Französische Deckung und schwäbische Traufen

Die alte Deckung aus verschiede­n­en Blechen und Holzschindeln der Pfarrkirche ­Hittisau war weder dicht noch sturmsicher. Nach der ­umfassenden Dach- sanierung sorgt heute ein wenig bekanntes, aber klempnertechnisch passendes ­Deckungssystem für den langlebigen Schutz des Bauwerks.

Zwiebelturm Französische Deckung
Ganz kurz glänzte das Wahrzeichen über Hittisau, bis sich die typische mattbraune Patina auf der Französischen Kupferdeckung bildete. Vorteil der Deckungsart für Turmzwiebeln ist, dass der horizontale Falz durchläuft und somit besser gegen auftreibendes ­Wasser geschützt ist. Fotos: Ulrich Heinzle GmbH & Co. KG

Die Pfarrkirche Hittisau ist die drittgrößte Kirche in Vorarlberg. Sie wurde 1843 bis 1845 im klassizistischen Baustil errichtet und bildet heute das Zentrum und Wahrzeichen im Ort. Der Turm hat eine Höhe von 57 Metern und besitzt wegen seiner Form einen sogenannten „Zwiebelhelm“ mit Dachlaterne und Spitzturm. Die ursprüngliche Deckung aus Holzschindeln wurde in der Nachkriegszeit saniert, da sie stark verrottet war. Der obere Bereich der Zwiebel erhielt eine Kupfer-Tafeldeckung, jedoch ohne einen fachgerechten Traufenabschluss mit Abtropfkante – die Scharen wurden am Übergang glatt abgeschnitten und lediglich mit „Heraklithnägeln“ mit großem Kopf angenagelt. So war auch der untere Bereich wieder der vollen Witterung und dem gesamten anfallenden Niederschlagswasser ausgesetzt. Der Turmsockel wiederum erhielt ebenfalls eine Tafeldeckung, jedoch aus verzinktem Stahlblech. Mit der Zeit verfaulten zahlreiche Schindeln, sodass Wasser in die Dachkonstruktion gelangte und dort Schäden verursachte. Auch die Stahlblechdeckung am Turmsockel war an zahlreichen Stellen korrodiert, sodass eine erneute, jedoch diesmal grundlegende Dachsanierung nach dem heutigen Stand der Technik durchgeführt werden sollte – ohne ­jedoch Denkmalschutz außer Acht zu ­lassen. Der ehemalige KME-Fachberater und Kupferexperte Berthold Zürn wurde schon bereits in die Vorplanungsphase von der Pfarrgemeinde und dem Bischöflichen Bauamt mit einbezogen.

Querfalz mit Treibwasserschutz

Gewünscht war aus Gründen des Denkmalschutzes eine Französische Deckung. „Der Planer beim Bauamt hatte in Lan­genwang im Allgäu eine Kapelle mit einer besonderen Deckung gesehen, die nach seiner Ansicht historisch passend für den Turm sei. Ihm wurde mitgeteilt, dass es sich um eine Französische Deckung handelt. So gelangte dieser Begriff in Vorgespräche. Die fachliche Recherche zu diesem Deckungssystem ergab, dass es mit kleinen Optimierungen durch die Kleinteiligkeit eine sehr gute Lösung für die ein- und ausgeschwungene Zwiebelform war“, schildert Berthold Zürn.

Die Französische Deckung unterscheidet sich zur normalen vertikalen Stehfalzdeckung in ihrer starken horizontalen Struktur. Im Merkblatt Turmdeckung der Klempnerfachregeln des ZVSHK wird sie auch als Querfalzdeckung erwähnt. Aufgrund gestalterischer Vorgaben, beispielsweise des Denkmalschutzes, kann dieses Verbindungssystem bei der Deckung von gekrümmten Flächen angewendet werden.

Zwiebelturm Französisch 2
Die Französische Deckung unterscheidet sich zur normalen vertikalen Stehfalz­deckung in ihrer starken horizontalen Struktur.

Berthold Zürn/Klaus Siepenkort

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in klempner magazin 04.

Letzte Aktualisierung: 07.06.2016