Gemeindehaus mit Spitze

Vor Kurzem bezogen die Verwaltungsabteilungen von Unterengstringen bei Zürich ihr neues Gemeindehaus mit einer außergewöhnlichen Fassadenkonstruktion. Die speziell zugeschnittenen Aluminiumschindeln der Firma Scherrer wirken an der Gebäudehülle wie ein Spitzenvorhang.

Gemeindehaus mit Spitze
Der Neubau hat die Gestalt der Scheune, die früher an diesem Ort stand. Wie ein Spitzenvorhang schmiegt sich die Hülle aus Aluminium um den Baukörper. Foto: Scherrer Metec AG

Monumentale Formen und extravagante Fassaden sind typisch für Bauten der Schweizer Architektin Tilla Theus. Prestigeprojekte wie das Fifa-Hauptquartier oder der Umbau des Hotels Widder in Zürich haben internationale Bekanntheit erlangt. Das Architekturbüro Tilla Theus und Partner AG ist unter anderem spezialisiert auf die Projektierung und Ausführung von Neubauten in städtebaulich anspruchsvollem Kontext, Umbauten sowie auf Sanierungen von denkmalgeschützten Objekten. Eine besondere und extravagante Gebäudehülle war auch für den Neubau des Gemeindehauses gewünscht, sodass der Gemeinderat dem Entwurf der kreativen Planerin folgte: Wie ein Spitzenvorhang wirkt die äußere Hülle mit ihren Ausschnitten um den markanten Baukörper und greift die Form der ehemaligen Scheune an diesem Standort auf. Die zweite Ebene der Fassadenkonstruktion schimmert rot durch die Ausschnitte und lässt die ovalen Schatten der Fenster erkennen. „Das neue Gemeindehaus ist kein 08/15-Bau, weil wir keine 08/15-Gemeinde sind und Tilla Theus keine 08/15-Architektin ist“, freute sich Gemeindepräsident René Rey in seiner Einweihungsrede über den neuen Verwaltungssitz. Seit dem Sommer 2017 prägt das Gebäude den historischen Dorfkern von Unterengstringen. Wer genauer hinschaut, erkennt, dass die Fassade mehr ist als verspielter Blickfang. Sie verschafft dem Haus Identität, denn die Ausschnitte in der Fassade sind als Pflugscharen und Rebmesser geformt – die beiden Wappenzeichen der Gemeinde. Bei der Gestaltung der tragenden Elemente musste sich die Architektin zwar stark an amtliche und physikalische Gesetze halten, dafür verfügte sie im Design der Fassade über großen Gestaltungsspielraum.

Die Technik folgt der Architektur


Zunächst entwarf die Architektin Schnitt und Form des Baukörpers und der Fassade. Anschließend brauchte es einen Partner, der sich um die Planung, Technik und Umsetzung kümmerte – sozusagen den Schneider, oder besser: den Spengler. Für die Realisierung einer so außergewöhnlichen Gebäudehülle wie in Unterengstringen waren Erfahrung, Fachwissen und Erfindergeist gefragt. Tilla Theus entschied sich für die Zusammenarbeit mit der Scherrer Metec AG, einem Schweizer Traditionsunternehmen mit über 120 Jahren Erfahrung in Fassaden- und Metalltechnik, und bezog das Unternehmen bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt in die Planung ein. „Das ist wichtig, denn genügend Zeit für die Vorbereitung ist äußerst wertvoll. Werden alle Möglichkeiten von Anfang an durchdacht und Hürden und Gefahren frühzeitig erkannt, verläuft die Bauphase unproblematisch. Nur so können Termin- und Budgetplan eingehalten werden“, so Tilla Theus.
1896 als Bauspenglerei begonnen, entwickelte sich Scherrer Metec mittlerweile zu einem Gesamtanbieter komplexer Gebäudehüllen. 2015 wurden zudem die Bereiche Holzbau und Photovoltaik angegliedert.

Die rund 80 spezialisierten Mitarbeiter der jeweiligen Abteilungen planen, konstruieren und montieren heute komplette Dach- und Fassadenkonstruktionen sowie vollintegrierte Fotovoltaiksysteme. „Aber auch die klassische Bauspenglerei ist bei uns nicht verloren gegangen. Wir restaurieren ebenso historische und denkmalgeschützte Gebäude einschließlich ihrer Bauornamente aus Metall“, informiert Daniel Hunziker, diplomierter Spenglermeister und Geschäftsleiter der Abteilung Bauspenglerei: „Beim Bau in Unterengstringen galt es, nicht nur kreative Ideen der Architektin umzusetzen, sondern auch die Funktionalität hinsichtlich Nachhaltigkeit, Wetterschutz und Energieeffizienz sicherzustellen. Nach Überlegungen, welcher Werkstoff für die architektonisch gestaltete Gebäudehülle am besten zur Ausführung geeignet ist, fiel die Entscheidung zugunsten farbeloxierten Aluminiums.“


Als Farbton für die äußeren Flächen wählte die Architektin dunkelbraun eloxiertes Aluminium; der Farbton entspricht in etwa der Oberfläche von Kupfer nach den ersten Monaten in der Freibewitterung, er bleibt jedoch dauerhaft erhalten. Den Kontrast hierzu sollte die durchschimmernde Oberfläche der Wetterschutzebene mit einem roten Farbton geben.


Klaus Siepenkort


Den kompletten Beitrag lesen Sie in klempner magazin, Ausgabe 8.2017.