Ein Fall für zwei

Klempnerwerkstatt: Großprojekte zählen für die Flaschnerei Matthias Schmidt zum Tagesgeschäft. Wir zeigen Ihnen, wie der Flaschnermeister aus Großbottwar bei Stuttgart seine Baustellen mit nur einem Klempnergesellen bewerkstelligt.

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Die erste Biegemaschine tauschte Matthias Schmidt bereits gegen eine neue, leistungsfähigere Sechs-Meter-CNC-Biegemaschine, die drei Millimeter dickes Stahlblech biegen kann. Foto: Siepenkort

Matthias Schmidt absolvierte 1991 seine Flaschnermeisterprüfung an der Robert-Mayer-Schule in Stuttgart und machte sich 1995 selbstständig. Er startete mit seinem Unternehmen zunächst allein in einer kleinen angemieteten Werkstatt und beschäftigte nach fünf Jahren bereits sieben Mitarbeiter. Mit dem stetig gestiegenen Auftragsvolumen und seinen individuellen Erfahrungen, die er in diesem Zeitraum gewonnen hatte, stellte er mit dem Bau einer 500 Quadratmeter großen Fertigungshalle sein Unternehmenskonzept komplett um. Sein Ziel war es, mit einem kleinstmöglichen Personalstamm Metallarbeiten an Dach und Fassade durchzuführen. Als Größenordnung hatten sich Aufträge ab 50.000 Euro für den Flaschnermeister als wirtschaftlich und gut handhabbar erwiesen; kleinere Projekte sind heute die Ausnahme. Die Fertigungshalle, mit einem Grundriss von 25 × 20 Metern und einem angrenzenden Wohn- und Bürogebäude, errichtete er bis auf den Rohbau zum größten Teil in Eigenleistung. Die neue Halle bot genug Platz, ein Werkstattkonzept zu realisieren, bei dem mit wenig Personal auch große Mengen Metallprofile für die jeweiligen Bauvorhaben produziert werden können. Sie bietet genug Raum, um die projekbezogenen Materialien zwischenzulagern und Fahrzeuge ungehindert und wettergeschützt zu be- und entladen. Unterstützt wurde Matthias Schmidt dabei von René Engelhardt, der sich mit seinem Handelsunternehmen auf die Einrichtung von Klempnerwerkstätten spezialisiert hat. Eine der ersten Investitionen bestand in einer sechs Meter langen Langbiegemaschine, mit der Schmidt sein Unternehmen in die Lage versetzte, die notwendigen Bauprofile rationell zu fertigen. Durch die großen Profillängen spart er zudem viele Verbindungsnähte ein und somit teure Montagezeiten auf der Baustelle.

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Fünf Messerpaare der Spaltanlage sorgen für rationelle, verschnittoptimierte Zuschnitte. Um Blechcoils problemlos tauschen und vor die Maschine positionieren zu können, verwendet Schmidt modifizierte mobile Abwickler auf stabilen Rollen. Foto: René Engelhardt

1.000 Meter Blech pro Stunde

Das erste Maschinenmodell tauschte der Flaschnermeister bereits gegen eine neue, leistungsfähigere CNC-Biegemaschine ein. Mit einer modernen Touchscreen-Steuerung ruft er aus einem umfangreichen Profilkatalog Standardprofile ab und biegt beispielsweise jetzt auch Stahlbleche für Unterkonstruktionen bis drei Millimeter Dicke. Die erforderlichen Zuschnitte erfolgen verschnittoptimiert mit einer elektronisch gesteuerten Längs-/Querteil- und Richtanlage. "Durch die fünf Messerpaare der Spaltanlage können wir beispielsweise in nur einer Stunde etwa tausend Meter Einlaufbleche zuschneiden mit nur einer Person. Um Blechcoils problemlos tauschen und vor die Maschine positionieren zu können, haben wir unsere Abwickelhaspeln modifiziert und mit stabilen Rollen ausgerüstet. Außer unserer Sechs-Meter-Biegemaschine und der Spaltanlage stehen die meisten Maschinen auf Rollen, wie auch unsere Segmentbiegemaschinen und Arbeitstische. Größtmögliche Flexibilität bei den Fertigungsprozessen war ein wichtiges Ziel im Werkstattkonzept", so Matthias Schmidt.

Für die Scharenfertigung und deren Endbearbeitung investierte Schmidt eine moderne Profilieranlage. Sie besitzt eine elektronische Längenmessung und eine hydraulische Segmentmessertrennung, so dass die Scharen gleichzeitig profiliert und passend abgelängt werden können. Die Endbearbeitung, wie Traufausbildungen oder Kopfkantungen, erfolgt mit einer Ausklinkeinheit für Falzausklinkungen an Scharen sowie mit zwei Segmentbiegemaschinen. Zum Anpassen der Scharen an runde Dachformen dient eine spezielle Rundbogenmaschine.

Ein weiterer Arbeitsbereich in der Fertigungshalle dient der Vorbereitung von Einzel- oder Sonderbauteilen, wie beispielsweise individuelle Einlauftrichter für Dachentwässerungen, Gehrungen von Profilen oder Unterkonstruktionen. Für diese Arbeiten stehen verschiedene Schweißanlagen, Gehrungssägen sowie Biegegeräte, Stanzen und eine Ausklinkmaschine bereit.

Den vollständigen Artikel lesen Sie im klempner magazin Ausgabe 2|2010.

Letzte Aktualisierung: 02.12.2015