Allmann Sattler Wappner Architekten erhalten Deutschen Fassadenpreis 2020

Das Münchner Architekturbüro Allmann Sattler Wappner ist Preisträger des Deutschen Fassadenpreises 2020 für Vorgehängte Hinterlüftete Fassaden: Die Bestandserweiterung für Hotel und Gastronomie des Fünf-Sterne-Superior Golf- und Wellness-Resorts Der Öschberghof in Donaueschingen überzeugte die Fachjury unter Vorsitz von Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur, mit einer perforierten Gebäudehülle.

Hotel Der Öschberghof in Donaueschingen, Fassadenpreis
Die Wertschätzung regionaler, traditioneller Architektur sowie ein behutsamer Umgang mit dem Bestand bildeten die Grundlage zur Erweiterung des Hotels Der Öschberghof in Donaueschingen – Preisträger des Deutschen Fassadenpreises 2020 für Vorgehängte Hinterlüftete Fassaden. Foto: Brigida González

Am 17. September 2020 wurden neben dem Hauptpreis, ein Sonderpreis für Nachhaltigkeit und vier Anerkennungen im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung – erstmals als Hybridveranstaltung mit den Nominierten, ihren Bauherren sowie FVHFEhrengästen in Berlin und parallel im Live-Stream auf YouTube – verliehen. Der FVHF vergibt den renommierten Architekturpreis seit 1999 bereits zum 13. Mal.

Archetypus behutsam erweitert

Die Jury lobte das prägnante Konzept der Architekten, den Archetypus eines Schwarzwaldgehöfts aus einzelnen und in Gruppen stehenden Satteldachhäusern zu zitieren und den 70er Jahre Bestand behutsam zu erweitern: „Der Entwurf von Allmann Sattler Wappner strukturiert und ergänzt das in die Jahre gekommene Gebäudeensemble Hotel und Golfresort Der Öschberghof subtil und prägnant. Dabei spielt die Gebäudehülle eine entscheidende Rolle. Die vertikale Struktur der ametrisch gefalteten Blechbahnen umhüllt die klargeschnittenen Satteldachvolumen und wird konsequent in deren Dachflächen fortgeführt. Öffnungen, Fenster und Fassaden werden mit perforierten Flächen behutsam überspielt oder mit klaren Ausschnitten scharf inszeniert. Dabei verleihen die perforierten Flächen dem robusten Material eine „textile“ Qualität und lassen die Volumen in der Nacht von Innen leuchten.“ Die Münchner Architekten erhalten nach 2004 und 2007 damit bereits zum dritten Mal den begehrten Architekturpreis. Jurymitglied Prof. Andreas Fuchs, Fat Lab, Stuttgart und FVHFVorstand Andreas Reinhardt überreichten den Pokal an Alexandra Wagner, Partnerin und Design Direktorin bei Allmann Sattler Wappner Architekten.

90 Prozent der Fassade aus gebrauchten Bauteilen

Das besondere Nachhaltigkeitskonzept des Recyclinghauses Hannover nahm die Jury zum Anlass, das Projekt von CITYFÖRSTER Architekten beim diesjährigen Deutschen Fassadenpreis für VHF mit einem Sonderpreis zu honorieren: „Das Experimentalhaus von Cityförster in Hannover ist eine kleine Revolution: Der Prototyp beweist, wie sich mit leicht verfügbaren Recyclingmaterialien vorbildlich ressourcenschonend bauen lässt. Der Denkanstoß aus Hannover befeuert die Diskussion über graue Energie und Ressourcenverbrauch und zeigt ganz nebenbei, wie Auswege aus einem aktuell umweltschädlichen Bauen gestalterisch höchst anspruchsvoll gelingen können“, resümiert die Jury.

Vier weitere Architekturbüros und die jeweiligen Bauherren erhielten für ihre herausragenden Projekte Anerkennungen:

  • KNOCHE ARCHITEKTEN BDA für das Feuerwehrzentrum in Köln-Kalk

  • meck architekten für das Kirchenzentrum Seliger Pater Rupert Mayer in Poing

  • TRU Architekten für Überäume für Musikstudierende der UdK in Berlin
  • VON M für das Hotel Bauhofstraße in Ludwigsburg

Die sechs preisgekrönten Bauten illustrieren ebenso wie die rund einhundert hochkarätigen Einreichungen die Gestaltungskraft der VHF und ihre vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Das Preisgeld von zusammen 11.000 Euro wird mit 5.000 Euro für den Gewinner, 2.000 Euro für den Sonderpreis und je 1.000 Euro für die vier Anerkennungen aufgeteilt.

Gelegenheit zum Reflektieren

Die Preisverleihung fand erstmals als Hybridveranstaltung mit rund 50 Gästen auf dem Seminaris Campus Berlin-Dahlem von Murphy/Jahn Architekten und parallel mit einer Vielzahl an Zuschauern im Live-Stream auf YouTube statt.

TV-Moderatorin Anke Plättner und Co-Moderator Prof. Jan R. Krause begrüßten neben den Nominierten, ihren Bauherren und einigen FVHF-Ehrengästen Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e.V. (DGNB) sowie Lothar Fehn Krestas, Ministerialdirigent im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI). Der Architekt und Zimmermann unterstrich die Bedeutung von Architekturpreisen als Gelegenheit zum Reflektieren und zum Start eines Dialogs über Qualität und Innovation. Die Fassadenbranche kann hier einen großen Beitrag leisten indem sie neue Lösungen entwickelt und „ins Schaufenster" stellt. Auch Bauingenieurin Lemaitre zeigte sich von der Qualität, mit der in Deutschland gebaut werden kann, beeindruckt. Appellierte aber daran, mit mehr Mut nachhaltige Projekte wie den Preisträger des Sonderpreises umzusetzen.

Ein Grußwort aus Ettersburg sendete der Jury- und Vorstandsvorsitzende der Bundesstiftung Baukultur, Reiner Nagel. Er berichtete aus der Jurysitzung, die aus einem „Who ist Who der Vorgehängten Hinterlüfteten Fassade" auswählen konnte und Prägnanz, Kontext, Angemessenheit, Innovation sowie Überraschung als Beurteilungskriterien für den Deutschen Fassadenpreises 2020 für VHF zugrunde legte.

Seit 1999 vergibt der Fachverband Baustoffe und Bauteile für vorgehängte hinterlüftete Fassaden e.V. im zweijährigen Rhythmus den Deutschen Fassadenpreis für VHF für ausgezeichnete Gebäudehüllen, die besonders herausragen. Zu den Prämierten gehören etablierte Architekturbüros wie Sauerbruch Hutton, STAAB und Schulz und Schulz sowie junge Aufstrebende wie raumzeit, Bottega Ehrhardt und Richter Musikowski.

Die Preisverleihung zum Nachsehen sowie weitere Hintergründe zur Bedeutung des Preises mit persönlichen Statements und Portraits stehen auf dem FVHF-Youtube-Channel zur Verfügung.

Letzte Aktualisierung: 24.09.2020