Klempnermeister, ganz nebenbei?

Sicher nicht - das werden die neun neuen Klempnermeisterinnen und -meister der Meisterschule in Ulm bestätigen, die ihren Meisterbrief berufsbegleitend erlangten. Bis zur "Prüfungsreife" hatten sie im Vorbereitungskurs für die Teile I und II ganze 620 Unterrichtsstunden an der Akademie der Handwerkskammer Ulm zu absolvieren. Da stellt sich die Frage was soll der Aufwand für den einzelnen eigentlich bringen?

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Geschafft! Die Jungmeisterin und ihre acht männlichen Kollegen sind bereit für neue Herausforderungen an Dach und Fassade.Foto: HWK-Ulm

"Die Antwort gaben die Jungmeisterin und die acht Jungmeister durch ihr Engagement in der Meisterausbildung selbst. Im praxisorientierten Unterricht nahmen sie alles mit, was sie benötigen, um als junge Unternehmer oder gefragte Führungskräfte in Handwerk oder Industrie bald Ihre Karriere zu beginnen", so Bernd Kramer, Ausbilder an der Handwerkskammer in Ulm. Hier zu zählten in der Fachtheorie die Fertigung und Dimensionierung von Entwässerungsanlagen, Werkstoffkunde, mathematische Grundlagen oder Bauphysik. Der Unterricht in Betriebsführung und -organisation oder Marketing und Qualitätsmanagement bereitete die Schüler auf die zukünftigen unternehmerischen Aufgaben vor. In der Fachpraxis ging es um Detailausbildungen am Dach, Detailanschlüsse an Entwässerungssystemen sowie Fertigungs- und Montagetechniken für die verschiedenen Metalldächer und Metallfassaden sowie um die bauphysikalischen Zusammenhänge, die heute immer mehr an Bedeutung gewinnen EnEV sei Dank.

Im praktischen Unterricht vertieft wurden Anschlüsse an Dach und Fassade mit den unterschiedlichen Systemen als Prüfungsstücke wählten die Meisterschüler vorzugsweise kunsthandwerkliche Gegenstände. "Und das finden wir auch gut so. Handwerkliches Geschick bei den Standard-Klempnertechniken setzen wir bei den Meisterschülern voraus. Das ist eher der Stoff für die Lehrlingsausbildung. Bei uns geht es um die Planung und Ausführung komplexer Bauteile außerhalb des Klempner-Alltags, hierzu zählen auch kunsthandwerkliche Gegenstände. Dabei lernen die allermeisten Lehrgangsteilnehmer noch vieles hinzu insbesondere das Formen der unterschiedlichen Metallwerkstoffe. Genau dies unterscheidet den Klempner von den anderen Bau-Gewerken, die überwiegend fertig produzierte Bauteile montieren", erklärt Kramer.

Im Rahmen einer feierlichen Zeugnisübergabe mit Ausstellung präsentierten die Prüfungsabsolventen ihre Arbeitsergebnisse, für deren Fertigung sie 32 Stunden Zeit hatten. Von komplizierten Dachentwässerungsbauteilen über kunstvoll geschwungene Pflanzenbehälter bis hin zum Fußballpokal reichten die kreativ gestalteten Meisterstücke. Wie sie entstanden und welche Arbeitstechniken angewendet wurden, darüber konnten sich die zahlreichen Gäste und Gratulanten direkt bei der Jungmeisterin und den Jungmeistern informieren.

Auch die Redaktion klempner magazin gratuliert Stefanie Treffler mit dem besten Meisterstück sowie Christian Alber, Jürgen Breit, Siegfried Holneider, Ulrich Konrad, Juan Poyatos, Robert Rundel, Daniel Wagner und Manuel Wicker zur bestandenen Meisterprüfung.

Herzlichen Glückwunsch!

Weitere Informationen zur Klempner-/Spengler Meisterausbildung an der Handwerkskammer in Ulm: www.hk-ulm.de

Zur Meisterfeier mit der Präsentation der Meisterstücke haben wir für sie eine Fotostrecke bereitgestellt.

Letzte Aktualisierung: 21.06.2011