Kunst aus Kupfer

Ein altes Fort in der Hafeneinfahrt von Marseille wurde zum Museum umgebaut. Die Attraktion für das Publikum ist die moderne Klempnertechnik aus Kupfer „Made in Germany“.

ZDM_2013_06_103_BU_01_Marseille_preview
Blickfang beim Besuch der Museumsfestung ist die moderne gelochte Kupferwand, die Treppenaufgänge und Baukörper verhüllt. Alle Fotos: KME

Wer die diesjährige Kulturhauptstadt Marseille besucht, der darf auch eine Besichtigung des alten Fort St. Jean nicht versäumen – schon gar nicht, wenn der Reisende ein Klempner oder eine Klempnerin ist. Die Festung wurde im Jahre 1660 von Louis XIV erbaut und schützte die Einfahrt in den alten Hafen von Marseille. Sie war mit zwei Reihen Kanonen bestückt - eine Reihe zielte aufs Meer, die andere in die Stadt. Denn die Herrschenden in misstrauten dem aufmüpfigen Volk im Süden Frankreichs. Später wurde Fort St. Jean als Gefängnis und bis zum 2. Weltkrieg als Kaserne genutzt. Im August 1944 zerstörte die Explosion eines Munitionslagers viele Teile der Festung. Danach übernahm das Kulturministerium die Ruine und ließ einige Gebäude wieder rekonstruieren.

In diesem Frühjahr wurde das Fort St. Jean im Rahmen der Wahl Marseilles zur Kulturhauptstadt 2013 Teil des „Museums der Zivilisationen Europas und des Mittelmeeres“, kurz MuCEM. Zwei dünne Brücken verknüpfen Museum und Festung. Im Rahmen der Zusammenführung von Museum und Fort St. Jean, wurde auch der Innenraum der alten Festungsanlage neu gestaltet. Ein modernes kubisch geformtes Ausstellungsgebäude aus den klassischen rötlichen Baustoffen der Umgebung mit Bekleidungselementen aus unbehandeltem Kupfer ist neuer Blickfang für die Besucher. Viele neu entstandene Nischen und Freiflächen laden zum Verweilen und Entspannen ein. Nicht nur des Klempners Blick fällt dabei zunächst auf die moderne gelochte Kupferwand, die lediglich Treppenaufgänge und Baukörper verhüllt. Verwendet wurden für die Bekleidung 200 Millimeter schmale, vertikal angeordnete Profile, die zu Teil gelocht sind. Die Verlegung erfolgte in unterschiedlichen Längen von 1.500 bis 2.000 Millimetern in ungeordnetem „wildem Verband“. Was auch bei geschultem Blick nicht sofort erkennbar ist, ist die Verbindungstechnik der Paneelen.

Gefalzt und umgedreht

ZDM_2013_06_103_BU_03_UK_preview
Die Bekleidung besteht aus umgedrehten Kupfer-Stehfalzscharen. Die Oberfalze sind mit speziellen Clips auf der Unterkonstruktion befestigt.

Wer jedoch die Treppe zur oberen Freiflächen beschreitet, erkennt die simple aber pfiffige Technik. Bei den „Paneelen“ handelt es sich um einfache Kupfer-Stehfalzschare, deren Rückseiten jetzt Ansichtsflächen sind. Die Oberfalze der umgedrehten Schare sind mit speziellen Clips auf den horizontalen Stahlprofilen der Unterkonstruktion befestigt. „Da wir schon bei verschiedenen Projekten mit dem Architekturbüro C+T zusammengearbeitet haben, konnten wir auch am Fort St. Jean unser Know How unterbringen und die Gestaltung der Planer aus Marseille technisch umsetzten“, schildert Michael Giebler von KME Osnabrück. „Die Wahl des Werkstoffes war von vornherein klar, da der natürliche Kupferfarbton exakt in das architektonische Gesamtkonzept passte. Nach der Freigabe eines vorab erstellten Fassadenmusters erfolgte die Fertigung der kompletten Schare einschließlich Lochung in Deutschland bei der Firma Schrag. Unseres Montagepartners vor Ort, der Firma Cecometal aus dem nahegelegenen Eguilles erstellte hierzu das genaue Aufmaß.“ Die Firma Schrag mit Sitz in Hilchenbach produziert und vertreibt Kantprofile für den Industrie- und Gewerbebau. Ergänzt wurde der Unternehmensbereich des Sauerländer Metallverarbeiters um die Sparte Ingenieurleistungen, die auf Dienstleistungen rund um den Bereich Metallleichtbau spezialisiert ist.

Aber noch eine weitere Attraktion aus Kupfer hält das Museum bereit. Wenn man den verhüllten Treppenaufgang verlässt und die obere Plattform betritt, fällt interessantes Kunstwerk aus Kupferrohren auf, dass den Besuchen Schatten spendet. Die Rohre sind in aufwendiger Biegearbeit zu einem Gewirr verstrickt, das an Weinreben erinnert.

www-Tipp:

Typischer Weise richtet sich der Blick eines Klempners auch im Urlaub (oft zum Leidwesen der Mitreisenden) auf Gebäude – insbesondere auf den Bereich oberhalb der Traufenkante. Falls auch Sie dazugehören und hierbei (ganz heimlich) interessante Klempnerarbeiten fotografiert haben, würden wir gern daran teilhaben und Ihre Bilder im Web veröffentlichen.

Bitte schicken Sie Ihre Reisedokumente an: red.klempnermagazin@rudolf–mueller.de .

Wir freuen uns darauf.

Letzte Aktualisierung: 21.08.2013