Meisterbrief – und dann?

Die Meisterprüfung ist geschafft, aber wie geht es danach weiter? Diese Frage stellen sich viele Meisterschüler im Handwerk. Rolf Fuhrmann, Geschäftsführer des Bundesbildungszentrum des Deutschen Dachdeckerhandwerks (BBZ) interviewt dazu Klempnermeister Julian Kipp. Er besuchte 2019 den Vorbereitungskurs zur Klempnermeisterprüfung am Mayener BBZ.

Julian Kipp Klempnermeister
Julian Kipp als ehemaliger Geselle am BBZ Mayen. Fotos: BBZ Mayen/Kipp

Herr Kipp, ein Jahr ist seit der Meisterprüfung vergangen. Wie ging es nach bestandener Prüfung für Sie weiter, was machen Sie aktuell?

Julian Kipp: Während der Zeit in der Meisterschule hatte ich mir schon Gedanken über eine Selbstständigkeit gemacht. Zunächst kehrte ich jedoch zu meinem vorherigen Arbeitgeber zurück, entschied dann aber, das Unternehmen zu wechseln und eine Nebenerwerbstätigkeit nachzugehen. Kaum war das angegangen, kam Corona. Der Beginn der Tätigkeit bei meinem neuen Arbeitgeber wurde verschoben, da auch die Unternehmen teilweise vor einer wirtschaftlichen Herausforderung standen. So blieb mir nichts anderes übrig, als die bislang generierten Aufträge abzuarbeiten, kam aber durch Empfehlungen von Lieferanten und viel Eigeninitiative an neue Aufträge. Für einen örtlichen Dachdecker- und Zimmerermeister durfte ich einige auch größere Aufträge als Subunternehmer durchführen, wofür ich nach wie vor dankbar bin. Wegen dieser guten Ausgangslage habe ich mich dann für die volle Selbstständigkeit entschieden. Aktuell widme ich mich der Weiterbildung, und zwar zum Gebäudeenergieberater, dies sozusagen passend zur aktuellen Änderung der Energieeinsparverordnung (EnEV) zum neuen Gebäudeenergiegesetz, kurz GEG. Dadurch kann ich meinen Kunden einen noch größeren Service bieten.

Wie war der Start in die Selbstständigkeit für Sie?

An dieser Stelle muss ich etwas differenzieren. Wie oben bereits beschrieben, war der berufliche Start zwar mit einigen Bauchschmerzen und auch Aufwand verbunden, aber es bereitete mir nicht allzu große Schwierigkeiten. Als unangenehm empfunden habe ich allerdings die bürokratischen Aufgaben, die mit der Neugründung eines Unternehmens einhergehen.

Welche spannenden Projekte konnten Sie im letzten Jahr realisieren?

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine spezielle Baustelle. Dort haben wir eine Fassade in Patina-grau und ein Stehfalz-Dach in anthrazit erstellt. Nicht nur die Arbeit war besonders, sondern auch die sehr freundliche Art der Bauherren ist in Erinnerung geblieben. Ein weiteres Projekt, an welches ich gerne zurückdenke, war eine Dachsanierung aus Aluminium-Schindeln. Grundsätzlich gefällt mir die Arbeit an der Fassade am besten. Wir bemühen uns, auch unseren Kunden die Vorteile von vorgehängten, hinterlüfteten Fassaden aufzuzeigen.

Rückblickend auf Ihrer Zeit in Mayen. Welchen Nutzen hat die Ausbildung zum Klempnermeister am BBZ in Mayen Ihnen für Ihre tägliche Arbeit gebracht?

Das BBZ in Mayen führt sehr gute Meistervorbereitungskurse durch, aber in erster Linie macht das BBZ Meisterschüler zu Unternehmern. So kann ich das tägliche Geschäft mit dem erlernten Werkzeug sehr gut bewältigen. Besonderes Augenmerk lege ich derzeit auf die Außendarstellung des Unternehmens, wo ich das Erlernte aus Mayen sehr gut anwenden kann. Kunden achten übrigens schon sehr darauf, ob man ein Meisterbetrieb ist.

Wie steht es mit dem Kontakt zu ehemaligen Mitschülern? Gibt es den heute noch, oder besteht vielleicht sogar ein Netzwerk zwischen den Schülern oder auch zu den Dozenten am BBZ?

Auf jeden Fall. Mit dem ein oder anderen telefoniert man hin und wieder mal. Und aus einigen Verbindungen sind sogar Freundschaften geworden. Wir besuchen uns gegenseitig, fragen um Rat, unterstützen uns. Und auch zum BBZ habe ich weiter Kontakt. Demnächst bin ich zum Unternehmerseminar wieder da, sofern die Umstände es zulassen.

Lassen Sie uns einen kurzen Ausblick wagen. Wo sehen Sie sich und Ihr Unternehmen mittelfristig, sagen wir mal in 5 Jahren. Welche Ziele verfolgen Sie?

Wie bereits erwähnt, lasse ich mich zum Gebäudeenergieberater weiterbilden und des Weiteren plane ich die Anschaffung notwendiger Werkzeuge und Maschinen, um für Kollegen die Vorfertigung größerer Kantteile übernehmen zu können. So kann ich mir noch neue Geschäftsfelder erschließen. Ich würde mich natürlich gerne weiter am Markt etablieren und mehr Kunden auf unsere Produkte aufmerksam machen. Dazu ist natürlich auch eine kontinuierliche Fort- und Weiterbildung nötig. Überdies möchte ich mich gerne ehrenamtlich für unser Handwerk engagieren.

Letzte Aktualisierung: 17.11.2020