Dehnen ohne Zwängung

Die handwerkliche Falztechnik zeichnet sich dadurch aus, dass sich bei Temperaturwechsel alle Bauteile schadlos dehnen können. Voraussetzungen hierfür sind die richtige Befestigung und die korrekte Anordnung von Dehnungselementen.

Dehnungsschäden (5)
Die Leiter am Dach bedeutet nichts Gutes. Zum Glück stimmte die Bauphysik der hinterlüfteten Dachkonstruktion. Foto: Erhard Pongratz

Dehnungsbehindernde Konstruktionen zählen zu den häufigsten Schadensursachen bei Metallarbeiten an Dach und Fassade. Um Dehnungsschäden von vornherein zu vermeiden, muss jeder Dachdecker und Klempner die Einflussgröße kennen und genau wissen, wie Dehnungsbewegungen der unterschiedlichen Bauteile aufgenommen werden. Wer Bauprofile, Wandanschlüsse, Abdeckungen oder Stehfalzdeckungen gemäß den Klempnerfachregeln des ZVSK oder den Fachregeln für Metallarbeiten im Dachdeckerhandwerk verlegt, sollte hiermit die thermischen Längenänderungen im Griff haben.

Anders als im Metallleichtbau werden Metallprofile in der Klempnertechnik über drei Meter Länge in der Regel so befestigt, dass sie auf dem Untergrund schadlos gleiten können. Hierbei kommen beispielsweise Schiebehafte, Vorstoß- und Traufen-Einhangbleche oder spezielle Querfalze zum Einsatz. Doch auch wenn alles regel- und handwerksgerecht ausgeführt wurde, sorgen sehr oft die nachfolgenden Gewerke dafür, dass sich nichts mehr bewegt: Die Bleche reißen und Wasser gelangt in die Dachkonstruktion, weil Blitzschutz- und Solaranlagen oder sonstige Dachinstallationen unsachgemäß montiert wurden.

In den allermeisten Fällen bewegen sich dann die Sachverständigen auf das Dach, um die Ursache von Wassereinbrüchen festzustellen.

Falze in Wellen

Dies ist nicht immer ganz einfach, da Konstruktionen oft bauphysikalische Mängel aufweisen und mit großem Aufwand überprüft werden müssen, oder es sind durch Dehnungsbewegungen Leckagen am Dach entstanden. Besonders kompliziert wird es, wenn beides zutrifft. Wie sich am Ende dieser Geschichte, dem Feuchteschaden am Pultdach des Einfamilienhauses, herausstellte, war dies zum Glück nicht der Fall. An der Dachdeckung entstand jedoch ein Totalschaden.

Aufgrund von Wassereinbrüchen im Gebäudeinneren vereinbarte der Bauherr einen Termin zur Begutachtung der Dachdeckung, bei der es sich um eine Doppelstehfalzdeckung aus Titanzink handelte. Bei der Ortsbesichtigung zeigten sich außergewöhnlich starke Wellenbildungen in der wasserführenden Ebene der Schare, quer zu den Längsfalzen. Die Wellen waren so stark, dass sich bei der flachen Dachneigung von ca. 15 Grad Pfützen bilden konnten. Aber auch die Doppelstehfalze selbst hatten sich wellenförmig verformt – ein typisches Bild, das unter starken Zwängungen bei temperaturbedingten Dehnungsbewegungen entsteht. Die vielen Reparaturstellen im Bereich von Dachflächenfenstern und verschiedenen Durchdringungen sowie innerhalb der Fläche an den Stehfalzen wiesen darauf hin, dass es bereits schon früher zu Schäden gekommen war. Die entstandenen Leckagen waren mit neuen Zinkblechen oder mit Flüssigkunststoff provisorisch abgedichtet.

Schiebebehafte, die nicht schieben

Zur Feststellung der Ursache wurden verschiedene Prüfungen vorgenommen. Zunächst mussten die Befestigungselemente untersucht werden, denn bei den gemessenen Scharlängen von rund 12,50 Metern waren aufgrund der Überlänge Hafte mit langem Schiebebereich erforderlich; bei Scharlängen bis zu 10 Metern ist dies nicht nötig. Zudem waren an geeigneter Stelle Festhaftbereiche anzuordnen, damit die Schare sich in zwei Richtungen bewegen können; denn wird der Schiebebereich zu lang, besteht die Gefahr, dass Umfalzungen am Traufeneinhangblech aushaken und an Regensicherheit und Stabilität verlieren.

Klaus Siepenkort

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Titel 07.2017

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