Nikolaus in Blei

Ob Dächer, Verwahrungen oder Anschlüsse für die fachgerechte Verarbeitung von Walzblei müssen einige Regeln beachtet werden. Anhand der Bleiarbeiten an der Sankt Nikolauskirche in Büren zeigen wir Ihnen einige wichtige Praxistipps.

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Wieder fit für ein Gebäudeleben: der Turm der Pfarrkirche St. Nikolaus in Büren. Foto: Werner Krolpfeifer GmbH

Welche Materialdicke ist geeignet? Wie bringe ich Überhangstreifen an? Was ist beim Verstemmen von Bleiwolle zu beachten? Das sind die Fragen, die Jürgen Seifert bei anstehenden Bauvorhaben Klempnern und Dachdeckern am Telefon beantworten muss. Nicht selten aber steigt er mit aufs Dach. Jürgen Seifert ist Schulungsleiter und materialtechnischer Berater der Gütegemeinschaft Saturnblei e. V. und begleitet Bauprojekte mit Walzbleieinsatz von der Planung bis zur Qualitätskontrolle. So werden bautechnische Entscheidungen fachmännisch geprüft und die Langlebigkeit der Ausführungen gesichert.

So sind bereits vor Beginn eines Bauvorhabens wichtige Entscheidungen zu treffen, wie zur Restaurierung der Pfarrkirche St. Nikolaus in Büren, rund dreißig Kilometer südwestlich von Paderborn. Im Zuge einer Reparaturmaßnahme am Kirchturm stellten die Handwerker Schäden an den Kranzhölzern, am Mauerwerk und an den Zifferblättern der Kirchturmuhren fest. Die Kirchengemeinde entschied sich dafür, den Turm umfassend zu restaurieren. Bei der Erarbeitung des Restaurierungskonzepts gingen die beauftragten Architekten Tebel und Partner aus Paderborn zunächst davon aus, dass die dreißig Jahre alte Bleideckung des Turmhelms intakt ist. Nach der Einrüstung des Turmes und genauer Kontrolle des Daches zeigten sich jedoch erhebliche Schäden. An den Hohlwulsten der Längsfalze hatten sich bereits deutliche Risse gebildet.

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Im Bereich der Höhenüberdeckung befestigten die Bleidecker die Schare mit Kupferhaften von 100 Millimeter Höhe und 530 Millimeter Breite. Im Seitenfalz ordneten sie im Abstand von rund vierzig Zentimetern zusätzliche Hafte an.Foto: Werner Krolpfeifer GmbH

Planung mit Weitblick

Um das weitere Vorgehen zu planen, zogen die Architekten und der beauftragte Fachbetrieb Krolpfeifer den Berater der Gütegemeinschaft hinzu. Betriebsinhaber Werner Krolpfeifer hatte bereits an einer Praxisschulung bei Kursleiter Jürgen Seifert teilgenommen. Der Berater nahm die Bleideckung vor Ort in Augenschein und stellte fest, dass die Bleischare mit sichtbaren Kupferhaften auf dem Dach befestigt waren. "Vor dreißig Jahren entsprach die Bleideckung mit sichtbaren Hafte dem damals gültigen Stand der Technik", erklärt Seifert. Heute weiß man, dass sichtbare Haften eine Ausdehnung der Schare in Quer- und Längsrichtung nur zulassen, wenn sie mit ausreichend Abstand zum Bleiblech angebracht werden. Sind sie zu stramm angelegt, kann es zu Riss- und Beulenbildung kommen. Von einer Reparatur durch Löten riet Jürgen Seifert ab. "In zehn Jahren bilden sich sonst an denselben Stellen wieder Spannungsrisse", warnte er. Die Architekten folgten dem Rat von Seifert. Werner Krolpfeifer und sein Team wurden mit einer kompletten Neueindeckung des Turmhelms beauftragt.

Die neue Walzblei-Eindeckung sollte unter modernen technischen Gesichtspunkten ausgeführt werden. Jürgen Seifert empfahl deshalb den Einsatz von nicht sichtbaren Querhaften. Die Anordnung der Hafte unter den Scharen ermöglicht eine problemlose temperaturbedingte Ausdehnung der Bleibleche. Zudem entsteht eine stabile Verbindung, die für Dächer mit hoher Windlast besonders geeignet ist. Die Deckung sollte mit kleiner Hohlwulst und mit einer Falzbreite in zehnfacher Materialdicke ausgeführt werden. Darüber hinaus riet Seifert den Architekten, Walzblei in der Dicke von 2,5 mm statt der vorhandenen 2,0 mm einzusetzen. Die Größe der Schare sollte beibehalten werden, um die Optik der alten Deckung weitgehend beizubehalten.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in klempner magazin Ausgabe 2|2011.

Letzte Aktualisierung: 18.03.2011