Doppelstehfalz erforscht

Die Bundesfachgruppe Klempnertechnik traf sich Ende 2018 zur jährlichen Fachtagung im Europäischen Klempner- und Kupferschmiedemuseum. Dachsanierungen, Abfallverordnungen und sd-Werte von Metalldächern waren die Schwerpunkte.

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Dachsanierungen, Abfallverordnungen und sd-Werte von Metalldächern waren die Schwerpunkte bei der Fachtagung im Europäischen Klempner- und Kupferschmiedemuseum. Foto: Klaus Siepenkort

Bundesfachgruppenleiter Ulrich Leib und Referent Klempnertechnik Michael Kober stellten auch in diesem Jahr wieder ein interessantes Tagungsprogramm zusammen. Große Aufmerksamkeit bei den rund 40 Teilnehmern, darunter zahlreiche Sachverständige, erzeugte der Vortrag von Ferdinand Grotzke, Mitarbeiter beim Karlstädter Spenglerfachbetrieb Lummel. Er absolvierte sein Studium an der Technischen Hochschule Rosenheim in der Fachrichtung Gebäudehülle und präsentierte seine Bachelorarbeit. Das Thema lautete: „Ermittlung der wasserdampfdiffusionsäquivalenten Luftschichtdicken von Doppelstehfalzeindeckungen“. Ein deshalb interessantes Thema, da die Frage nach dem sd-Wert von Metalldächern insbesondere bei nicht belüfteten Dachkonstruktionen immer wieder gestellt, aber nicht wissenschaftlich gesichert beantwortet werden kann. Man greift hierzu gerne auf Literaturwerte zurück. So geben die Klempnerfachregeln 03/2016 beispielsweise einen ausgedehnten Bereich von sd = 0,5 m – 1.500 m an; das Fraunhofer-Institut für Bauphysik für Blecheindeckung mit Falze nennt einen sd-Wert von 50 m oder das Forschungsinstitut für Wärmeschutz e. V. München gibt für Doppelstehfalzdeckungen mit Titanzink und Scharbreite 590 mm 66 bis 75 m an.

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Bruno Rösch lud die Teilnehmer zu einem kurzen Verarbeitungsworkshop in die Museumswerkstatt ein. Foto: Klaus Siepenkort

Um diesen Werten auf den Grund zu gehen, führte Ferdinand Grotzke eine normgerechte Versuchsreihe nach DIN EN ISO 12572 durch. Hierzu verwendete er einen mit Salzlösung befüllten Glasbehälter, auf den ein Doppelstehfalzblech rundum dicht aufgeklebt war. Es gab fünf Prüfbehälter mit Stehfalzen die einmal ohne und viermal mit unterschiedlichen Falzdichtungen versehen waren. Knapp vier Wochen lang wurde der Behälter gewogen um den Gesichtsverlust durch Verdunstung zu ermitteln. Fazit der Versuchsreihe war die Erkenntnis, dass der sd-Wert der Doppelstehfalzeindeckung von vielen Faktoren abhängig ist:

Scharbreite (umso kleiner die Scharbreite, desto kleiner der sd-Wert der Doppelstehfalzeindeckung),

Art der Falzdichtung (ohne, Falzband/Falzbandmaterial, Falzgel, etc.),

Herstellung der Scharen (gekantet/profiliert)

Geschlossenheit des Doppelsteh-falzes (mittels Werkzeug oder maschinell)

Ferdinand Grotzke zeigte mit seiner Arbeit auf, dass Doppelstehfalzeindeckungen, ungeachtet ihrer Ausführung, nicht mit einem einheitlichen sd-Wert deklariert werden sollten.

Bau- und Abbruchabfälle trennen

Rüdiger Weiß, Geschäftsführer des Verband der Bayerischen Entsorgungsunternehmen e. V. (VBS) informierte über die relevante Änderungen der Gewerbeabfallverordnung, die eine Erhöhung der getrennten Erfassung und eine Stärkung des Recyclings zum Ziel haben. So galt beispielsweise die Getrenntsammlungspflicht bisher nur für Glas, Kunststoff, Metalle einschließlich Legierungen, Beton, Ziegel, Fliesen und Keramik. Neu hinzugekommen sind die Baustoffe Holz, Dämmmaterial, Bitumengemischen sowie Baustoffe auf Gipsbasis. Bei einer Bau- oder Abbruchmaßnahme ab zehn m3 Abfälle, ist eine Dokumentation erforderlich.

Kulturerbe saniert

Mit Abbrucharbeiten hatte auch Klempnermeister Jörg Kleinfeld aus Kiel zu tun. Er berichtete von der sehr aufwändigen und klempnertechnisch herausfordernden Sanierung des Wikingermuseums Haithabu, eines der bedeutendsten archäologischen Museen Deutschlands. Extreme Feuchteschäden an der Holzkonstruktion aufgrund bauphysikalischer Probleme und Undichtheiten am alten Bleidach, erforderten eine grundlegende Sanierung.

Klaus Siepenkort

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in klempner magazin 01.2019.

Letzte Aktualisierung: 20.12.2018