Fassade im Raster

Der Erweiterungsbau des Annette-Gymnasiums in Münster erhielt eine moderne Fassadenbekleidung aus vorpatiniertem Titanzink. Wir zeigen Ihnen die Details, vom Traggrund bis zum Knick in der Metalloberfläche.

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Durch den Trick mit dem Fassadenknick hielt Architekt Kleffner die geforderten Abstandsflächen ein und durfte das Gebäude direkt bis an die Grenze des Gehwegs bauen.Foto: Siepenkort

Für die Schulen in Münster wird etwas getan: Wo vor einem Jahr noch die Archäologen mit wachsender Begeisterung nach historischen Mauerresten gegraben haben, steht jetzt ein lang ersehnter Erweiterungsbau für das Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium. Das dreigeschossige Gebäude bietet den Schülern und dem Lehrpersonal sechs zusätzliche Klassenräume, ein neues Lehrerzimmer, eine Bibliothek sowie verschiedene Fach- und Mehrzweckräume. Im Untergeschoss ist jetzt viel Platz für die Übermittag-Betreuung und eine neue Küche. Der Erweiterungsbau, der für mehr als vier Millionen Euro errichtet wurde, gibt dem beliebten fünfzügigen Gymnasium in Münsters Innenstadt heute die dringend notwendigen räumlichen und fachlichen Möglichkeiten.

Die Gestaltung des neuen Schulgebäudes passte Architekt Diplomingenieur Eberhard E. Kleffner an der Schulhofseite der vorhandenen Bebauung an und verwendet hier rotes Verblendmauerwerk. Die Außenwand an der parallel verlaufenden Schützenstraße erhielt eine moderne Metallfassade aus vorpatiniertem Titanzink. "Um das Raumproblem des Gymnasiums zu lösen, spielten wir in den ersten Planungsaktivitäten zahlreiche Varianten durch. Letztendlich ergaben sich Grundriss und Form des neuen Gebäudes aus den effizient nutzbaren Freiflächen, den städtebaulichen Maßgaben sowie dem zur Verfügung stehenden Budget. So konnten wir beispielsweise nur mit dem Fassadenknick, beziehungsweise der Dachneigung von 69 Grad, die geforderten Abstandsflächen einhalten und das Gebäude direkt bis an die Grenze des Gehwegs bauen. Bei einer Neigung ab 70 Grad hätten wir Flächen für den erforderlichen Lichteinfall in die Schützenstraße schaffen müssen dies hätte bedeutenden Raumverlust für den Anbau ergeben und die Realisierung des Projektes wäre nicht möglich gewesen.

Als die Formgebung in Zusammenarbeit mit dem Bauherrn, dem Amt für Gebäudemanagement der Stadt Münster, geklärt war, haben wir uns sehr schnell für eine Ausführung mit grau vorbewittertem Titanzink in Stehfalztechnik entschieden. Das Gebäude wirkt hiermit sehr modern und die Metalloberfläche hat von Beginn an eine geringe Reflexion. Somit werden die Anwohner der Wohnbebauung auf der anderen Straßenseite nicht geblendet, wie dies in der Anfangsphase der Freibewitterung bei walzblankem Titanzink der Fall sein kann. Zudem wirkt die patinierte Oberfläche sehr homogen und hochwertig", erklärt Eberhard Kleffner sein architektonisches Konzept.

Metall schlägt Holz

Den Auftrag für die Ausführung der Fassadenbekleidung erhielt der Münsteraner Klempner-Fachbetrieb Goddemeier e. K. Das Unternehmen hat sich mit der Spezialisierung auf die Fassadentechnik, neben der Metalldachdeckung, ein umsatzstarkes Tätigkeitsfeld geschaffen. Aus den gewonnenen Erfahrungen im Neubau und bei energetischen Sanierungen großer Bauvorhaben überzeugte Michael Goddemeier Planer und Bauherrn, anstelle der ursprünglich vorgesehenen Unterkonstruktion aus Holz ein System aus Metall einzusetzen. "Die von uns vorgeschlagene vorgehängte hinterlüftete Metallunterkonstruktion bedeutete einen geringeren statischen Aufwand, einhergehend mit einem erheblich leichteren und geringeren Konstruktionsaufbau. Immerhin mussten 300 Millimeter Dämmung in die Konstruktion integriert werden. Um dies zu realisieren, wären enorme Mengen Bauholz und Stahl für Konsolen sowie teure Befestigungsmittel erforderlich gewesen. Zudem konnten wir mit der bauphysikalisch hochwertigen Fassadenkonstruktion aus Metall auch alle Anforderungen an den Brandschutz problemlos erfüllen. Im Vergleich zu einer Holzkonstruktion war dies eine erhebliche Kostenersparnis", erläutert Goddemeier. Nach Angabe des Architekten waren die Kosten für die Metallunterkonstruktion im Vergleich etwa vierzig Prozent geringer.

Die vorgehängte, hinterlüftete Fassade (VHF) ist ein mehrschichtiges Fassadensystem, bei dem die tragende Außenwand eine Vorsatzschale als Wetterschutz erhält. In diesem Fall kam als Wetterschutzebene eine vorpatinierte Titanzinkbekleidung im Winkelstehfalzsystem bei vertikaler Anordnung der Scharen zur Ausführung. Als Unterstützung, beziehungsweise Deckunterlage der Zinkbekleidung, diente ein vollflächig, horizontal verlegtes Trapezblech. Da die Fassade etwa auf Traufhöhe der benachbarten Wohnbebauungen um 31 Grad abknickt, konnte die Trapezblech-Vorsatzschale somit problemlos angeformt werden.

Die Vorsatzschale wird durch die Fassadenunterkonstruktion auf Abstand zur massiven Außenwand gehalten. Durch Wind und den thermischen Auftrieb erwärmter Luft findet ein Luftaustausch statt, der den Abtransport der Baufeuchte im vorgesehenen Belüftungsraum bewirkt. Durch die Trennung der trag- und raumabschließenden Funktion von den Funktionen Wetterschutz und Wärmedämmung mit der zwischenliegenden Belüftungszone wird eine baupysikalisch sehr wirksame Konstruktion geschaffen.

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Während sich ein Montageteam mit den Trapezblecharbeiten beschäftigte, startete ein zweites Team im Nachgang mit der Montage der Titanzinkbekleidungen. Erst nachdem alle Arbeiten erledigt waren, entfernten die Klempner kurz vor der Gerüstdemontage die Schutzfolie. Foto: Goddemeier

Der Trick mit dem Knick

Bevor die Montage einer Fassadenbekleidung erfolgen kann, ist zunächst eine gewissenhafte Planung erforderlich. So ließ Michael Goddemeier für die Unterkonstruktion im ersten Arbeitsschritt die erforderlichen statischen Berechnungen auf Grundlage der Architektenpläne erstellen. Als Ergebnis dieser Berechnungen erhielt der Klempnermeister einen Montageplan, aus dem die Anordnung sämtlicher Haltepunkte, Fensterleibungen und Trennstellen für die thermische Längendehnung der Konstruktion hervorging. Auch die Angaben der zu verwendenden Befestigungsmittel waren in den Berechnungsunterlagen enthalten. Nach der Lieferung der Konstruktionsbauteile setzten die Klempner in der Montagefolge zunächst die Halter und verlegten die zweilagige, 300 Millimeter dicke Steinwolle-Dämmung. Anschließend mussten die vertikal angeordneten Winkelprofile zur Befestigung der Trapezbleche auf die Halteclips gesteckt, per Schnur und Laser ausgerichtet und abschließend fixiert werden. Diese Arbeiten führten die Klempner besonders präzise aus, da sich hierbei entstehende Unebenheiten nachträglich kaum ausgleichen lassen und optische Beeinträchtigungen der Metalloberfläche verursachen.

Die Montage der Trapezbleche war anschließend schnell erledigt. Nur in einem Bereich des Gebäudes mit gerundeter Außenwand mussten die Profile mit etwas größerem Aufwand segmentförmig angebracht werden.

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in klempner magazin Ausgabe 2|2010.

Letzte Aktualisierung: 28.01.2011