Eine Schale für die Zwiebel

Sein Meisterstück baut man idealerweise nur einmal. Grund genug, sich viele Gedanken bei der Auswahl zu machen – wie beispielweise Jung-Klempnermeister Timo Mayer. Nach langen Überlegungen entschied er sich für eine Zwiebelturmdeckung, die nahezu alle Klempnertechniken vereint.

Serie Meisterstücke Zwiebelturm Timo Mayer
Timo Mayer: „Die Kosten für die Umsetzung waren zwar recht hoch, aber ich habe viele Klempnertechniken vertieft oder neu erlernt. Die Entscheidung für den Zwiebelturm war goldrichtig.“ Foto: Spenglermeisterschule Würzburg

Der berufliche Werdegang des 26-jährigen Klempnermeisters Timo Mayer ist kein Einzelfall. Er startete 2006 zunächst mit einer Ausbildung zum Anlagenmechaniker SHK in seinem Heimatort Sonnenbühl und schloss diese im Februar 2010 erfolgreich ab. Schon während der Ausbildung und in der anschließenden Gesellenzeit gab es immer wieder kleinere Spenglerarbeiten, die ihm Spaß machten. Und dies so viel, dass er sich kurzerhand entschloss, noch eine Klempnerausbildung anzuhängen. „Bei der Suche nach einem geeigneten Ausbildungsbetrieb stieß ich auf die Spenglerei Kling in Oberstdorf im Allgäu, bei der ich daraufhin meine zweite Ausbildung absolvierte. Diese schloss ich mit Lehrzeitverkürzung bereits nach zwei Jahren im Juli 2014 erfolgreich ab. Nach dieser Ausbildung war ich vollends überzeugt davon, dass Klempner/Spengler der richtige Beruf für mich ist“, berichtet Timo Mayer. Zwei Gesellenjahre später wuchs der „Hunger“ und er entschied sich, auch noch einen Meisterlehrgang zu absolvieren. „Doch vorher wollte ich noch einmal neue Erfahrungen sammeln, so zog es mich wieder ins Allgäu zurück, zur Flaschnerei Huber in Kißlegg. Wolfgang Huber hat so viele denkmalgeschützte und sogar geschmiedete Kupferdächer aus dem 18. Jahrhundert mit den alten Techniken fach- und handwerksgerecht saniert, dass ich bei ihm unglaublich viel dazulernen konnte. Dies war meine ideale Vorbereitung – nicht nur für den Meisterlehrgang“, ergänzt der Herzblutklempner. Zur Vorbereitung auf die Meisterprüfung meldete er sich bereits 2015 an der Spenglermeisterschule Würzburg an und absolvierte den Jahrgang 2016/2017 mit 15 anderen Kollegen aus dem Klempner-, Zimmerer- und Dachdeckerhandwerk. Schon früh wurde an der Idee und am Entwurf des Meisterprojekts gefeilt.

Meisterstück zum Stauchen und Strecken

Hierbei erinnerte er sich an eine beeindruckende Klempnerarbeit, die er in seiner Lehrzeit durch Zufall im Vorbeifahren sah. Es handelte sich um einen wunderschönen Zwiebelturm, der gerade mit Kupfer eingedeckt wurde. „Als sich meine Augen darauf richteten, war ich gleich begeistert, was es für tolle Bauwerke gibt und was Klempner und Spengler eigentlich leisten können. Ich fragte mich, wie diese Rundungen und Querfalze wohl hergestellt werden. Am darauffolgenden Tag erklärte mein Ausbilder mir alle Techniken zur Herstellung des Zwiebelturmes. Er brachte mir mit einem Eckold-Kraftformer das Stauchen und Strecken des Bleches sowie die Herstellung der verschiedenen Querfalze bei. Bei diesen Formarbeiten wurde mir klar, warum komplizierte Dächer am besten mit Metall gedeckt werden. Zu meinem größten beruflichen Wunsch zählte ab diesem Moment, einmal beim Eindecken eines Zwiebelturms dabei zu sein. Dies ging dann im Juni 2016 in meiner Zeit bei der Firma Huber endlich in Erfüllung. Kein Wunder also, dass ich mich bei meinem Meisterstück für einen Zwiebelturm entschieden habe und das Projekt nun allein planen und ausführen konnte. Mit dem Dachmodell konnte ich gleichzeitig Baupraxis und Kunsthandwerk des Klempners zeigen – denn dies stellt ein Zwiebelturm ja dar“, schildert Timo Mayer.

In seiner Dokumentation, die er für das Meisterstück erstellen musste, beschäftigte er sich auch mit der Historie dieser Dachform. Er recherchierte, dass die ersten Zwiebeltürme 1525 an der Frauenkirche in München errichtet wurden. Der zweite Zwiebelturm entstand 1576 in Augsburg.

Klaus Siepenkort

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