Ein Vorhang für das Theaterlabor

Ist dieses Architekturhighlight der Stadt Gießen noch Klempnertechnik? Eindeutig ja! Was im ersten Blick handwerklich problemlos erscheint, entpuppte sich als hochgradig komplexe Baukonstruktion mit einer Vielzahl an Details. Genau das richtige für Klempnermeister Mike Fleischer.

Firma Fleischer, Metallfaszinationen aus Neuhaus am Rennsteig
Die Aufgabe zu dieser gelungenen Übersetzung einer Architekturidee in die handwerkliche Ausführung erhielt die Firma Fleischer Metallfaszinationen aus Neuhaus am Rennsteig. Foto: RALF DIETER BISCHOFF

Die Justus Liebig Uni Gießen bietet Bachelor- und Masterstudiengänge für Angewandte Theaterwissenschaft, Choreographie und Performance an. In allen drei Studiengängen sind wissenschaftliche und künstlerische Praxis gleichermaßen Teil des Studiums. In Seminaren, Lektürekursen und Übungen werden wissenschaftliche Problemstellungen untersucht, in Szenischen Projekten, praktischen Kursen und Workshops künstlerische Ansätze erprobt. Rund 20 Jahre stand den Studierenden für die praktischen Kurse eine provisorische Probebühne zur Verfügung. Sie wurde mit der Zeit zu klein und entsprach nicht mehr den heutigen technischen Anforderungen. Da diese Anforderungen im Rahmen einer Sanierung des Bestandes nicht zu erfüllen waren, entschied sich die Uni Gießen für die Errichtung eines Neubaus mit modernster Bühnentechnik. Das Projekt konnte im Rahmen des Hochschulentwicklungs- und Umbauprogramms „Heureka“ des Landes Hessen realisiert werden. Für die prominente Platzierung des neuen „Theaterlabors“ in unmittelbarer Nähe der Gießener Innenstadt, lobte das Land Hessen als Bauherr einen Architekturwettbewerb zur Gestaltung des neuen Bauwerks sowie der umgebenden städtischen Freiflächen aus. Zur Umsetzung kam der Entwurf der Projektpartner hjp-architekten Würzburg sowie Lützow7 Landschaftsarchitekten und itv aus Berlin, mit dem sie als Sieger aus dem Wettbewerb hervorgingen.

Vorhang als Leitidee

Ihre erste Inspiration zum Neubau des „Theaterlabors“ und zur Gestaltung des Campuskarrees Gießen war ein klassisches Bild Piet Mondrians. Das Tableau No.I von 1921 zeigt ein Nebeneinander verschiedenster Flächen in verschiedenen Qualitäten und Größen, strukturiert durch breite schwarze Linien und Felder. Die Achsen und Linien leiten in das Gebiet mit Grünflächen und Spielplatz hinein und verbinden die Universität mit den umliegenden Gebäuden, der Innenstadt bis hin zum Bahnhof. Die Leitidee der hjp-architekten zur Gestaltung des Gebäudes war ein Theatervorhang. „Er verdeckt und verhüllt die Bühne, macht neugierig, lädt ein und öffnet sich.

Der Bühnenturm, als Kernstück ist erhöht und schimmert golden. Umhüllt wird er wie durch einen schweren Vorhang von einer schwarzen Fassade aus profiliertem Metall. Doch die Bühne schimmert durch die perforierte Fassade, tritt an manchen Stellen heraus, ragt darüber hinaus“, so der Einreichungstext zum Architekturwettbewerb.

Aufgabe außerhalb des Klempneralltags

Die Aufgabe zur Übersetzung des Architekturtextes in die handwerkliche Umsetzung erhielt nach europaweiter Ausschreibung die Firma Fleischer Metallfaszinationen aus Neuhaus am Rennsteig. Wie komplex die Bauaufgabe werden sollte, erahnte Klempnermeister Mike Fleischer bereits beim Studium der ersten Entwurfsskizzen.

Diese zeigen ein störungsfreies, homogenes Gesamtbild der Außenhülle mit verschieden Gestaltungsebenen, die sich in Bereichen überlagern. Die Umsetzung erfolgte mit trapezförmig „gefalteten“ Sonderprofiltafeln in zwei Varianten: aus gelochtem, bandbeschichtetem Aluminium im RAL-Ton 7021 „Schwarzgrau“ mit 50 % Lochanteil sowie aus goldfarbenem, rostfreiem Edelstahl. Anders als beim Aluminium handelt es sich hierbei nicht um eine Beschichtung, die Färbung entsteht in einem elektrochemischen Prozess.

Klaus Siepenkort

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in Ausgabe 08/2020 Klempner Magazin.


Baustoffe für Dach und Wand

Das Standardwerk behandelt Herkunft, Herstellung, Eigenschaften und Anwendungsmöglichkeiten der verschiedenen Werkstoffe. Insbesondere im Bereich der Aus- und Weiterbildung ist der Titel ein unentbehrliches Hilfsmittel und entspricht dem aktuellen Rahmenlehrplan des Dachdeckerhandwerks.

Letzte Aktualisierung: 11.11.2020