Bloß keine Fehler machen

EuroSkills 2016: Vom 5. – 9. September 2016 fand im Bundesleistungszentrum SHK in Schweinfurt das internationale Training für die EuroSkills statt. Viel Zeit bleibt nicht mehr, denn bereits am 3. Dezember müssen die jungen Klempner und Spengler fit sein für den Wettbewerb.

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Alle wollen Gold: Klempnergeselle Julian Emmert (D), „Plåtslagarna“ Mathias Mattson (Blechner, Experte aus Schweden) und Josef Bock, Experte und Leiter des Bundesleistungszentrums für SHK-Berufe.

Bereits Sonntagabends reisten die internationalen Mannschaften der Skills 49, „Metal Roofing“ nach Schweinfurt, um am Montag ausgeruht und pünktlich um acht Montag mit dem Training starten zu können. Das Procedere war klar, denn die Mannschaften haben sich bereits ein paar Monate zuvor in der Schweiz zu den Wettkampfvorbereitungen getroffen. „Wettkampf? Nein, es geht hier nicht ums Kämpfen. Es soll ein sportlicher Wettbewerb unter Berufskollegen werden, wobei es uns allen in ersten Linie um die Völkerverständigung geht – zumindest bis zum Tag X – dem 1. Dezember. Dann heißt es: Sich nicht ablenken lassen; es wird jeder Fehler machen – doch wer die wenigsten Fehler macht gewinnt. Und dafür trainieren wir hier, alle zusammen und jeder für sich“, sagt Josef Bock, Leiter des Bundesleistungszentrums SHK. Die Trainer, oder „Experten“ wie sie im Wettbewerb bezeichnet werden, haben nicht nur die Aufgabe, mit Ihren jungen Akteuren an den Details und Handwerkstechniken zu feilen, sie bereiten sie auch mental auf eine spezielle Wettbewerbssituation vor. Denn in den Hallen werden Fernsehteams, Pressevertreter aber vor allem tausende Schüler erwartet, die hier ihren Beruf finden können. Darüber hinaus sind zahlreiche Berater und Unternehmen vor Ort, um den Schülern die Berufe mit ihren Zukunftschancen zu erklären. Das ist effektiv, denn wie kann man einen Beruf besser zeigen, als in einem Wettbewerb mit sehr jungen engagierten Fachleuten der verschiedenen Berufszweige (Skills). Und dies ist das eigentliche Ziel des Wettbewerbs, bei dem rund 500 Teilnehmer aus 30 europäischen Ländern und Regionen in 35 verschiedenen Berufen ihr Können zeigen. Das Team von WorldSkills Germany und der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) geht mit 22 jungen Fachkräften in 16 Einzel- und 3 Teamwettbewerben an den Start. Die Hälfte der Teilnehmer kommt aus dem Handwerk, die andere aus Industrie und Dienstleistungsbereich.

Gezielt vorbereiten, fair bewerten

Um die internationalen Trainings überhaupt durchführen zu können, musste viel Organisatorisches geregelt werden. „Wir haben fünf 1:1 Modelle gebaut, wie sie in Göteborg bereitgestellt werden, wir benötigten recht viel Material für die Trainingseinheiten und dazu noch professionelle Werkzeuge und Maschinen, um beste Arbeitsergebnisse erzielen zu können. Zu unserer Freude haben uns die Firmen Prefa, Masc, Schechtl und Krehle hierbei sehr unterstützt“, berichtet Josef Bock. Bei der Trainingseinheit in Schweinfurt nahmen sechs Experten der acht teilnehmenden Nationen teil. Die Experten der jeweiligen Skills bilden gleichzeitig auch die Jury für die Bewertung der Arbeiten; Chefexperte im Bereich Metalroofing ist der Österreichische Spenglermeister Willi Strasser. Die Meister nutzen die Trainings, um schon jetzt auch die Bewertungskriterien festzulegen. „Leider hat das bei den Euroskills in Lille 2014 aus unserer Sicht nicht so gut geklappt. Deshalb ist es gut, dass wir uns bei dieser Gelegenheit mit der Bewertung der Arbeiten beschäftigen und unsere Spengler gezielt auf den Wettbewerb vorbereiten können. Folglich wird auch die Beurteilung der Projekte in Göteborg fair und eindeutig sein“, ergänzt Josef Bock. Obwohl sein Schützling verhindert war, reiste auch Experte und „Plåtslagarna“ (Blechner) Mathias Mattson aus Schweden an, um sich an der Vorbereitung zu beteiligen.

Tonnendach und Faltenkehle

Zur Vorbereitung des zweiten internationalen Trainings musste Josef Bock die Dachmodelle zunächst aus der Schweiz abholen, Material bereitstellen und die Werkstatt herrichten. Das Übungsmodell ist mit zahlreichen Details gespickt: die „Metalroofer“ haben die anspruchsvolle Aufgabe, an den drei Wettbewerbstagen eine Tonnendachgaube mit Rund- und Faltenkehle in die Tafeldeckung aus Aluminium zu integrieren, einschließlich aller erforderlichen Anschlüsse und Blenden. Im Training ging es darum, die fachlich richtige Falztechnik anzuwenden und hierbei auch den Zeitfaktor zu berücksichtigen. Hierzu musste auch die perfekte Abfolge der Arbeitsprozesse ermittelt werden. „Damit die jungen Spengler zeigen können, dass sie in der Lage sind, auch auf unvorhergesehene Arbeiten zu reagieren, werden bis zu 30 Prozent der Aufgabe für den Wettbewerb verändert. Aber dies ist den Akteuren zuzumuten, denn alle haben sich bereits in den nationalen Wettbewerben für die Teilnahme an den EuroSkills qualifiziert und gezeigt, was sie können“, so Chefexperte Willi Strasser.

Dass das internationale Training allen Spaß macht, zeigt sich auch an den gemeinsamen Abendessen am Ende eines jeden Trainingstages. Dies fand stets in einem nahegelegenen Restaurant des Hotels satt, in dem alle Experten und Spengler übernachteten. Hier konnten Hemmschwellen im Umgang mit den Teilnehmern aus den anderen Ländern durch gegenseitiges Kennenlernen abgebaut – und Englischkenntnisse aufgefrischt werden. „Bei unseren gemeinsamen Trainings hat sich eine schöne Gemeinschaft gebildet. Wir verstehen uns alle prima – trotz einiger sprachlicher Probleme. Wir arbeiten konzentriert zusammen, besprechen unsere Fehler, lachen aber auch viel und haben eine schöne Zeit beim gemeinsamen Essen nach den Trainings“, so der 21-jährige Klempnergeselle Julian Emmert aus Baden-Württemberg, der für Deutschland ins Rennen geht. Zeitgleich fand auch für Anlagenmechaniker Lukas Bauer und seinem Experten André Schnabel im Bereich Sanitär und Heizung („Plumbing and Heating“) statt. Die letzten Trainingseinheiten werden die beiden vom 10. – 14. Oktober und 7. – 11. November 2016 in Schweinfurt absolvieren, um vom 1. – 3. Dezember 2016 in Göteborg/Schweden bei den EuroSkills Deutschland im SHK-Handwerk zu vertreten.

Klaus Siepenkort