Baumetall Blei (Walzblei farbbeschichtet, plissiert, verzinnt, selbstklebend)

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Kölner Dom. Foto: DDH

Kulturhistorisches

Blei zählt zu den dem Menschen am längsten bekannten Metallen und findet schon in den Schriften des Alten Testaments Erwähnung. Bereits im Altertum wurden Wasserrohre mit Blei überzogen, um sie vor Korrosion zu schützen. Die Ägypter verwendeten schon 7000 v. Chr. Blei als Bestandteil von Keramikglasuren.

Wirtschaftliche Bedeutung

Weltweit werden rund 5,8 Millionen Tonnen Blei verwendet, davon 324.000 Tonnen in Deutschland. Die inländische Bleiproduktion betrug 1997 rund 329.000 Tonnen. Halbzeugproduktion und Metallguß lagen bei 52.000 Tonnen. Eigenschaften der Bleibleche

Blei ist korrosionsbeständig

Auf frisch zugeschnittenen Bleiblechen bildet sich unter Einwirkung von Luft zunächst ein Oxidfilm. Durch die Reaktion mit atmosphärischem Kohlendioxid bildet sich dann Bleikarbonat. Hierbei überzieht sich das Bleiblech mit einer sehr dünnen Schutzschicht, der sogenannten Patina. Diese Patina haftet fest und ist bei normaler Luftfeuchtigkeit unlöslich. Messungen nach 10-jähriger Beanspruchung durch unterschiedliche Atmosphären ergaben eine durchschnittliche Patina-Dicke von nur 0,00635 mm. Die Patina übernimmt als Edelrost eine Schutzfunktion für das Metall, die im Laufe der Jahre immer wirksamer wird. Selbst Industrie-Atmosphären, die zur Aufnahme von Sulfat in den Edelrost führen können, beeinträchtigen seine Schutzfunktion nicht. Der Edelrost verleiht dem Blei eine silbergraue Färbung, die auch alle ästhetischen Anforderungen erfüllt. Das über Dachdeckungen und Abdeckungen herabfließende Regenwasser führt wegen des schwer löslichen Verhaltens des Edelrostes nicht zu Beschmutzungen oder gar Beschädigungen darunter liegenden Mauerwerks oder anderer benachbarter Baustoffe. Alkalien aus frischem Beton oder Mörtel wirken aggressiv auf Blei. Deshalb ist Blei vor Alkalien zu schützen. Dieser Schutz kann durch einen porenfreien Bitumenanstrich oder eine Abdeckung mit Dachpappe, Kunststoff-Folie oder Glasvliesbahnen erfolgen. Selbst bei abgebundenem Beton können Alkalienausschwemmungen vorkommen, wenn Feuchtigkeit eindringt.

ACHTUNG: BLEI VOR ALKALIEN AUS BETON ODER MÖRTEL SCHÜTZEN.

Formbarkeit

Blei kann in kaltem Zustand in nahezu jede Form gebracht werden. Durch Hämmern und Biegen passt es sich als Bekleidung runden Oberflächen oder Profilen ebenso gut an wie ebenen Flächen. Es kann jeder Unterkonstruktion dicht anliegend aufgelegt werden. Dieser enge Kontakt bleibt durch geeignete Befestigungsmethoden selbst dann erhalten, wenn der Wetterangriff besonders stark ist.

Mechanische Festigkeit und das Verhalten von Blei unter Wärmeeinfluss

Bleibleche haben naturgemäß nur eine geringe mechanische Festigkeit und einen relativ hohen Ausdehnungskoeffizienten. Beide Merkmale haben jedoch bei sachgemäßer Anwendung keinen Einfluss auf die Lebensdauer des Materials.

Die Daten:

Der lineare Wärmeausdehnungskoeffizient beträgt im Temperaturbereich von 20° bis 100C = 29,1 x 10-6 = 0,03 mm/m x grad.

Die Wärmeausdehnung von Bleiblech ist damit fast genauso groß wie die des Zinkblechs.

Blei ist ein weiches, z.B. Zink oder Kupfer aber ein hartes Metall. Harte Metalle können bei ihrer Ausdehnung über eine größere Fläche schieben ohne zu stauchen oder zu knicken. Sachgemäße Anwendung heißt also, die Größe der einzelnen Bleistücke zu begrenzen und die Verbindungen und Befestigungen so anzulegen, daß genügend Raum für die Wärmebewegungen bleibt.

Die Wärmeleitfähigkeit von Blei liegt bei 0,0842 cal/cm x sec x grad. Damit kann die Wirkung einer Bleideckung bei der Berechnung der Wärmedämmung eines Dachaufbaus vernachlässigt werden.

Das ,,Kriechen" der Bleiabdeckungen von geneigten Dächern oder bei Fassaden wird durch geeignete Befestigungsmaßnahmen verhindert.

Arten der Bleibleche

Normen

Heute werden Bleibleche ausnahmslos durch Walzen hergestellt. Technologische Entwicklung und ständige Güteuberwachung ermöglichen die Herstellung von SATURNBLEI in stets gleichbleibender Qualität und in verschiedenen Dicken.

Folgende Normen gelten für Bleibleche:

DIN 59610 Bleche aus Blei, Maße;

DIN 17640 Teil 1 Materialnorm, Legierungen für allgemeine Verwendung.

Werkstoffangaben

Metallurgische Angaben

Bleiblech: Legiertes Blei nach DIN 17640 auf Basismetall Pb 99,94 mit geringen metallischen Zusätzen (z.B. Cu 0,04-0,05%) und normenmäl3ig festgelegten Beimengungen. Wesentlich verbesserte Dauerstandsfestigkeit (Zeitdehngrenze), gleichmäßiger, feinkörniger Gefügeaufbau, sehr gute Verarbeitbarkeit, da in kaltem Zustand form- und hämmerbar.

Herstellung

Bandwalzung mit normenmäßig festgelegten Dickentoleranzen und einwandfreier Oberfläche.

Lieferform

Blei (Saturnblei, Güteschutzgemeinschaft Bleihalbzeug e.V.) wird in Dicken von 0,1 bis 5 mm angeboten. Dabei bezeichnet man Dicken bis 0,4 mm als Folien, ab 0,5 mm als Bleche.

Breiten und Längen von Bleiblechen können als Festmaß bestellt werden. Jedes Breitenmaß von 100 bis 1300 mm ist lieferbar. Als Sonderanfertigung können auch größere Breiten hergestellt werden. Normalerweise erfolgt die Lieferung als Rollenware; auf Anforderung auch in palettierten Zuschnitten. Mit der Möglichkeit der maßlich genau bestimmten Lieferform sind gerade beim Dach- oder Fassadenbau Zuschnittverluste zu vermeiden. Der Gewinn an Arbeitszeit ist ebenfalls einzukalkulieren.

Für Fassadenarbeiten empfiehlt es sich, palettierte Platten zu verwenden, um eventuelle Querwellungen, die bei Rollenware auftreten können, auszuschließen.

Funktionstechnische Angaben

Magnetische Eigenschaften: Blei ist diamagnetisch.

Anwendungsbereich: Im gesamten Bauwesen, als dauerhafter Schutz im Dach- und Wandbereich, als Feuchtigkeitsisolierung, Schallschutz und Strahlenschutz.

Nutzungsarten

Allgemeine Bauklempner-Arbeiten: Dachrandanschlüsse, Dachdurchdringungen, Abdeckungen, Anschlüsse, Verwahrungen.

Dachdeckungen: Im gesamten Dach- und Turmbereich und bei allen Dachformen.

Fassade: Hinterlüftete Wand- und Fassadenverkleidungen.

lnnenausbau: Schallschutz und Ummantelungen, Strahlenschutz.

Entwässerung: Balkone, Terrassen.

Feuchtigkeitsschutz: Abdichtungen gegen drückendes und nichtdrückendes Wasser

Bauphysikalische Angaben

Feuerschutz: Nicht brennbarer Baustoff/Klasse A.

Beständigkeit: Hervorragende Korrosionsbeständigkeit gegen alle in der heutigen Atmosphäre vorkommenden Stoffe durch eine sich natürlich bildende Schutzschicht aus unlösbarem Bleikarbonat oder -sulfat (Patina). UV-beständig, verrottungsfest, bruchsicher, wiederverwendbar (Recycling).

Farbgebung: Die silbergraue Patina passt sich harmonisch allen anderen Baustoffen an.

Spannungsreihe der Metalle

In der Praxis werden Bleibleche oft in Berührung anderer Metalle verwendet. Die unterschiedlichen elektrischen Fotentiale der Metalle werden von der Beschaffenheit ihres Oberflächenfilms stark beeinflußt. Eine elektrolytische Reaktion, bei der das weniger edle Metall angegriffen wird, findet unter normalen Bedingungen bei der Verwendung von Bleiblechen in Verbindung mit Kupfer, Zink, Eisen oderAluminlum nicht statt. Sind Verbindungen aus Blei oder Aluminium aggressiver Seeluft oder bestimmten lndustrieatmosphären ausgesetzt, sind eventuell Vorsichtsmaßnahmen angebracht, die das Aluminium schützen

Element Elektronen Normalpot./Volt

Aluminium AI +3e -1,69

Mangan Mn +2e -1,1

Zink Zn +2e -0,76

Chrom Cr +3e -0,51

Eisen Fe +2e -0,44

Nickel Ni +2e -0,25

Zinn Sn +2e -0,16

Blei Pb +2e -0,13

Wasserstoff 2H +2e 0,00

Kupfer Cu +2e +0,35

Silber Ag +le +0,81

Diese Spannungsreihe zeigt die Wertigkeit der Metalle (in gekürzter Form). Je höher das negative Normalpotential ist, desto unedler ist das Metall.

Mechanisch-technologische Angaben

Kurzzeichen nach DIN 17640:

Pb 99,94 Cu

Werkstoff-Nr. nach DIN 17640:

2.3035

Dickentoleranz:

DIN 59610

Wärmedehnung:

0,03 mm/m °C

Dichte (Röntgendichte):

11,341

E-Modul:

1600 kg/mm2

Letzte Aktualisierung: 28.01.2011