Kondensat im Griff

Dächer von Schwimmbädern sind bauphysikalische Sonderkonstruktionen, wie der Sanierungsfall Vitusbad in Everswinkel zeigt: Auch bei Einsatz bester Werkstoffe kommt es auf die präzise handwerkliche Ausführung sämtlicher Funktionsschichten an.

St. Vitusbad Aufmacher
Nach Abschluss der viermonatigen Umbaupause und der planmäßig erfolgten Wiedereröffnung bleibt das Wasser jetzt dort, wo es hingehört: außen in der Dachrinne und innen im Schwimmbecken. Foto: Klaus Siepenkort

Nach rund 17 Jahren der Nutzung bei bauphysikalisch höchsten Beanspruchrungen sowie mit einem neuen Nutzungskonzept wurde das Vitusbad in Everswinkel bei Münster saniert, umgestaltet und in den ein Allwetterbad verwandelt. Bereits einen Monat nach der Wiedereröffnung war es ein echter Besuchermagnet - besonders beliebt war das Allwetterbad während der Winterferien, in denen rund 16.000 Besucher den Sprung ins Wasser wagten. Dies war nach Aussage der Gemeindewerke Everswinkel der größte Besucheransturm der vergangenen zehn Jahre. Hierzu beigetragen hatten die Planer und Handwerker, die mit an der umfassenden Sanierungsmaßnahme beteiligt waren und exakt im vorgezeichneten Terminplan blieben. In Rahmen der Umgestaltung wurde auch das Dach genau in Augenschein genommen, wobei massive Schäden an der Unterkonstruktion sichtbar wurden. Feuchtigkeit gelangte dorthin, wo es dem Bauherrn überhaupt keinen Spaß bereitet: in die Dämmung. Insgesamt war die Dachkonstruktion unter der recht jungen Kupferdeckung stark von Feuchtigkeit angegriffen und die Gebäudehülle nicht ausreichend dicht, sodass außerdem Wärmeenergie verloren ging. Ziel war es nun, den Wärmedurchgang zu minimieren, die Energieeffizienz zu maximieren und die Nutzungsfeuchte so zu managen, dass sie keinen Schaden mehr anrichtet.

Grundlagen ermitteln

Zur Umgestaltung und Sanierung des Vitus Bades beauftragten die Gemeindewerke Everswinkel das Planungsbüro Göttker & Schöfbeck aus Ostbevern. Bevor der zuständige Architekt Markus Schöfbeck ein passendes Sanierungskonzept ausarbeiten konnte, erstellte er im ersten Schritt eine ausführliche Schadensanalyse. „Dass sich unter der Kupferhülle Kondensat befand und nicht nur den Dämmstoff schädigte, fiel bereits im Vorfeld und rein zufällig auf. Nachdem Diebe einige Kupferscharen am Dach demontierten und damit verschwanden, offenbarten sich an der freigelegten Konstruktion deutliche Feuchteschäden an der Holzunterkonstruktion, sodass wir zunächst die gesamte Dachkonstruktion mit ihren zahlreichen Details und Anschlüssen sehr genau untersucht haben. Je tiefer wir geprüft haben, umso mehr Feuchteschäden kamen leider zu Tage. Und dies, obwohl wir wussten, dass seinerzeit die bekanntlich sehr langlebige und hochwertige Schaumglasdämmung verbaut war“, schildert Markus Schöfbeck.

Bei der zu sanierenden Dachkonstruktion handelt es sich um ein Zeltdach mit 30 Grad Dachneigung, rund 1.600 m² Fläche und fünfeckigem Grundriss sowie angrenzenden Erschließungsbereichen mit Flachdachabdichtungen. Der vorgefundene Dachaufbau beginnt ab der Leimbinderkonstruktion mit einer 24 mm dicken Rauspundschalung, auf die eine Dampfsperre verlegt ist. Es folgen die zweilagige Schaumglasdämmung, eine Bitumenbahn und die Wetterschutzebene, bestehend aus einer Kupferdeckung im Doppelstehfalzsystem. Im Traufenbereich ist eine sogenannte Schubbohle für die Lastaufnahme der Dämmung angeordnet.

Problem Bauphysik

Zu den bauphysikalischen Besonderheiten des Vitus Schwimmbadgebäudes zählen eine sehr hohe Lufttemperatur, eine sehr hohe Luftfeuchte und eine Lüftungsanlage, die als Überdrucksystem arbeitet. „Um den Eintrag von Nutzungsfeuchte in die Dachkonstruktion zu vermeiden, war diese also absolut dicht auszuführen - was ja nur theoretisch geht. Dies ist damals auch mit dem Einsatz des dampfdichten Schaumglasdämmstoffes nicht gelungen, wie im Rahmen unserer Untersuchungen am Dach immer deutlicher wurde .

Klaus Siepenkort

Den kompletten Beitrag lesen Sie in klempner magazin 03 2018.

Letzte Aktualisierung: 24.04.2018