jetzt kulinarische Spezialitäten von Meisterköchen hergestellt werden. Die Gestaltung des neuen Stadtraums und der Entwurf des Gastronomiegebäudes stammt vom Architekturbüro EMBT Architekten aus Barcelona. Eyecatcher der Marco-Polo-Terrassen ist zweifellos die geschwungene Form des Bauwerks, die an eine fliegende Möwe erinnert.
Um komplizierte Gebäudegeometrien dieser Art nach den Ideen der Architekten technisch umsetzen zu können, sind stets Ingenieurswissen und meisterliche Handwerkskunst gefragt. So kam das Projekt gerade passend für den beauftragten Klempner- und Meisterbetrieb aus Winterberg, denn Freiformen sind die Spezialität des Unternehmens. So zählen Faultürme und anspruchsvolle Fassadenbekleidungen einschließlich ihrer Unterkonstruktion zu den Referenzprojekten des Unternehmens. Aufgrund der hervorragenden Eigenschaften handwerklicher Metall-Falzdeckungen wie Formbarkeit, Regendichtheit und Gestaltungsvielfalt fiel die Wahl auf eine Doppelstehfalzdeckung. Als Deckungswerkstoff sollte vorbewittertes Titanzinkblech mit verschiedenen Patinafärbungen und unterschiedlichen Scharbreiten zum Einsatz kommen.


Vorteil Hinterlüftung


Das geschwungene Dach besteht nahezu komplett aus einer Holzkonstruktion mit gebogenen Leimbindern als tragende Elemente. Anstelle eines sensiblen unbelüfteten Dachaufbaus erhielt die bauphysikalisch sichere, hinterlüftete Variante den Vorzug – auch wenn dies einen bedeutenden Mehraufwand in der Planung und Ausführung der gesamten Baukonstruktion erforderte. Aufgrund der Gebäudenutzung als Restaurantbetrieb muss stets mit einem zeitweise sehr hohen Anteil Nutzungsfeuchte gerechnet werden. Das beauftragte Planungsbüro nhp partnership aus dem benachbarten Seevetal wollte deshalb kein Risiko eingehen, denn besonders für Holzkonstruktionen bietet ein funktionierender hinterlüfteter Dachaufbau besten Feuchteschutz. He­rausforderung für das Planungsteam war jedoch, an der komplexen Dachgeometrie funktionierende Hinterlüftungsräume zu schaffen und die erforderlichen Be- und Entlüftungsöffnungen richtig anzuordnen. So erhielten sogar die in die Untersichtbekleidungen mit Zinkblech eingefassten Binderköpfe eine Hinterlüftungsebene mit den entsprechenden Anschlüssen an die Außenluft. Als Regelaufbau wurden als Funktionsschichten unterhalb der Metalldeckung eine strukturierte Trennlage, eine diffusionsoffene Dachdichtungsbahn als Notdeckung während der Bauphase, eine 30 Millimeter dicke Schalung aus Nadelholz und die Hinterlüftungsebene mit den jeweils für die Teilfläche erforderlichen Querschnitten angeordnet.


Klaus Siepenkort

Den kompletten Beitrag lesen Sie in klempner magazin, Ausgabe 3.2017.