Ein Holländer im neuen Gewand

Endlich haben wir Ruhe. Das müssen die Seufzer von Peter und Margarete Ubbenjans gewesen sein, als das Gerüst fiel. Die Klempnerarbeiten waren endlich beendet und ihre alte Mühle nun für Jahrzehnte vor Wind und Wetter geschützt, vor allem wartungsfrei. Das war nicht immer so.

Ostermühle, Sanierung
„Es ist viel schöner geworden, als ich es mir vorgestellt habe“, freut sich Peter Ubbenjans (Mitte). Max Renz (links) und Alexander Reis blicken auf eine erfahrungsreiche Zeit an der Ostermühle zurück. Alle Fotos: R&R Spenglerei Bedachung

Das Emsland ist – oder besser – war das Land der Windmühlen. Zum Glück gibt es Liebhaber, die sich um dieses Kulturgut kümmern und dafür sorgen, dass sie im Landschaftsbild erhalten bleiben. Hierzu zählen auch Peter und Margarete Ubbenjans mit ihrem knapp 190 Jahre alten „Erdholländer“. Es handelt sich hierbei um eine Mühle mit drehbarer Kappe – wenn sie noch in Betrieb ist. In Holland wurde dieser Mühlentyp hauptsächlich als Windpumpe zur Entwässerung der Polder eingesetzt, in Norddeutschland zum Getreidemahlen. Die „Ostermühle Börger“ der Ubbenjahns hat Geschichte: „Als Müller Albert Krömer 1822 seinen Traum von einer Windmühle wahr machen wollte, musste er auf eine Genehmigung noch lange warten.

Das Königliche Kabinett lehnte seinen Antrag zunächst mit der Begründung ab, ein „Überangebot“ von Mühlen in der Region verhindern zu wollen. Erst die Unterstützung Krömers durch den Amtsvogt in Sögel brachte schließlich die lang ersehnte Wende und der Bau der Mühle wurde im Oktober 1831 genehmigt. Bis 1947 wurde die Ostermühle, die ihren Namen aufgrund ihrer geografischen Lage östlich von Börger trägt, noch mit Windkraft betrieben, danach stellte der damalige Müller und Eigentümer Bögemann auf elektrischen Antrieb um. Im Jahr 1958 folgte dann aber die endgültige Stilllegung der Mühle. Sie war seitdem nicht mehr funktionstüchtig, aber zum Glück nicht dem Verfall preisgegeben.

Schon ein Jahr nach der Einstellung des Mahlbetriebes kaufte Anton Ubbenjans das Gebäude und richtete es innerhalb von zehn Jahren zu einer „Wohnmühle“ her. Heute befindet sich der Erdholländer, der seit 1992 flügellos ist, im Besitz seines Sohnes, Peter Ubbenjans.

Von Eichenholz bis Aluminium

Ursprünglich war die Windmühle mit achteckigem Grundriss mit handgespaltenen Eichenholzschindeln gedeckt. In späteren Jahren erfolgten Ausbesserungen mit gesägten Holzschindeln und notdürftig angenagelten Blechplatten.

Eine vollständige Neudeckung mit Bitumenschindeln brachte kurzeitig etwas Ruhe in die Reparaturhistorie. Doch häuften sich mit den Jahren erforderliche Ausbesserungsarbeiten und zum Teil auch Feuchteschäden durch abgetragene Schindeln. Immerhin steht eine Windmühle typischerweise im Wind und ist im freien Küstenland extremen Wetterlagen ausgesetzt.

Die Ubbenjans suchten nun nach einer Lösung, die zum einen langlebig ist und zum anderen den historischen Charakter des Bauwerks erhält. Wer suchet der findet: Eher zufällig geriet der Mühlenbesitzer an Spenglermeister Alexander Reis aus Westoverledingen. Wie, das schildert der Geschäftsführer der R&R Spenglerei Bedachung selbst: „Wir führten im Örtchen Börger Spenglerarbeiten aus, als ein Bekannter des Bauherrn mit seinem Auto vorfuhr. Er fragte, ob wir Interesse hätten, uns die Börger Mühle einmal anzuschauen. Vielleich hätten wir ja eine Idee, wie man sie dauerhaft wetterfest eindecken könne. Natürlich haben mein Kollege und Dachdecker Max Renz und ich uns die Zeit genommen und die schöne aber sanierungsbedürftige, zwölf Meter hohe Ostermühle inspiziert. Herr Ubbenjans hatte den Wunsch, zunächst die acht Seitenflächen der Mühle, den sogenannten Achtkant, neu eindecken zu lassen. Nach optischer Analyse der beschädigten und sehr alten Bitumenschindeleindeckung war für mich gleich klar, eine klassische Rautenschindel aus farbbeschichtetem Aluminium anzubieten.

Klaus Siepenkort

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in Ausgabe 08/2020 KlempnerMagazin.

Letzte Aktualisierung: 17.11.2020