Dichten mit Blei

Der undichte Sandstein am Dach der Lukaskirche in Zwickau-Planitz erfordert eine umfassende Sanierung. Mit 2,5 Millimeter dicken Bleiplatten stoppt der ortsansässige Klempner-Fachbetrieb Leipold derzeit die Wassereinbrüche und Durchfeuchtungen.

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Die Schieferdachflächen der Seitenschiffe werden, je nach verfügbarem Budget, nach und nach gegen eine Bleideckung im Holzwulstsystem ausgetauscht. Foto: Schwabe/Leipold

Die verhältnismäßig junge Lukaskirche wurde 1872 bis 1876 durch den Zwickauer Architekten Gotthilf Ludwig Möckel im Stil der Neugotik errichtet. Als Vorbild für die dreischiffige, kreuzförmige Säulenbasilika diente dem Architekten die Marburger Elisabethkirche, die als eine der ersten hochgotischen Kirchen Deutschlands erbaut wurde. Die Lukaskirche wurde in landschaftlich reizvoller Lage auf dem Planitzer Schlossberg erbaut, sie ist 60 Meter lang, 30 Meter breit und der Turm 60 Meter hoch.

Der allgemeine wirtschaftliche Aufschwung Mitte des 19. Jahrhunderts und die sich entwickelnde Steinkohleindustrie in der Zwickauer Region führte zum Anwachsen der Bevölkerung und damit auch der Kirchgemeinde. Der Neubau einer Kirche wurde erforderlich, weil die kleine Schlosskirche die vielen Gottesdienstbesucher nicht mehr fassen konnte. Die Lukaskirche ist eine sogenannte "Steinkohlenkirche", da sie wesentlich mit Geldern aus dem Steinkohlenbergbau finanziert wurde. Mit der Gründung der DDR begann auch der Verfall des Kirchengebäudes. Hierzu schildert Steffi Haupt, Sachgebietsleiterin Denkmalschutz der Stadt Zwickau: "Als die Lukaskirche, eine der bemerkenswertesten Kirchenneubauten des Historismus in unserer Region, mit ihren 1000 Sitzplätzen nicht mehr gefüllt werden konnte, wurde die alte Schlosskirche wieder zur Gemeindekirche erhoben. Und so fand schließlich 1968 in der Lukaskirche der letzte Gottesdienst statt. Damit war der monumentale Kirchenbau fortan dem Verfall preisgegeben. Nachdem in den 1980er Jahren Verhandlungen zwischen Landeskirche und Stadt Zwickau zur Abgabe und Übernahme der Kirche scheiterten, gab die Landeskirche das Bauwerk schließlich auf. Witterung und Vandalismus setzten der Kirche so derart zu, dass 1989 Sofortmaßnahmen notwendig wurden, um die Kirche überhaupt zu retten - alle Erdgeschossfenster mussten mittels Betonelementen verbarrikadiert und Eingänge zugemauert werden.

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Mithilfe eines elektrisch betriebenen Baustellenkrans hebt Klempner Edzard Schwalbe das vorbereitete Bleiprofil gemeinsam mit dem Einhangblech in die richtige Position und befestigt es anschließend mit Schrauben und Dübeln im Sandstein. Foto: Siepenkort

Die Lukaskirche verdankte der Begutachtung durch Prof. Dr. Gottfried Kiesowim im Sommer 1992, dass mit Mitteln der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und des Landes Sachsen ein Dachnotsicherungsprogramm begann und die Kirche noch im selben Jahr zur 800-Jahrfeier von Planitz erstmalig wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnte. Am 19. Juni 1993 gründete sich der "Förderverein zur Rettung der Lukaskirche" der aktuell mehr als 300 Mitglieder zählt. Damit begann eine langjährige kontinuierliche und Arbeit zur Rettung dieses einzigartigen Kirchenbaus".

Weiches Blei schützt harten Stein

Zu dieser Arbeit zählten beispielsweise die Sandsteinrestaurierung und Sicherung der Turmspitze, die Restaurierung Turmuhr mit Geläut, der Einbau neuer Fenster sowie Heizungs-, Sanitär und Elektroinstallationen. Vor allem aber mussten die Dächer saniert werden, da massive Wassereinbrüche in die Dachkonstruktion bereits große Schäden verursachten. Nicht nur Schieferdeckung des Hauptschiffes war das Problem, sondern auch die flachgeneigten Seitenschiffe sowie der Sandstein an den Turmdachflächen selbst, der an zahlreichen Stellen Wasser durchließ. Frostschäden am Sandstein und dessen Fugen waren die Folgen.

Klaus Siepenkort

Den ausführlichen Artikel lesen Sie in Ausgabe klempner magazin 01.2013.

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Letzte Aktualisierung: 12.12.2012