Hinterlüftung für das Edelweiß

Für komplexe Dachformen in alpiner Lage bieten Metalldeckungen besten Schutz, aber auch besondere Herausforderungen. Die Firma G. Bosshard AG meisterte ihre Bauaufgabe für das Appartementhaus „Edelweiß“ mit Handwerkskunst und einem präzise geplanten Dachaufbau.

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Architektonisch sorgfältig geplant und handwerklich präzise ausgeführt fügt sich das Appartementhaus ideal in das Bergdorf Andermatt ein. Die Herausforderungen für die Spengler erkennt man erst auf den zweiten Blick. Alle Fotos und Abbildungen: G. Bosshard AG

Mit blühenden Wiesen im Sommer und tief verschneiten Bergen im Winter verkörpert Andermatt die Seele der Schweiz. Eingebettet in das Urserental, ist das Bergdorf umgeben von unberührter alpiner Landschaft. Zurzeit wandelt sich Andermatt zu einem ganzjährigen Urlaubsresort: über 40 Architekturbüros sind aktuell daran beteiligt, eine attraktive Urlaubssiedlung entstehen zu lassen. Zum Ferienresort gehören sechs Hotels im 4- und 5-Sterne-Segment, zahlreiche Mehrfamilienhäuser mit rund 500 Wohnungen sowie 25 Villen. Der 18-­Loch­ Golfplatz, ein Sportzentrum und die Neugestaltung des Bahnhofs ergänzen die Freizeit- und Verkehrsinfrastruktur. Dank seiner sorgfältigen Gestaltung, gliedert sich der Resort sehr gut in das traditionsreiche Andermatt ein und behält den typischen Dorfcharakter. Sowohl architektonisch sorgfältig gestaltet als auch fachtechnisch ebenso präzise geplant und ausgeführt, ist hierin auch das exklusive Appartementhaus „Edelweiß“, das sich durch einen kompakten Baukörper mit einer außergewöhnlichen Dachgeometrie auszeichnet. Kunstvoll ausgeführte Malerarbeiten an der Fassade nehmen dem Baukörper etwas von seiner massiven Erscheinung. Die markanten Fensterläden stehen im Kontrast zu den runden Arkadenbögen.

Die Ausgangslage

Das Objekt befindet sich inmitten der Alpen, rund 1.450 m über dem Meeresspiegel. In Andermatt und der Umgebung können extreme Windverhältnisse auftreten. Sie entstehen bei Winterstürmen am Gotthardmassiv oder bei Föhn. Aber auch die wechselnden Wettereinflüsse der Alpensüdseite mit dem Mittelmeerklima und der Alpennordseite, wo atlantischer Einfluss herrscht, sorgen oft für heftige Luftbewegungen. Das 700 m² umfassende, von allen Seiten gut einsehbare Dachgefüge, besteht aus vielen einzelnen Flächen, wobei sich eine gewisse Symmetrie auch nach längerem Suchen nur schwer ausmachen lässt. Dies ist der Grund für viele unterschiedliche Windverhältnisse bzw. Windlasten sogar innerhalb der Dachfläche.

Angesichts der komplexen Dachgeometrie und der exponierten topografischen Lage, entschied sich der Architekt deshalb für eine Metalldachkonstruktion mit einer Doppelstehfalzdeckung. Sie hält aufgrund ihrer Verbindungs- und Befestigungstechnik auch extremen alpinen Witterungsverhältnissen stand - und dies über viele Jahrzehnte. Als Deckungswerkstoff kam Rheinzink vorbewittert schiefergrau in 0,7 mm Blechdicke zur Ausführung.

Sicher konstruieren, ­ Schnittstellen im Griff

Das Appartementhaus wird bis unter das Dach als Wohnraum genutzt, was zu erhöhter bauphysikalischen Beanspruchung der gesamten Konstruktion führt. Aus diesem Grunde wurde ein hinterlüfteter Dachaufbau gewählt, wobei die Zuluft über die Traufenuntersicht erfolgt und die Entlüftungen an den Lüfterfirsten und -graten. Der Querschnitt der Durchlüftung ist mit 80 mm Höhe dimensioniert, die Verminderungen durch Lochbleche sind einkalkuliert. Die flachgeneigten Dachbereiche mit einer Neigung von 3° werden von Traufe zu Traufe durchlüftet. Beim Aufbau der Dachkonstruktion achteten die Spengler darauf, dass der Durchlüftungsraum nirgends eingeengt oder unterbrochen wird. Bei der komplexen Dachgeometrie war das Herstellen einer Hinterlüftung entsprechend aufwändig, doch alle Anschlüsse und Dachübergänge konnten „schlank“ und nach den optischen Wünschen des Architekten gestaltet und umgesetzt werden, ohne die Funktionalität einzuschränken. Bei den Entlüftungen bilden die in RAL 7043 pulverbeschichteten Lamellenhüte einen krönenden Abschluss.
Um die Zuständigkeiten der beteiligten Gewerke bei Dachdurchdringungen zu klären, wurde die Koordination der Schnittstellen rechtzeitig geklärt. Nur so konnten Dachschichten unter Berücksichtigung der bauphysikalischen Beanspruchungen vorschriftsgemäß und fachgerecht angeschlossen und alle Einfassungen technisch korrekt und optisch ansprechend in die Dachlandschaft integriert werden. Um die Entstehung von Kondensat zu vermeiden, wurden sämtliche Lüftungskanäle wärmegedämmt. Aufgrund der extremen Witterungsbedingungen mit Starkregen, Treibwasser und hohen Scheelasten erfolgte der Dachaufbau mit einem wasserdichten Unterdach, das zusammen mit der Titanzinkdeckung als Wetterschutzebene in die Dachrinne entwässert.

Dalibor Martinović/VDSS

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in klempner magazin, Ausgabe 5.2018.


Letzte Aktualisierung: 09.08.2018