Aus der Not wird die Tugend

Im Wohn- und Gewerbebau sind platzsparende Lösungen für die Dachentwässerung von Vorteil. Kombi-Entwässerungssysteme, die Haupt- und Notentwässerung vereinen, sparen Material und Einbauzeit. Auch Kernbohrungen lassen sich so auf ein Minimum reduzieren.

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Doppelter Nutzen: eine Kombilösung zur Entwässerung der Haupt- und Notebene in einem System. Dies erspart die zusätzliche Montage von Not-Attikaspeiern. Fotos: Loro

Grundsätzlich wird ein Flachdach oder ein flach geneigtes Dach durch eine Hauptentwässerung in die Grundleitung und eine zusätzliche Notentwässerung auf eine schadlos frei überflutbare Fläche entwässert. Normalerweise werden hierfür pro Tiefpunkt auf dem Dach 2 separate Abläufe benötigt: ein Hauptablauf, der permanent funktioniert, und ein Notablauf mit einem Anstauelement, der nur im Falle des Jahrhundertregens oder bei Rückstau aus der Grundleitung läuft. In vielen Fällen kann ein Haupt-Not-Kombisystem die wirtschaftlichere Alternative sein. Insbesondere bei kleinen und mittelgroßen Dachflächen zwischen 50 und 500 m² wird der wirtschaftliche und optische Vorteil gegenüber getrennten Systemen deutlich. Anstelle von mindestens 2 getrennten Abläufen und Fallleitungen reduziert sich der Aufwand beim Einsatz eines Haupt-Not-Kombisystems auf ein System.

Haupt-Not-Kombisystem im Wohnungsbau

Hausbesitzer legen auch im Bereich der Dachentwässerung Wert auf tadellose Optik und langfristige Sicherheit. Außen liegende Kombilösungen aus verzinktem Stahl bieten langfristig Schutz vor Beschädigung und Verwitterung. Die Abläufe werden hierbei mit einem speziellen Kiesfangkorb, der gleichzeitig als Reinigungsmöglichkeit dient, in die begehbaren Nutzflächen von Balkon oder Dachterrasse eingebaut. Die Fallleitung aus bruchfestem Stahl mit Auslauf für die Notentwässerung ist optisch ansprechend in den Terrassenbereich integriert und nachhaltig sicher gegen physikalische Beanspruchung.

Bemessungsgrundlagen

Die Berechnung der "Liter pro Sekunde" erfolgt - wie bei getrennten Lösungen - separat für die Haupt- und Notentwässerung anhand der m2 Dachfläche, der örtlichen Regenspende und des Abflussbeiwertes. Zur Berechnung eignen sich zum Beispiel Onlineberechnungstools. Der berechneten Regenmenge wird dann die Abflussleistung des gewählten Systems gegenübergestellt, woraus sich die Anzahl der benötigten Haupt- und Notentwässerungspunkte ergibt. Gegenüber herkömmlichen Speierlösungen liegt die Leistung von Haupt-Not-Kombisystemen deutlich höher, abgestimmt auf die Leistung der Hauptentwässerung. Da die Notentwässerung unabhängig von der Hauptentwässerung funktionsfähig sein muss, wird durch das jeweilige System sichergestellt, dass beide Strömungen vom Einlauf bis zum Auslauf durch 2 voneinander unabhängige Fließwege geleitet werden. Oft werden dabei die Strömungsquerschnitte bewusst verringert, um eine schnellere Druckströmung mit verbessertem Selbstreinigungseffekt zu erzeugen. Durch den planmäßig hohen Wasseranteil im Rohrsystem wird die Zuführung von Luft kontrolliert, sodass die Abflussleistung bei geringer Wasserhöhe auf dem Dach deutlich verbessert werden kann.

Letzte Aktualisierung: 26.02.2013