Kuppelkonstruktion für Synagoge in Regensburg

Die Altstadt Regensburgs ist um eine Attraktion reicher. Für die neue ­Synagoge ­gestaltete das bekannte Berliner Planungsbüro Staab Architekten eine außergewöhnliche ­Kuppelkonstruktion. Sie bestimmt die Architektur und sorgt für nachhaltigen Bauwerksschutz.

Synagoge Regensburg
Den Synagogenraum überspannt ein quadratisches Kuppeldach. Durch Reflexion und Absorption des Lichts erhalten Metalldach und Steckmetallfassade interessante und lebhafte Strukturen. Foto: Stefan Effenhauser/Stadt Regensburg

Im Frühjahr 2015 lobte die jüdische Gemeinde einen Architekturwettbewerb aus, den das bekannte Architekturbüro Staab Architekten aus Berlin für sich entschied. Das neu gestaffelte Bauvolumen knüpften die Planer mit seiner Dachlandschaft architektonisch an die niedrigen trauf- und giebelständigen Häuser der denkmalgeschützten Altstadt an, die 2006 zum UNESCO-Welterbe ernannt wurde. Den Synagogenraum überspannt ein quadratisches Kuppeldach mit einer Metalldachkonstruktion aus industriellen Aluminium-Gleitfalzbahnen. Bei der Wahl des Dachsystems spielten Nutzungs- und Lebensdauer und der wartungsarme Betrieb eine bedeutende Rolle.

Form und Tragwerk

Der Grundriss der einzigartigen quadratischen Kuppelkonstruktion ist einer in ein Quadrat eingelassenen Kugel nachempfunden, die einen Radius von 25 Meter aufweist. Das Holztragwerk der Kuppel ruht auf vier bogenförmigen ausgebildeten Randträgern und vier Rundstützen mit einem Durchmesser von 219 mm und einer 20 mm dicken Wandung. Für das Tragwerk und den Aufbau verwendete man auf der Raumseite eine Lage aus Furnierschichtholz.
Die Besonderheit besteht in den hochkant angeordneten Furnierlagen, zweiachsig gebogen mit lasierendem Anstrich. Für die Dachtragschale (Kuppel) kamen 20 zweiachsig gebogene Brettsperrholzelemente, Dicke 7 x 18 mm = 126 mm, und zwei Lagen 5 m lange Aussteifungs-Schalung zum Einsatz, die überkreuzt verlegt wurden. Hierauf liegen radial und quer angeordnete BSH-Sparren. Der Metalldachaufbau ist als nicht hinterlüftete, wärmegedämmte Konstruktion mit den erforderlichen Funktionsschichten ausgeführt.

Synagoge Regensburg
Die Windlastberechnung zeigte den Spenglern Rand-, Eck- und Innenbereiche an, einschließlich der jeweiligen Halterabstände und Fixpunkte. Zeichnung: Zambelli

Konisch gerundet, wasserdicht verschweißt

Die Wetterschutz- und Gestaltungsebene der Dachkonstruktion bildet ein in sich homogenes Metalldachsystem aus Aluminium-Gleitfalzprofilen des Fabrikats Rib-Roof Evolution. Für die Ausführung dieses Komplettdachsystems erhielt der autorisierte Fachbetrieb Pichler-Metall aus Regen den Auftrag. Das mittlerweile 85 Jahre alte Familienunternehmen ist spezialisiert im Bereich Spenglerarbeiten und Metallbau für Industrie- und Gewerbebauten, Wohn- und Geschäftshäuser. Die Brüder Josef und Stefan Pichler bilden ein ­perfektes Team und haben die Arbeits­bereiche Metallbau und Spenglertechnik aufgeteilt. Für das Projekt Synagoge ­Regensburg war Spenglermeister Stefan Pichler verantwortlich.
Im ersten Arbeitsschritt mussten die Spengler etwa 120 konisch gefertigte Profilbahnen entsprechend der Kuppelform vor Ort bombieren. Zur Verlegung ­fixierten sie die Bahnen mit den zugehörigen Systemclips auf dem Untergrund. Auf ­etwa 2/3 Scharlänge in Richtung Firstknoten fassten sie drei Schare zu einer Schar ­zusammen und verschweißten diese wasserdicht im WIG-Schweißverfahren. Der um 80 mm erhöhte Knoten besteht aus dreizehn spitz zulaufenden Scharen, die in handwerklicher Falztechnik miteinander verbunden wurden. Als Grundlage für das Verlegen und befestigen der konischen Profilbahnen dienten zum System gehörende projektbezogene Planungsunterlagen einschließlich einer Material-Stückliste.

Synagoge Regensburg
Blick unter die Kuppel bei Tageslicht. Foto: Stefan Effenhauser/Stadt Regensburg

Licht für die Synagoge

Die quadratische Kuppel überspannt den Innenraum der Synagoge und ist ähnlich eines Staffelgeschosses auf den Baukörper aufgesetzt. Dem Inneren der Synagoge geben Fensterelemente innerhalb der vier bogenförmigen Giebelwände ausreichend Tageslicht. Diese sind mit lichtdurchlässigem Streckmetall verhüllt, sodass Dach und Wände der Kuppel als ein homogenes Bauelement erscheinen.
Die Konstruktion und Ausführung erfolgte ebenfalls von der Firma Pichler. Durch Reflexion und Absorption des Lichts erhalten Dach und Fassade der Kuppel interessante und lebhafte Strukturen, die sich immer wieder zu einem harmonischen Gesamteindruck verbinden.
Das Bauwerk wurde im Programm „Nationale Projekte des Städtebaus“ und durch Spenden gefördert.

Klaus Siepenkort

Den Artikel in voller Länge lesen Sie in der KlempnerMagazin Ausgabe 06/19

Letzte Aktualisierung: 10.09.2019