Maria im warmen Mantel

Seit April 2017 steht die Santa Maria Kirche in Sankt Gallen ohne Gerüst und erstrahlt im neuen Kupferglanz. Schweizer Spenglermeister gingen bei der Sanierung behutsam mit der historischen Deckung um und sorgten mit einem schlauen Trick für Schutz vor gefährlichem Eisschlag

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Die denkmalgeschützte Santa Maria Kirche erstrahlt im neuen Glanz – ein herausragendes Beispiel meisterhafter Bauwerksanierung. Alle Fotos: Christian Zeuch

Die Santa Maria Kirche befindet sich im St. Galler Stadtteil Neudorf, östlich des historischen Zentrums der Stadt. Bis heute setzt die Kirche aufgrund ihrer Architektur und Lage einen städtebaulich markanten Akzent. Erbaut wurde das monumentale Gotteshaus 1914–1917 nach den Plänen des Schweizer Architekten Adolf Gaudy, der in seiner Schaffenszeit rund 100 Kirchen errichtete. Nachdem 2004–2005 eine Innenrenovierung durchgeführt wurde und die letzte Außensanierung über fünfzig Jahre zurücklag, war nun eine umfassende Restaurierung der Gebäudehülle notwendig. Rund 6.000 m² Fassadengerüste und ein etwa 1.700 m² Notdach über dem gesamten Gebäude, beide in sich schon ein Bauprojekt von beträchtlichem Aufwand, machten die Arbeiten erst möglich. Die alten und beschädigten Biberschwanzziegel wurden durch neu gefertigte Ziegel ersetzt. Die speziell für dieses Projekt entwickelte Rezeptur ist den Originalziegeln nachempfunden. So konnte die Zusammensetzung des Tons der neuen Dacheindeckung gut an den Bestand angeglichen werden. Neben geraden Ziegeln wurden auch konvex und konkav geformte Ziegel hergestellt, um die vorhandenen Dachdetails originalgetreu ausbilden zu können. Brüchige und gerissene Kupferblecheindeckungen mussten ersetzt, intakte Kupferelemente restauriert werden. Vom Unterdach her wurde der gesamte Dachaufbau mit allen Anschlüssen erneuert. Der stark beschädigte Turmhelm war neu einzudecken .

Sicher entwässern


Zu Beginn wurde eine 220 m lange Dachentwässerungsanlage an Hauptdach und Seitenschiffen angebracht. Die in Form einer Kastenrinne montierte Anlage hatte zum einen die Funktion als Traufpunkt-Auflage für die Biberdeckung und zum anderen als flugschneesichere Belüftungsöffnung der hinterlüfteten Ziegeldeckung. Damit eventuell aufgestautes Wasser im Notfall problemlos überlaufen kann, wurden die Tropfkanten der Rinnen etwas tiefer angeordnet. Um schadlose Dehnungsbewegungen der Rinnenprofile bei Temperaturwechsel zu ermöglichen, bauten die Spengler an den Hochpunkten handwerklich hergestellte Dehnungsausgleicher ein. Sie bestehen aus zwei Endböden, die mit einer Abdeckkappe verbunden sind.

Priorität Denkmalschutz

Der Denkmalschutz war bei der Sanierung der Kirche Santa Maria in St. Gallen von besonderer Bedeutung. Neben den konischen und linear verlaufenden Rinnenprofilen stellten die Gesimsabdeckungen mit ihren geneigten und geschwungenen Formen eine handwerkliche Herausforderung dar. So kamen für die unterschiedlichsten Ausführungsdetails zahlreiche Scha­blonen zum Einsatz, um die Formen wie gefordert exakt einhalten zu können. Obwohl die vor 100 Jahren montierten Kupferelemente teilweise hauchdünn geworden und mit Haarrissen gezeichnet waren, mussten zahlreiche Teile erhalten werden. Dabei war die Arbeitsgemeinschaft stets bemüht, die funktionstauglichen Teile zu restaurieren und neue Bauteile der Bestandssituation nachzuempfinden, zu fertigen und zu montieren. Ein Beispiel ist die Rinnen-Stirnblende, die das gesamte Kirchengebäude umläuft. Hier wurden als erstes die alten Rinnen behutsam entfernt, die Unterkonstruktion neu aufgebaut und anschließend die Rinnen nach altem optischen Erscheinungsbild neu montiert. Auch einzelne Teile der Turmeindeckung, wie Ornamente und Zierteile konnten geborgen, restauriert und später neu montiert werden. So war der Denkmalschutz über die gesamte Phase der Sanierung ein steter Begleiter und die Umsetzung stetige Herausforderung.

Christian Zeuch/VDSS

Den kompletten Beitrag lesen Sie in klempner magazin, Ausgabe 8.2018.

Letzte Aktualisierung: 16.11.2018