Dachaufstockung: Lamellen im Raster

Im Rahmen einer Umstrukturierung musste das Luzerner Kantonsspital „Luks“ ein bestehendes Flachdach aufstocken. Für die neue Dachkonstruktion kombinierte die Schweizer Spenglerei Paul Gisler AG aerodynamisch geformte Verschattungslamellen der Fensterflächen mit einem eigenen Stulpfalzsystem.

Luzerner Kantonsspital „Luks“
Das individuelle Stulpfalz-Paneelsystem ließ sich, optisch perfekt im Raster, mit den aerodynamisch geformten Verschattungslamellen der Fensterflächen kombinieren. Fotos: Paul Gisler AG/VDSS

Das Haus 10 im Luks ist auf patientenfreundliche und effiziente ambulante Prozesse ausgerichtet. So haben Patienten mit einer neu gestalteten Infrastruktur heute schnellen Zugang zu allen Bereichen der ambulanten Medizin.
Die Umstrukturierung und Erweiterung der medizinischen Leistungen erforderte die Aufstockung des bestehenden Flachdaches. Hierfür ließ sich die DNS architekten GmbH aus Zürich eine besondere, architektonisch gestaltete Metalldachkonstruktion einfallen. Die neue Etage zeigt sich heute mit einer modernen Schrägdachkonstruktion aus ­Aluminiumpaneelen und Fensterlamellen aus Prefa-Aluminium von Prefa im Farbton titanium dunkel.

Ausgeklügelte Detailplanung

So leicht, wie sich die Dachkonstruktion zeigt, so besonders waren jedoch die ­Herausforderungen bei deren Planung und Ausführung. Die Koordination der beteiligten Gewerke erforderte, bezüglich der ­Montageabläufe und Schnittstellen, eine ausgeklügelte Detailplanung. Hierin mussten der Holzbau, Fenstermontagen mit ihren Beschattungslamellen und letztendlich die Montage der sehr speziellen Metalldeckung eingebunden werden. Ziel der Architekten bei der Dachgestaltung war es, die Fensterflächen möglichst unauffällig in ein Deckungssystem zu integrieren.
Nach einigen Bemusterungen wählten Architekt und Bauherrschaft ein Stulpfalz-Paneel in Horizontalverlegung aus Prefa-Aluminium im Farbton titanium dunkel. Dies ließ sich optisch perfekt mit den aerodynamisch geformten Verschattungslamellen der Fensterflächen kombinieren. Die Besonderheit bei der Wahl des Stulpfalz-Paneelsystems war, dass dies individuell von der Spenglerei Gisler gefertigt werden musste. „Zum einen passten die ­Standardbaubreiten nicht in das Raster der Verschattungslamelle, zum ­anderen musste das ­Profilsystem für den Einsatz an geneigten Flächen ­etwas ­modifiziert ­werden. Um die Schlagregendichtheit der Steckprofile ­sicherzustellen, haben wir ­intern verschiedene Tests ­durchgeführt“, ­berichtet Spenglermeister Peter Gisler.

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Montage von oben

Bei der Werkplanung und der Koordination der Gewerkeschnittstellen musste berücksichtigt werden, dass Stulpfalz-Paneele von oben nach unten verlegt werden – dies galt auch für die modifizierte Variante der Firma Gisler. Bei dem Konstruktionsaufbau dieser Metalldachkonstruktion war darüber hinaus zu beachten, dass aufgrund besonderer Anforderungen an die Raumnutzung eine ausreichende Be- und Entlüftung sichergestellt wird. Hierzu musste der Hinterlüftungsquerschnitt um 20 mm höher ausgeführt werden, als die Schweizer Norm SIA 232 dies fordert – er ­beträgt somit 80 mm. Dementsprechend ­erfolgte die Ausführung der Distanzkonstruktion für die Paneele mittels Holzlattung 80 × 60 mm.
Unterhalb der Lattung sorgt eine Unterdachbahn für außerordentliche Beanspruchung für zusätzliche Sicherheit bei extremen Wetterlagen. Als Kleintierschutz für die umlaufenden Be- und Entlüftungsöffnungen kamen Lochprofile aus Cava-Band zur Ausführung. Die Länge der horizontalen Stulpfalz-Paneele von ca. 4,40 m richtete sich nach den Vorgaben des Architekten, respektive des Stahlbaus. Um der Längenausdehnung Rechnung zu tragen, wurden die Profile in der Mitte fixiert und seitlich bei den Befestigungspunkten mit Langlöchern versehen. Die vormontierten Stoßfugen bestehen aus Lisenen-Profilen mit versenkter Rinne. Als Dach-/Fassadenabschluss dient ein zusätzliches, dreiteiliges, filigran geformtes Firstprofil. Gemäß Architektenwunsch sorgte die Firma Gisler dafür, dass die horizontale Rasterung der Stulpfalz-Paneele mit den Abständen der Verschattungslamellen über den Fenstern übereinstimmt. Dabei ergab sich eine Fachweite (Deckmaß) von 180 mm, bei einer Abwicklung des Paneels von 330 mm.

Aufbau Steildach/geneigte Fassade
Von innen nach außen:
Gipsdecke
Installationsebene
Duripaneelplatte
Holzrahmenelement ausgedämmt, in Stahlträger eingelegt
Trittfeste Zusatzdämmung
Unterdachbahn für ausserordentliche Beanspruchung
Hinterlüftungsebene/Konterlatte, Lüftung 80 mm
Eindeckung Stulpfalz-Paneele; Prefa Aluminiumblech titanium dunkel

Sicher Entwässern

Am Fassadenfußpunkt gelangt das Niederschlagswasser in eine Kastenrinne, die mit einer Dichtungsbahn aus Sika-Sarnafil ausgekleidet ist. Die Unterdachbahn der Deckung ist rückstaudicht an die Rinnenabdichtung angeschlossen; der vordere Rinnenabschluss ist tiefer gelegt und somit überlaufsicher ausgebildet.
„Für die Entwässerung der Rinne mussten wir spezielle Speier herstellen und montieren, die in eine Edelstahlrinne zwischen den Fensterflächen des 4. OG in die darunterliegende Kastenrinne entwässert. Das Schneefangsystem mit drei ¾ Zoll Rohren, ist ebenfalls eine Maßanfertigung mit Haltern und Rohrverbindern aus eigener Produktion. Am vorderen Dachrand haben wir kunststoffbeschichtete Einhangbleche (Verbundbleche) befestigt, um die Abdichtungsfolie hiermit fachgerecht verschweißen zu können. Darin wurden anschließend Brüstungsabdeckungen aus 2,0 mm einbrennlackiertem Aluminiumblech eingehakt und mit dem Klebesystem von Sika auf dem Untergrund fixiert. Als Schiebeverbinder kamen unterlegte ‚Desinalbleche‘ zum Einsatz“, erklärt Peter Gisler.

Luzerner Kantonsspital
Schnitt Übergang Fenster (Lamellen)/Dachfläche (Stulpfalz-Paneel) Zeichnung: DNSarchitekten, Zürich



Peter Gisler/VDSS

Den ganzen Artikel lesen Sie in der klempner magazin Ausgabe 05/19


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Letzte Aktualisierung: 16.07.2019