Bobbahn mit Wetterschutz

Dass Wetterschutz auch an technischen Bauwerken schön sein kann, bewies der Klempner-Fachbetrieb Menke aus Winterberg. Heute bewahrt eine optisch hochwertige Schindeldeckung aus Aluminium die Olympia Bobbahn Winterberg vor Feuchteschäden.

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Mit Spitzengeschwindigkeiten bis zu 140 Km/h im Eiskanal rasen die Bobs insbesondere durch die Kurven. Hierbei zerren extreme physikalische Kräfte an der Konstruktion.

Am 10.12.1977 wurde in Winterberg die weltweit vierte Kunsteisbahn für Bob und Rodel eröffnet. Bahnbetreiber ist bis heute die Erholungs- und Sportzentrum Winterberg GmbH mit den beiden Gesellschaftern Hochsauerlandkreis (50 %) und Stadt Winterberg (50 %). Gesamtlänge 1.609 Meter, Kurvenradien von 16 bis 55 Meter und Spitzengeschwindigkeiten bis zu 140 Km/h – das sind die Zahlen der Olympia-Bobbahn. Sie deuten an, welche physikalischen Kräfte auf den Hochgeschwindigkeits-Eiskanal im Rennbetrieb wirken. Nach 35 jährigem Betrieb hat der Zahn der Zeit auch an dieser Anlage Spuren hinterlassen, die nunmehr beseitigt werden mussten. „Da im Jahr 2011 auch die gesamte Kühltechnik der Bahn ausgetauscht und modernisiert wurde, war es an der Zeit, das Gewand auf den aktuellen Stand der Technik zu bringen. Dank der finanziellen Unterstützung durch Bund Land, wurden entsprechende Geldmittel bereitgestellt, sodass die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen in mehreren Bauabschnitten realisiert werden können; zumal im Jahr 2015 die Bobb- und Skeleton Weltmeisterschaft in Winterberg ins Haus steht“, schildert Architekt und Bauleiter Hans Jürgen Pultke. Betroffen hiervon sind unter anderem die vorhandenen Bahnüberdachungen, bestehend aus Stahlkonstruktionen im Verbund mit einer Holzunterkonstruktion, sowie einer Eindeckung aus Bitumen-Dachschindeln. Dieses Material war in Teilbereichen derart brüchig geworden, sodass schon aus Sicherheitsgründen eindringende Feuchte in die Konstruktion und daraus entstehende Folgeschäden verhindert werden musste. Die Auftragsstellung des Bauherrn an Architekt Pultke aus Dortmund war, bis zur Bob-Weltmeisterschaft eine wartungsfreie, langlebige aber auch moderne Fassade und Dachergänzung zu realisieren, für den ein fixer Kostenrahmen bereitstand. Zunächst galt es, ein Deckungsmaterial zu finden, das die maroden Bitumen-Schindeln gemäß den hohen Ansprüchen ersetzt. Zwar waren aus rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten wieder Bitumenschindeln im Gespräch. Doch in der Planungsphase suchte Hans Jürgen Pultke auch nach anderen Materialien, die die erhöhten Anforderungen an die Lebensdauer und an eine wertigere optische Wirkung erfüllen. Werkstoff und Verlegesystem mussten ebenso an die geschwungenen Oberflächen entsprechend dem Geländeverlauf der Bahnüberdachung angepasst werden können. So gelangte eine Deckung mit kleinteiligen Metallschindeln aus falzbarem Farbaluminium ins „Rennen“.

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Ob Sauerländer Schiefer oder Metallschindeln – kleinteilige Dach- und Fassadensysteme zählen traditionell zu den Spezialitäten des Meisterbetriebs. Von links: Willi, Rita und Michael Menke. Fotos: Siepenkort

Metall gewinnt das Rennen
Vorteil war, dass keine nötigen Abrisskosten der alten Bitumenschindeln entstanden, da sie für die Aluminiumschindeln als regensichere Unterlage dienen konnten. Das Leistungsverzeichnis zur Sanierung der Dach und Fassadenflächen mit Stehfalzbändern und Fassadenschindeln gelangte somit in die öffentliche Ausschreibung, bei der sich der ortsansässige Klempner- und Schiefer- Meisterbetrieb Menke aus Winterberg-Silbach durchsetzen konnte. Nach einer an der Bobbahn ausgeführten Materialbemusterung entschieden sich die Beteiligten für die Verwendung von Prefa-Fassadenschindeln in Silbermetallic. Bei den Fassadenschindeln verbindet sich die rhombische Schindel-Form mit den mechanischen und optischen Werkstoffeigenschaften von Aluminium. Das gewählte Material und das kleinteilige System für die geschwungenen Wandflächen des Eiskanals werden aufgrund seiner Wartungsfreiheit sehr oft im alpinen Gelände verbaut. Die Schindel ist durch seine vier Falze in Längs- und Querrichtung in sich geschlossen und bildet mit den Haftbefestigungen auf der Vollschalung einen fest verlegten Verband, der keine Angriffsflächen für auftreibenden Schnee und Regen und starke Stürme bietet. Außerdem passt sich die Schindel den komplexen Form- und Richtungsänderungen der Bobbahn an. Schneelasten, Schneeverwehungen und starke Winde führen weder zur Undichtigkeit noch zu Klappergeräuschen.

Matthias Lengelsen

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in Ausgabe klempner magazin 04.2013.