Die Luthermütze sitzt, Turm gerettet!

Aufgrund erheblicher Bauschäden wird die Lutherkirche in Remscheid zurzeit in mehreren Bauabschnitten grundlegend saniert. Ein erster Bauabschnitt ist mit dem Aufsetzten der Turmspitze erfolgreich abgeschlossen - hiermit beginnt unsere dreiteilige Dokumentation.

ZDM_2016_02_102_BU_01_preview
Ein erster Bauabschnitt wurde mit dem Aufsetzten der Turmspitze erfolgreich abgeschlossen – Architekt, Steinmetze, Zimmerer und Klempner haben hierzu ganze Arbeit geleistet. Foto: Siepenkort

Für das heutige Remscheid und nachfolgende Generationen wird die Lutherkirche als eines der stadtbildprägendsten Baudenkmäler der Stadt derzeit vor dem drohenden Verfall bewahrt. Bereits Monate vor dem „Notruf“ des Remscheider Pfarrers Ulrich Wester fielen Klinkersteine vom hohen Turm Kirche. Insbesondere das undichte Turmdach und Fehlsanierungen verursachten erhebliche Schäden am Dachstuhl sowie am Verblendmauerwerk – bis hin zur akuten Einsturzgefahr. Es bestand dringender Handlungsbedarf. Da eigene Mittel nicht reichten, musste die Finanzierungslücke von rund 300.000,– Euro über Spenden finanziert werden. Der zu diesem Zweck gegründete Förderverein wird hierbei von einem breiten Bündnis aus Politik, Kirche und der Bürgerschaft unterstützt. Mit der Schadenskartierung, der Entwicklung des Sanierungskonzepts, die unter den Auflagen des Denkmalschutzes erfolgen mussten und der Durchführung der Sanierungsmaßnahme wurde der ortsansässige Architekt Florian Böker beauftragt. Angesichts des erheblichen Schadensbildes war dies eine besondere Herausforderung, sowohl für den Architekten als auch für das Handwerk. Der erste Bauabschnitt wurde nun mit Aufsetzten des Hahn auf die Turmspitze und der Sanierung des Helms erfolgreich abgeschlossen – Architekt, Steinmetze, Zimmerer und Klempner haben hierzu bereits ganze Arbeit geleistet.

Zeitkapsel unter der Luthermütze

Der knapp 65 Meter hohe Turmhelm wurde mit einer Kupferdeckung im Doppelstehfalzsystem gedeckt. Den Auftrag hierfür erhielt die Lünener Firma Löhr, zu deren Spezialgebieten Turmdeckungen in Klempnertechnik zählen. Mit ihren langjährigen Mitarbeiten verfügt das Unternehmen über einen besonderen Erfahrungsschatz bei der Ausführung komplizierter Falzarbeiten. So war es auch für das Löhr-Team ein besonderer Moment, „ihrem“ Turm zum Abschluss die Krone aufzusetzen. Es war ein hartes Stück Arbeit bis hierher – bei Wind und Regen, Hitze und Kälte, jedoch bei einem unvergleichbaren Ausblick über das Bergische Land.

Die Turmbekrönung besteht aus vier Bauelementen: einem neuen vergoldeten Wetterhahn, dem überarbeiteten geschmiedeten Kreuz mit Verbindungsrohr zur sogenannten Luthermütze sowie einem regensicheren trichterförmig geschwungenen Übergang zur Turmdeckung. Die Luthermütze fertigte die Firma Löhr in ihrer Ormanentwerkstatt als Treibarbeit aus 1,0 Millimeter dickem Kupferblech an. Sie besteht aus zehn Teilen und besitzt einen Holzkern, der aus neunlagigem Weichholz zusammengebaut wurde. Für die Aufnahme der neuen Zeitkapsel, einem an beiden Enden verschlossenen Rohr aus Kupferblech, wurde der alte Holzkern aufgearbeitet und passend ausgehöhlt.

Bei der Demontage der alten Bekrönung entdeckten die Klempner die alte Zeitkapsel, wie sie traditionell in Turm-Ornamente eingearbeitet werden. Sie stammt aus dem Jahre 1893 und beinhaltete verschiedene Beigaben, darunter zwei historische Dokumente. Sie beschäftigen sich inhaltlich mit dem Bautenstand und den Baubeteiligten sowie mit der Kirchen- und Zeitgeschichte.

Klaus Siepenkort

Lesen Sie den gesamten Artikel in klempner magazin 02.16.

Letzte Aktualisierung: 01.03.2016