Sturmfest im Hang

In exponierten Lagen zeigen Metalldächer, was in ihnen steckt - denn hier geht es darum, oft enorme Windsog- und Schneelasten sowie Niederschlagsmengen sicher abzuleiten. Mit dem richtigen Dachaufbau und einer durchdachten Befestigungstechnik vom Spengler – kein Problem.

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So sonnig wie hier sieht es nicht immer aus. Das exponierte Metalldach muss an dieser Stelle auch heftigen Gewittern, Starkregen, Hagel und Schnee sowie Eis standhalten können. Foto: casa-technica.ch

Ein leichtes Dach vor beeindruckender Kulisse - eine Traumlage für das Einfamilienhaus am Berghang in Obstalden Schweiz, rund 800 Meter über dem Walensee. Das Architekturbüro Jung plante das Haus dreigeschossig, wobei der Zugang vom Dachgeschoss erfolgt. Die Werkstoffkombination aus Naturholz, weißem Putz und Glas an den Außenwänden und dem schiefergrau vorbewitterten Titanzink an Dach- und Wandbekleidungen wirken dezent edel. Die geschickte Einteilung der Wohnbereiche und Anordnung der Fenster und Terrassen ermöglichen den einmaligen Ausblick aus jedem Raum. Aber so, wie auf dem schönen Foto, sieht es nicht immer aus. Zu jeder Jahreszeit zeigt die Bergwelt, was sie sonst noch zu bieten hat: Heftige Gewitter mit Sturmböen im Sommer, Starkregen und Hagel im Herbst, Schnee und Eis im Winter – es ist alles dabei. Durch die exponierte Hanglage wirken sich die Wetterereignisse noch intensiver aus. Somit hat die gesamte Gebäudehülle dieses Einfamilienhauses außergewöhnlich hohe Anforderungen zu erfüllen und ihre jeweiligen Funktionsschichten mussten sorgfältig geplant und aufeinander abgestimmt werden.

Doppelt sicher

Bei den herrschenden Temperaturwechseln, hohem Winddruck und Windsoglasten kam es auch auf die sehr sorgfältige Ausführung des bauphysikalischen Schichtenaufbaus an. Um eine fachgerechte Luftdichtung von innen herstellen zu können, wurde zunächst eine gut dimensionierte Installationsebene oberhalb der Raumdeckenbekleidung angeordnet. Hier konnten alle erforderlichen Elektroinstallationen wie Kabel und Deckenleuchten, Abhängungen usw. untergebracht werden. Alle Durchdringungen und Wandanschlüsse der flächig verlegten Luftdichtung wurden mit dem entsprechenden Zubehör akribisch genau ausgeführt. Es folgte die Zwischensparrendämmung, die mit einer Überdämmung aus 60 mm dicken Holzfaserplatten abschließt. Sie dient zugleich als ebene Deckunterlage für das regensichere Unterdach als zweite wasserführende Ebene unterhalb der Deckung. Das Unterdach dient als zusätzlicher Witterungsschutz und besteht aus wasserdichten diffusionsoffenen Bahnen. Alle Naht- und Stoßverbindungen sind – gemäss schweizerischen Anforderungen an Unterdächer mit ausserordentlicher Beanspruchung- bei allen An- und Abschlüssen samt den Durchdringungen, Einfassungen und Einbauteile homogen verschweisst und so regensicher verwahrt.

Mit der Konterlattung wurde eine 80 mm hohe Hinterlüftungsebene geschaffen. Die Lattungen sind mit Nageldichtungsbändern auf der wasserführenden Ebene verlegt. (Hinweis: anders als beim regensicherem Unterdach werden bei wasserdichten Unterdächern lt. Merkblatt für Unterdächer des ZVDH die Konterlatten unter der Abdichtung angebracht).
Als Deckunterlage für die Metalldeckung dient eine 27 mm dicke Holzschalung, die mit einer strukturierten Trennlage des Typs Vapozinc abgedeckt ist. Das Strukturgeflecht mit unterseitiger diffusionsoffener Schalungsbahn führt etwaige Feuchtigkeit zwischen Unterkonstruktion und Dachdeckung sicher ab und bietet Schutz vor Korrosion und Fäulnis. Es verbessert zudem die freie, spannungsfreie Gleitfähigkeit der Blechbahnen.

René Landolt und Bernard Trächsel

Den kompletten Beitrag lesen Sie in klempner magazin, Ausgabe 2.2017