Hauptsache trocken!

Am Jubiläumstag des Europäischen Klempner- und Kupfer­schmiedemuseums trafen sich die Landesvertreter der Bundes­-fachgruppe Klempnertechnik in Karlstadt. Abdichtungen und Holz-Unterkonstruktionen waren die Schwerpunktthemen.

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Bundesfachgruppenleiter Ulrich Leib (vorn links) und ZVSHK Referent Christian Winsel (2.v. links) stellten für die gut 30 Teilnehmer der Bundes-Fachgruppentagung Klempnertechnik ein interessantes Programm zusammen. Foto: Siepenkort

Für die gut 30 Teilnehmer der Bundes-Fachgruppentagung Klempnertechnik stellten ZVSHK-Referent Christian Winsel und Bundesfachgruppenleiter Ulrich Leib aus den Vorschlägen der Bundesfachgruppe ein interessantes Programm zusammen. Die Referenten informierten Vertreter der Landesfachverbände über die Planung und Ausführung Flachdachabdichtungen, Bauphysik und Recht.
Jürgen Krings, Fachingenieur für Abdichtungen aus Kassel, zeigte die Einsatzgebiete von Flüssigkunststoffen für den Klempner und gab Tipps für die Verarbeitung. Insbesondere an komplizierten Details, die überwiegend bei Sanierungen auftreten, bietet dieses Abdichtungssystem entscheidende Vorteile. Hierzu zählen beispielsweise Durchdringungen von Geländern, Doppel-T-Trägern oder Ähnlichem. Die Sanierung undichter Metalldächer mit diesem System wurde von Teilnehmern eher kritisch und als provisorische Lösung gesehen. Um die Vorteile des Werkstoffs Metall herzustellen, sei eine klempnertechnische Sanierungsvariante bevorzugt auszuführen.
Wie wichtig konstruktiver Holzschutz im Klempnerhandwerk ist, erklärte ­Diplomingenieur Ralf Stoodt aus Rheinbreitbach. Die Dauerhaftigkeit von Holz hänge hauptsächlich von den um das Holz herrschenden Klimabedingungen ab. Ist eine Holzfeuchte bis zur Fasersättigungsgrenze erreicht, ist dies gerade recht für Pilze und Insekten, die sich gern und intensiv darum bemühen, das Holz „abzubauen“. In diesem Zusammenhang informierte der Holzspezialist über die neue Normenreihe DIN 68800/ 1 bis 4 und ordnete die jeweiligen Gebrauchsklassen (GK 0 bis GK 5) den möglichen Anwendungsbereichen in der Bautechnik zu. Für Holzschalungen bei Metalldächern ist dies beispielsweise die Gebrauchsklasse GK 0. „Entscheidend für die Zuordnung der Konstruktion zu einer Gebrauchsklasse sind die Holzfeuchte im Gebrauchszustand und die allgemeinen Gebrauchsbedingungen“, so Ralf Stoodt.

Bauholz muss trocken sein
Grundsätzlich seien bauliche Holzschutzmaßnahmen den chemischen Behandlungen vorzuziehen. Schutzmaßnahmen mit Holzschutzmitteln sind nur dann begründet, wenn bauliche Maßnahmen und/oder Dauerhaftigkeit der vorgesehenen Hölzer nicht ausreichen. Das bedeutet in GK 0, GK1 und GK 2, dass chemische Holzschutzmaßnahmen faktisch keine Anwendung mehr finden können. „Holz ist immer trocken einzubauen. Die Anforderung findet sich in DIN 68800-2 – 5.1.2.1. Hiernach darf die Einbaufeuchte der Hölzer in GK 0 bis GK 3.1 nicht höher als 20 Prozent sein. Denn bei unbelüfteten Konstruktionen, die außen und innen relativ dampfdicht ausgebildet sind, sind erforderliche Trocknungsreserven nicht zu erreichen“, so Ralf Stoodt. Deshalb sei es sinnvoll, vor den Metalldeckungsarbeiten mit zugelassenen Messgeräten die Holzfeuchte zu prüfen, insbesondere bei sensiblen unbelüfteten Dachkonstruktionen. In diesem Zusammenhang gab Stoodt den wichtigen Hinweis, dass zum Teil ausgedämmte unbelüftete Hohlräume in der bauphysikalischen Hülle grundsätzlich nicht mehr zulässig sind. Zum Abschluss seines Vortrages warnte der Konstruktionsspezialist davor, als ausführender Fachbetrieb dem Auftraggeber für seine Planung Nachweise von Produktherstellern wie beispielsweise hygrothermische Berechnungen oder Zusicherungen zu liefern. Hiermit begebe sich der Klempner-Fachbetrieb schnell in die Planungshaftung. Die vollständige und lückenlose Planung als Grundlage für die Ausführung obliegen dem Auftraggeber und dem beauftragten Planer.

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In der Präsentation von Stefan Bäumler wurde deutlich, dass für den Einsatz feuchtevariab­ler Dampfbremsen komplexe bauphysikalische Berechnungen erforderlich sind. Foto: Siepenkort

Feuchtevariable Dampfbremsen
Ergänzend zu diesem Thema erklärte Stefan Bäumler von Isover Einsatzmöglichkeiten feuchtevariabler Dampfbremsen. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie in Abhängigkeit von der Luftfeuchtigkeit und im Gegensatz zu konventionellen Dampfbremsen/Dampfsperren ihren Dampfdiffusionswiderstand ändern. Bei geringer relativer Luftfeuchte, wie dies im Winter in der Regel der Fall ist, sind sie stark diffusionshemmend und bei hoher relativer Luftfeuchte im Sommer hoch diffusionsoffen. In der Folge stellt sich ein erwünschter Trocknungseffekt ein, der sich insbesondere bei unbelüfteten Holzkon­struktionen positiv auswirkt. In der Präsentation wurde deutlich, dass hierzu jedoch im Vorfeld komplexe bauphysikalische Berechnungen des jeweiligen Dachaufbaus zwingend durchgeführt werden müssen. Hierbei spielt auch die Verschattung von Teilflächen eine bedeutende Rolle.

Klaus Siepenkort

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in Ausgabe klempner magazin 07.2013.

Letzte Aktualisierung: 16.10.2013