Neues Grün für Münsters Wahrzeichen

Aufgrund ihrer Exponiertheit halten sehr viele Kirchendächer den immer häufigeren Wetterextremen nicht mehr Stand. Auch die Kupferdeckung des Sankt-Paulus-Doms zu Münster blieb davon nicht verschont und musste komplett saniert werden.

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Ein schlanker Lüfterfirst ziert das neue Dach d es Sankt-Paulus-Doms zu Münster. Die alte Deckung hielt den Anforderungen an die Windsogsicherheit nicht mehr ausreichend stand. Fotos: Siepenkort

Der Sankt-Paulus-Dom zu Münster mit seiner spätromanischen Grundstruktur wurde im 13. Jahrhundert mit etwa den heutigen Grundabmessungen und Höhen einschließlich der beiden Türme errichtet. Bei der Bombardierung Münsters Innenstadt im zweiten Weltkrieg erhielt auch das Domgebäude schwere Treffer. In der Kriegschronik des Stadtarchivs Münster wird berichtet, dass "der letzte Großangriff auf Münster am 25. März 1945 mit 112 schweren, viermotorigen Bombern geflogen wurde. Überall in der Stadt wüteten Brände, die nicht bekämpft werden konnten. Im Südturm des Domes schmolzen wegen der großen Feuerhitze die Glocken". Die beiden Domtürme blieben in ihrer äußeren Form jedoch weitgehend erhalten. "Im Zuge des Wiederaufbaus von 1946 bis 1956, bei dem viele Teile des Domes originalgetreu rekonstruiert wurden, entstand eine gewölbte Basilika mit einem doppelten Querschiff im Stile der Gotik. Hierzu wurden weite Teile seines Vorgängers abgetragen, bedeutende Teile jedoch auch wiederverwendet, wie beispielsweise das Westwerk, Teile des westlichen Querschiffs und Mauerteile des südlichen Seitenschiffs. An den Türmen erfolgte eine Aufmauerung und Abdeckung. Im Südturm, der wieder als Glockenturm dienen sollte, brachten die Bauhandwerker mehrere Betondecken als Zwischengeschosse ein. Das Ergebnis des Wiederaufbaus ist eine Mischung von Stilelementen in Form der beiden romanischen Türme, des Westwerks und der Gotik. Der Südgiebeldes östlichen Querhauses, "Salvatorgiebel", konnte im Erscheinungsbild seiner Entstehung aus den Jahren 1905 1906 erhalten werden. Erhalten wurden auch Kunst- und Kulturgegenstände aus mehr als 1200 Jahren seit der Gründung des Bistums. Sie können in der Domkammer besichtigt werden", berichtet Georg Wendel, Diözesanbaudirektor des Bistums Münster.

Auch die Metalldeckung erfolgte während des Wiederaufbaus in der historischen Tafeldeckung aus Kupferblech. Aufgrund der Rohstoffknappheit nach dem Kriege wurden hierzu auch Kupferbleche aus dem zerstörten Dom "recycled", also glattgeklopft, zugeschnitten und neu profiliert.

Die ersten Anzeichen einer notwendigen Sanierung der Dachkonstruktion zeigten sich bereits 2001 an den beiden Türmen des Doms. So konnten bei Wetterlagen mit Starkwind häufig Klappergeräusche vernommen werden. Die Prüfung durch den Sachverständigen ergab, dass die Holzschalung stellenweise lose auf den Sparren auflag Nägel waren in diesen Bereichen von der Korrosion nahezu "aufgefressen" und ohne Funktion. Eine akute Gefahr des Abtrages der Deckung bestand zu dem Zeitpunkt jedoch noch nicht, da die Scharen noch kraftschlüssig mit der Schalung verbunden waren und im System zusammenhielten. So genügte es, zunächst nur die Schalung vom Turminneren aus, mithilfe einer links- und rechtsseitig der Sparren angeordneten Lattung neu zu befestigen.

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Klempnermeister Gerald Plenter (rechts) sorgt dafür, dass seine Mitarbeiter sicheren Zugang zu den Einsatzorten erhalten. Monika Göddeker und Alexander Lehne (2. v. rechts) mussten zeitweise fünf Gewerke mit bis zu vierzig Facharbeitern koordinieren.

Prüfen und bewerten

Analog zur Prüfung der Turmdächer veranlasste 2009 die Abteilung "Allgemeine Bauunterhaltung" des Bistums Münster, auch aufgrund verschiedener Wassereinbrüche, alle weiteren Dächer, vom Westwerk über Seiten- und Mittelschiffe bis hin zum Chorumgang und den angegliederten Kapellen, einer Generaluntersuchung zu unterziehen. Gleichzeitig waren Entwässerungseinrichtungen wie Rinnen, Fallrohre, Rinnenkessel und Kehlen in Augenschein zu nehmen. Insbesondere im Bereich der flachgeneigten Kehlen waren bereits Leckagen entstanden und mit Flüssigkunststoff abgedichtet. Das Untersuchungsergebnis sollte Auskunft darüber geben, ob oder wie lange die vorhandene Kupferdeckung den heutigen Wetterverhältnissen noch standhält und welche Maßnahmen notwendig sind, um die sichere Funktion des Daches nachhaltig zu gewährleisten.

Um die Windsogsicherheit und Regendichtheit zu bewerten, war es notwendig, die Verbindungsfalze der Tafeln, die Art und Anzahl der Hafte in Längs- und Querfalzen, die Art und Anzahl der Befestigungsmittel, deren Einbauzustand sowie deren Auszugswerte zu ermitteln. Bei der Untersuchung der Metalldeckung fand der Sachverständige eine klassische Tafeldeckung aus 0,6 Millimeter dickem Kupferblech vor, die für die damaligen Verhältnisse in handwerklich besonders hoher Qualität ausgeführt war. Die Deckung erfolgte im Doppelstehfalzsystem mit einer großen Falzhöhe von 35 bis zu 45 Millimetern. An den unterschiedlichen Scharbreiten und Verformungen der Tafeln war erkennbar, dass sowohl neues als auch wiederaufbereitetes Material der Vorkriegsdeckung verwendet wurde in den verschiedenen Dachbereichen konnten Achsmaße von 425 bis zu 920 Millimetern gemessen werden. Die Länge der im Halbversatz angeordneten Tafeln betrug im Mittel etwa 870 Millimeter. Die Ausführung der Querfalze erfolgte als Einfachfalz mit 4050 Millimetern Umfalzung. Als Deckunterlage diente eine 25 Millimeter dicke Schalung aus Eichenholz mit Fugenbreiten von 15 bis 35 Millimeter ohne Trennlage. Die Holzkonstruktion war teilweise durch Wurmbefall geschädigt. Insbesondere in flachgeneigten Dachteilen, wie den Seitenschiffen, dem Chorumgang sowie den Kehlen, war das Holz aufgrund des stetig eingedrungenen Niederschlagswassers an den Falzverbindungen morsch. Da hier die Haftennägel nicht mehr hielten, waren Metalldachflächen bis zu fünf Quadratmetern Größe ohne Verbund zur Unterkonstruktion; hier konnte die Deckung bereits mit geringem Kraftaufwand etwa fünf Zentimeter am Falz angehoben werden. Durch die geringe Dachneigung lief das Niederschlagswasser sehr langsam ab und konnte sich bei Starkregen noch aufstauen. So gelangte aufgrund der Kapillarwirkung stetig Feuchte durch die einfach ausgeführten Querfalze in die Unterkonstruktion, was zu den Schäden an der Unterkonstruktion führte. An Ablaufspuren der Schalungs-Innenseite war erkennbar, dass bei extremen Wetterlagen zudem an den Steildächern Treibwasser durch die Querfalze in die Dachkonstruktion gelangte. Aufgrund der guten Durchlüftung des Dachraumes und der schnellen Austrocknung entstanden jedoch am Bauwerk oder im Kircheninneren keine nennenswerten Schäden. Die großen Lücken zwischen den Schalungsbrettern konnten zur Prüfung der Befestigung der Kupferscharen auf der Schalung genutzt werden. Hierzu wurde vom Dachraum aus mit einem Hebelwerkzeugen Druck auf die Deckung ausgeübt, wobei sich einige Flächenteile bereits bei geringem Kraftaufwand von der Schalung lösten.

Klaus Siepenkort

Den ausführlichen Artikel lesen Sie in Ausgabe klempner magazin 01|2012.