Indirekt oder direkt befestigen?

Bei der Begutachtung von Mauerabdeckungen sorgen direkte Befestigungen immer wieder für Diskussionen. Dabei ist dies Problem eindeutig geregelt.

Schadensfall Mauerabdeckungen 1
Gleitend befestigte Mauerabdeckungssysteme können zeitsparend und problemlos auch fachgerecht ausgeführt werden.

Dachdeckungen, Fassadenbekleidungen sowie Abdeckungen und Verwahrungen Klempnertechnik zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich bei Temperaturwechsel schadlos ausdehnen und auch wieder zusammenziehen können. Die typischen Falzverbindungen und indirekte, gleitfähige Befestigungssysteme lassen diese unvermeidbaren Dehnungsbewegungen bei fachgerechter Montage problemlos zu. Zur indirekten Befestigung dienen beispielsweise Halter, Fest- und Schiebehafte, Haftstreifen, Vorstoßbleche u. Ä.

Auch direkte Befestigungen sind zulässig, jedoch ist der Dehnungsspielraum Vergleichsweise minimal und somit auch die maximal erlaubten Einzellängen und Abmessungen der Bauprofile. So dürfen gemäß den Fachregeln für Metallarbeiten im Dachdeckerhandwerk bei direkten Befestigungen Einzellängen nur bis ≤ 3,00 m montiert werden (3.4.1 „Direkte Befestigungen“). Zur Aufnahmen der Dehnungsbewegungen sind die Bohrlöcher zudem mit Übermaß auszuführen und die Befestigungsmittel mit Hauerbuckeln abzudichten, da sie der direkten Witterung ausgesetzt sind. Ganz wichtig: Schrauben mit Dichtscheiben und andere Befestigungselemente müssen korrosionsbeständig sein und dürfen nur bei wandseitigen (!), also senkrechten Anschlüssen zum Einsatz kommen. Die Verbindungsstöße müssen mit Dehnungsspielraum regensicher ausgeführt werden. Für großformatige Bauelemente wie beispielsweise Alu-Verbundplatten bei Fassadenbekleidungen gelten die bauaufsichtlichen und systembedingten Zulassungen und Verarbeitungsregeln der jeweiligen Hersteller. Die Klempnerfachregeln des ZVSHK lassen direkte Befestigungen nur in begründeten Ausnahmefällen zu, beispielsweise im Denkmalschutz. Diese sind, wie oben beschrieben, ebenfalls mit Hauerbuckeln abzudichten (4.12 Abdeckungen mit und ohne bauseitiger Unterkonstruktion). Dies sind nun die eindeutigen Fakten, nach denen Abdeckungen ausgeführt werden dürfen.

Schadensfall Mauerabdeckungen 2
Üblich ist die indirekte Montage selbsttragender Abdeckungen mit Einzelhaltern, die oftmals gleichzeitig als Stoßverbinder verwendet werden. Fotos: Siepenkort

Billig muss man sich leisten können

Leider ist immer wieder festzustellen, dass einige Handwerksunternehmen diese Ausnahme zur Regel machen, insbesondere bei industriellen selbsttragenden Abdeckungen. Es geht nun mal schneller, mit ein paar selbstbohrenden Schrauben oder gar Drillnägeln die Abdeckung auf eine Bohle zu „pinnen“, wie man vielerorts im Baudeutsch sagt. Dann schiebt man die Bleche schön eng zusammen und erspart sich gleich auch noch das zu hinterlegende Rillenblech. Zur „Freude“ aller Baubeteiligten sieht man sich schon bald, nach förmlicher Einladung, mit dem Sachverständigen vor Ort wieder . Er stellt dann Dehnungsschäden, Feuchteschäden oder bei leichtem Wind abgetragenen Dachrandprofile fest und sorgt dafür, dass der Handwerkskunde alles neu bekommt. Fachgerecht spart Kosten Diese Sachverhalte wiederholen in den verschiedenen Spielarten leider sehr oft; unverständlich, da die fachgerechte langlebige Ausführung bei guter Vorplanung nahezu genauso zeitsparend erfolgen kann.

Klaus Siepenkort

Den kompletten Beitrag lesen Sie in klempner magazin 01.2018.

Letzte Aktualisierung: 20.12.2017