Sanierungen - Technik - Home
Neue Dächer braucht das Land
Die Wohnungsgenossenschaft in Schwelm modernisierte einen ganzen Straßenzug und setzte bei der Flachdachsanierung auf eine Metalldachkonstruktion. Lesen Sie, wie Klempnermeister Thomas Sobireg mehr als 3.500 Quadratmeter Titanzinkdächer realisierte.
Der Oberloh ist ein sehr markanter Schwelmer Stadtteil, in dem die Schwelmer & Soziale Wohnungsgenossenschaft e.G. in den Nachkriegsjahren dringend benötigten Wohnraum schuf. Was für die Häuser aus den 1960er bis 70er Jahren damals modern war, entsprach jedoch schon lange nicht mehr dem Stand der Technik. Die Ansprüche an zeitgemäßes Wohnen stiegen ständig: vom Bad bis zur Heizung, vom Kabelanschluss bis hin zu hellen großen Räumen. Nach dem Motto "Wohnkomfort durch Modernisierung" entschied sich die Genossenschaft, alle zehn Häuser mit insgesamt 76 Wohneinheiten an der Friedrich-Ebert-Straße 119 auf den aktuellen Stand zu bringen. Hierzu zählten Küchen, Bäder, Heizung-, Sanitär- und Elektroinstallationen, Fenster, Lüftung und natürlich auch die Außenwände und das Dach. Den größten wirtschaftlichen Effekt sollten dabei die Maßnahmen zur Energieeinsparung bringen, von denen auch die Mieter profitieren. Hierzu zählten die Dämmung der Außenwände und der Dächer, moderne Heizungsanlagen mit Brennwerttechnik und Solaranlagen für Warmwasser und Heizungsunterstützung. "Anfangs wurde über Einzelmaßnahmen nachgedacht, diese wurden jedoch wieder verworfen. Ziel war es letztendlich, Neubaustandard durch eine Rundumsanierung zu erzielen. Dort, wo es möglich war, erhielten die Häuser größere Balkone. Nach der Realisierung erwarten wir jetzt eine Energieeinsparung von mindestens 30 % wir erhoffen uns jedoch einen höheren Wert", erläutert Architekt Klaus Lange.
Herausforderung Bauen im Bestand
Dies sollte die aufwendigste Sanierung in der 110 Jahre bestehenden Genossenschaft werden. Die Kosten in Höhe von etwa 5 Millionen Euro wurden teilweise mit Mitteln der KfW gefördert. Die gesamte Maßnahme musste im bewohnten Zustand durchgeführt werden. Dabei galt es, die Belastung der Mieter durch die Bauarbeiten möglichst gering zu halten, was eine besondere Herausforderung für die Bauleitung und für die einzelnen Handwerksbetriebe darstellte. So waren insgesamt 12 Gewerke gleichzeitig am Haus und in den Wohnungen tätig. Zeitpläne legten genau fest, wer wann und wo tätig ist. Die Handwerker mussten Hand in Hand arbeiten, um die Mieter so wenig wie möglich zu belasten. Drei Wochen Zeit hatten Handwerker und Architekten für jede Wohnung. "Zunächst mussten wir erst das Vertrauen der Mieter gewinnen, dass wir unsere Arbeiten in der festgelegten Zeit von drei Wochen wirklich fertig stellen. In der ersten Zeit gab es enorm viele Fragen von Mietern und Handwerkern zu beantworten und unglaublich viel zu koordinieren. Das wurde im Laufe der Zeit etwas weniger, aber die Maßnahme blieb während der gesamten Zeit dennoch eine Herauforderung. Obwohl die Bauten alle gleich aussehen, war aufgrund der in der Nachkriegszeit möglichen Bauweise kein Haus wie das andere. Wir fanden viele unterschiedliche Bausituationen vor und mussten fast täglich neue Details entwickeln, mit den Handwerkern abstimmen und schnell wichtige Entscheidungen treffen", schildert Bauleiter Stefan Czarkowski vom Architekturbüro Klaus K. Lange.
Dächer mit Profil
Das Sanierungskonzept sah vor, die wartungsanfälligen Flachdächer in eine flachgeneigte Dachkonstruktion zu wandeln, um die Niederschlagsmengen schnell und sicher vom Gebäude abzuleiten. Realisiert wurde dies mit einer 3 bis 5 Grad geneigten, aufgeständerten Pultdachkonstruktion aus Holz. Vorteil dieser Konstruktionsweise ist, dass sowohl eine neue Wärmedämmung als auch alle durchdringenden Neuinstallationen und Leitungen für Heizung, Lüftung, Solar oder Elektro sicher im Dachraum untergebracht werden können. Durch das Zusammenführen von Leitungsendungen in einen Sammeldurchgang kann zudem die Anzahl der Dachdurchdringungen deutlich minimiert werden und somit auch das Risiko von Undichtigkeiten der Dachdeckung.
In diesem Fall entschieden sich Planer und Bauherr für eine hinterlüftete und wartungsfreie Metalldachdeckung aus Titanzink im Doppelstehfalzsystem. Die durchlaufenden Be- und die Entlüftungsöffnungen befinden sich unterhalb der Rinne und am Pultfirst. Die Deckunterlage besteht aus einer 24 Millimeter dicken Holzschalung.
Den Auftrag für die etwa 3.500 Quadratmeter Metalldeckungsarbeiten erhielt Klempner- und Dachdeckermeister Thomas Sobireg aus Wuppertal. Da der Klempner-Fachbetrieb zur gleichen Zeit ein weiteres Bauvorhaben mit etwa 1.500 Quadratmeter Metalldachflächen für die Genossenschaft realisierte, rüstete der Wuppertaler Klempnermeister maschinell auf. "Mit unserer neuen Quadro von Schlebach können wir jetzt quasi im Dauerbetrieb vielfältige Profile erstellen. Mit der Spezialsteuerung sind wir in der Lage, die zahlreichen unterschiedlichen Längen und Stückzahlen zu programmieren und mit der automatischen Quertrennung abzulängen. So sparen wir unglaublich viel Zeit bei der Scharenfertigung. Auf der Baustelle steht für die Scharen, die wir logistisch nicht mehr bewältigen können, noch eine leichte transportable Miniprofilieranlage", schildert Thomas Sobireg.
Um den Zeitplan einzuhalten, galt es, die Dacharbeiten präzise zu koordinieren. Die Dachlandschaft der einzelnen Gebäude weist aufgrund der Hanglage verschiedene Ebenen auf. So konnten diese von den einzelnen Gewerken von oben herab, nach und nach, in einer vorgegebenen Reihenfolge abgearbeitet werden. Bevor jedoch mit den eigentlichen Sanierungsarbeiten begonnen werden konnte, demontierte ein Abbruchunternehmen alle alten Bauteile wie Lüftungskanäle oder sonstige Bekleidungen. Anschließend erfolgten die Installationen der SHK- und Elektrogewerke. "Bereits zu diesem Zeitpunkt nahm auch der Zimmermann seine Arbeiten zur Erstellung der Holzunterkonstruktion auf. Sobald er die Dämmung eingebracht und den letzten Nagel in die Dachschalung eingetrieben hatte, konnten wir mit den Klempnerarbeiten starten. Vorab deckten wir die Schalung mit einer Trennlage als Notdeckung ab. Zu diesem Zeitpunkt herrschte besonders reges Treiben auf den Dächern", schildert Thomas Sobireg.
Um die einzelnen Dachflächen präzise aufmessen zu können, montierte der Klempner-Fachbetrieb zunächst die Dachentwässerung und bereitete die Firstausbildung der Pultdächer vor. Auch die Lüftungsöffnungen wurden in diesem Zuge mit Lochblechen abgedeckt.
Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in Ausgabe 5|2009.
