Synagoge mit fünf Buchstaben

Kanten und Konturen aus 32 Scharen prägen den spektakulären Neubau des Jüdischen Gemeindezentrums im Mainzer Stadtzentrum. Erfahren Sie, wie Klempnermeister Mike Fleischer die komplexe Silhouette mit Metall bekleidete.

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32 regelmäßig aufgeteilte Scharen folgen der Kontur vom Anfang bis zum Ende des Baukörpers, ob gerade, schräg, senkrecht oder gekippt. Die Keramikfassade wirkt je nach Lichteinfall der Sonne immer wieder anders. Foto: Siepenkort

Fünf hebräische Buchstaben geben dem Jüdischen Gemeindezentrum am Synagogenplatz in Mainz heute die dreidimensionale Form. Sie bilden den Begriff "Kedusha", der Segnen oder Erhöhen bedeutet. Den Wettbewerb zur Realisierung des Projekts konnte das Kölner Büro des Schweizer Architekten Manuel Herz bereits 1999 für sich entscheiden. Wegen der ungeklärten Finanzierung wurde das Vorhaben zunächst jedoch nicht weiter vorangetrieben. Eine Stiftung und Zuschüsse der Stadt Mainz, eine der traditionsreichsten jüdischen Gemeinden Europas, ermöglichten dann mit der Grundsteinlegung am 23.11.2008 den Baustart für das "Licht der Diaspora", wie Manuel Herz das Gemeindezentrum bezeichnet. Der Name ist eine Erinnerung an den weit über Mainz hinaus bekannten Rabbi Gerschom Bar Jehuda (9601040). Seine Weisheit galt als so groß, dass man ihm den Namen das "Licht der Diaspora" gab. An diese Tradition will das neue Gemeindezentrum in Mainz anknüpfen.

Dass die markante Gebäudeform an das Jüdische Museum in Berlin erinnert, ist kein Zufall. Bevor Manuel Herz sich selbstständig machte, war er ab 1995 für zwei Jahre in dem Büro des bekannten Architekten Daniel Libeskind tätig. Bereits am Jüdischen Museum spielte Metall für die Fassadengestaltung, an der kaum ein Rechter Winkel vorzufinden ist, eine entscheidende Rolle.

Die Vorder- und Rückseite des abgeknickten Baukörpers auf dem neu benannten Mainzer Synagogenplatz erhielt eine Bekleidung aus dreidimensional geformten, in Grüntönen glasierten Keramikelementen. Die geriffelte Oberfläche ist in konzentrischen Mustern angeordnet, mit den Fenstern im Mittelpunkt. Je nach Lichteinfall der Sonne wirkt die Fassade immer wieder anders. Die Konturen der fünf zusammenhängenden Buchstaben ließ Herz mit schiefergrau vorbewittertem Titanzink ausführen. Das Scharenbild ist präzise geplant exakt 32 regelmäßig aufgeteilte Scharen folgen der Kontur vom Anfang bis zum Ende des aus Beton gegossenen Baukörpers, ob gerade, schräg, senkrecht oder gekippt.

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Kompliziert: Die Unterkonstruktion für die Metalldächer und Metallwandbekleidungen musste zentimetergenau, parallel mit dem Abschlusselement der Keramikfassade verlaufen. Foto: Siepenkort

Jede Fläche ein Unikat

Da die Knickpunkte möglichst unauffällig gestaltet werden sollten, kam eine unbelüftete Unterkonstruktion zur Ausführung sowohl für die Dach-, als auch für die Fassadenflächen. Auf diese Weise ließ sich ein schlanker Aufbau durchführen, da keine Be- und Entlüftungsöffnungen vorgesehen werden mussten. Abgesehen von den optischen Nachteilen hätte die Lüftungsführung bei dieser komplexen Gebäudegeometrie einen erheblichen planerischen und konstruktiven Mehraufwand erfordert. Die Unterkonstruktion bestand aus Dampfsperre, Distanzkonstruktion aus Holz, Mineralfaserdämmung sowie Schalung, an den Ortgängen OSB-Holzwerkstoffplatten als Untergrund für die Metalldach- und Metallfassadenflächen.

Als Trennlage verlegte der Klempner-Fachbetrieb auf allen Flächen eine dreilagige, diffusionsoffene Trennlage mit Wirrgelege und selbstklebenden Butylklebestreifen. Die Trennlage dient als Abstandshalter und Drainageschicht zwischen Unterkonstruktion und Metalldeckung und Behelfsdeckung während der Bauphase. Darüber hinaus ermöglicht sie das Ausdiffundieren vorhandener Baufeuchte auch nach der Deckung sowie das Ableiten der anfallenden Feuchtigkeit aus dem System. Die Klempnerfachregeln des ZVSHK schreiben bei Deckunterlagen aus Holzwerkstoffplatten an Dächern den Einsatz von strukturierten Trennlagen vor. Der Grund liegt in den Werkstoffeigenschaften der Holzwerkstoffplatten. Im Gegensatz zu einer Holzschalung können diese Platten keine oder nur geringe Mengen Feuchtigkeit aufnehmen, was häufig zu Schimmelbildungen führt.

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie im klempner magazin 06|10.