Wellness unter Scharen

Metalldächer: Zeitgemäß und stilvoll zeigt sich das neue Chalet Fiat auf dem Lo Spinale in 2.100 m Höhe. Extreme Witterungsbedingungen und das umweltfreundliche Baukonzept erforderten einen besonderen Konstruktionsaufbau für die Gebäudehülle aus Metall.

Andreas Hofer Chalet Fiat
Die Systemrauten sind mit einer Deckbreite von 400 mm zum Teil horizontal und zum Teil vertikal verlegt. Die freie Anordnung der Querverbindungen sorgt für ein abwechslungsreiches, lebendiges Erscheinungsbild. Fotos: Zintek Srl

Zu Fuß oder einfach per Seilbahn erreicht man den „Lo Spinale“ auf 2.100 m Höhe. Der Bergrücken in den Brenta Dolomiten liegt rund 60 km nördlich vom Gardasee entfernt. Bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts ist er für die touristische Entwicklung des kleinen Ortes Madonna di Campiglio von besonderer Bedeutung. In dieser Zeit begann der Ausbau eines heute dichten Netzes an Wanderwegen sowie gastronomisch geführter Schutzhütten. Das erste Gebäude, das auf dem Spinale errichtet wurde, war die kleine, nach einem Künstler benannte „Hofer-Hütte“, die noch heute fast wie das Original neben dem neuen, modernen Chalet Fiat steht. Das 2018 fertiggestellte Gebäude verfügt über ein exklusives Restaurant mit Bar sowie über ein Schnellrestaurant für rund 180 Gäste und bietet ihnen einen atemberaubenden Blick in die Bergwelt.

Das Chalet ist für die Übernachtungsgäste mit sieben Suiten und insgesamt 18 Betten, einem Wellnessbereich und einem Leseraum ausgestattet. Besonderes Augenmerk der Architekten Giovanni Berti und Monica Fondriest bei der Umgestaltung und Erweiterung des bestehenden Gebäudes, war nicht nur ein stilvolles, zeitgemäßes Ambiente zu schaffen, sondern auch die Belange des Umweltschutzes im Unesco Weltnaturerbe zu erfüllen. Konkret ging es hierbei um die Auswahl nachhaltiger Baustoffe und dem Einsatz moderner Umwelttechnologien für Energiemanagement und Entsorgung.

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Im Rahmen der Umbauarbeiten ließen sie den in den 1960er Jahren errichteten und 1985 vergrößerten Gebäudeteil vom Zwischengeschoss bis zum Dach zurückbauen. Die Kellerstruktur aus Beton wurde jedoch beibehalten.

Die Erhebungen des erhöhten und ersten Stocks sowie des zweiten Dachgeschosses sind komplett aus Holz gefertigt. Die wärmegedämmten hinterlüfteten Fassaden und Attiken erhielten Bekleidungen aus zintek Titanzink, vorbewittert in Schindeldeckung, sowie eine Holzleistendeckung aus thermisch behandelter Lärche. Die architektonische Gestaltung des Chalets mit seiner geometrischen Vielfalt und der Kombination der Werksstoffe Holz und Titanzink wirkt modern und fügt sich ideal in die umgebende Berglandschaft ein. Das Dachgeschoss zwischen dem Erdgeschoss und dem ersten Stock ist aus Holz, teilweise mit gelochten Akustik-Deckenplatten und teilweise aus Brettschichtholz X-Lam gefertigt. Letzteres ist ein massiver, sehr tragfähiger Baustoff, dessen vorgefertigte großflächige Bauteile sich zeitsparend montieren lassen. Im Keller befindet sich energiesparende Hightech bestehend aus einem modernen Wärmekraftwerk mit Pelletlager und einem Generatorset für die Notversorgung. Das energieeffiziente Gebäude nutzt dabei erneuerbare Energien und die Regenwasserrückgewinnung sorgt für sparsamen Trinkwasserverbrauch.

Windlastberechnung/Grundlagen
Grundlagen:
Windgeschwindigkeit V10 = 38,0 m/s entsprechend dem Eurcode 1-4 mit einer mittleren Wiederkehrzeit von 1 mal in 50 Jahren
Windgeschwindigkeit Vmax. = 52,0 m/s
Auszugswert für Schiebe- und Festhaft = 1,00 kN (Sicherheitsbeiwert 3,0)
Ergebnis:
13 Stück/m² Haften geschraubt im Eckbereich Zone F nach EN 1991-1-4 Windlasten
10 Stück/m² Haften geschraubt im Randbereich Zone G nach EN 1991-1-4 Windlasten
10 Stück/m² Haften geschraubt im Feldbereich Zone J nach EN 1991-1-4 Windlasten (Dach-Innenbereiche wurden wie Randbereiche bewertet)

Feuchteschutz von außen und innen

Besondere klimatische Verhältnisse bringen besondere bautechnische Anforderungen mit sich – insbesondere in Bergregionen. So mussten bei der Planung der Dach- und Wandkonstruktion aus Titanzink die regelmäßig auftretenden extremen Wind- und Niederschlagsereignisse mit Regen, Schnee und Hagel sowie enorme Temperaturwechsel berücksichtigt werden. Feuchteschutz von außen, aber auch der Feuchteschutz aus dem Gebäudeinneren forderten das Planungsteam heraus, da es sich zudem um eine gestaltete Dachfläche mit unterschiedlichen Gefällesituationen handelte. Gemäß dem bewährten Konstruktionsprinzip „innen dichter als außen“ entschieden sich die Architekten Giovanni Berti und Monica Fondriest und Andreas Hofer, Spenglermeister und Geschäftsführer des Fachplanungsbüros Studio Tecnico, für einen hinterlüfteten Aufbau der Dach- und Fassadenflächen mit den entsprechenden Wasserdampf-Diffusionswerten (sd-Wert). So wurden auf die vollflächige tragende Struktur aus Holz eine diffusionshemmende Schicht sowie eine zweilagige, 200 mm dicke Dämmschicht mit Zwischenlattung angeordnet.

Andreas Hofer Chalet Fiat 2
Um Lufteinschlüsse bei den verwinkelten Teilflächen des Daches zu vermeiden, sind diese konstruktiv durchgängig an den Hinterlüftungsraum angeschlossen.

Tauwasser im Griff

Bei der Dachkonstruktion sorgt eine diffusionsoffene, schweißbare Kunststoffbahn aus Polyurethan mit Polyestereinlage als wasser­dichtes Unterdach für zusätzliche Sicherheit. Sie ist direkt auf der Dämmung angeordnet und dient in der Bauphase als Schutz vor ­Tagwasser, Hagel und Schnee. Ihre wichtigste Aufgabe, die sie dauerhaft erfüllt, ist jedoch das Ableiten temporär auftretenden Tauwassers direkt in die Dachrinne. Dies entsteht bei plötzlich ­auftretenden Gewittern und den hiermit verbundenen Temperaturstürzen der Deckung um bis zu 60 auf nahe null Grad. Die ist in den ­Brenter ­Dolomiten in 2.100 m Höhe keine Seltenheit. Wasserdichte Unterdächer zeichnen sich dadurch aus, dass die Konterlattung in die Abdichtung eingebunden wird – beim lediglich „Regensicheren Unterdach“ wird nur ein Nageldichtstreifen zwischen Abdichtung und Konter­latte unterlegt. An der Dachkonstruktion des Chalets wurden zwei 40 × 60 mm Lattungen übereinander gelegt und nur die untere Latte in die Abdichtung eingebunden. Daraus ergab sich letztendlich der gewünschte Hinterlüftungsraum von 80 mm.


Andreas Hofer/Klaus Siepenkort

Den gesamten Artikel lesen Sie in der Ausgabe 05/19 des klempner magazins


dach+holz.tv - zur Tat: Aluminium-Fassadenelemente verarbeiten

Dachplatten hat Micha schon verlegt, jetzt gehts zu den Aluminium-Sidings. Michael zu Besuch in Neu-Ulm um sich von Fachtechniker Tom Fassadenplatten-Verlegung zeigen zu lassen.



Letzte Aktualisierung: 16.07.2019