Problemfall Kehle

Man wundert sich manchmal, wie lange Fehlkonstruktionen schadlos bleiben können. In diesem Fall waren die fachgerecht ausgeführten Falzarbeiten und ein Fehler verzeihender Dachaufbau ausschlaggebend, so dass es nur bei ein paar Feuchtespuren blieb.

Problemfall Kehle
Die einlaufenden Schare von 0 bis 8,20 Meter Länge sind beidseitig und dehnungsbehindernd mit der Kehle mit einem Doppelstehfalz verbunden.

Bei dem Objekt handelt es sich um einen in 1995 erbauten Winkelbungalow mit einem 10 Grad geneigten hinterlüfteten Dach und einer Doppelstehfalzdeckung aus 0,8 Millimeter dickem Titanzinkblech. Die 11,50 Metern lange Kehle ist als Kehlschar ausgeführt – die einlaufenden Schare von 0 bis 8,20 Meter Länge sind beidseitig mit der Kehle mit einem Doppelfalz verbunden. Im Rahmen der üblichen Wartungsarbeiten fiel auf, dass sich am holzverschalten Dachüberstand im Bereich der Kehle Wasserablaufspuren zeigten. Bei der Überprüfung der Kehle wurde die Ursache sehr schnell gefunden: An zahlreichen Kreuzungspunkten des Doppelstehfalzes und des Kehlfalzes entstanden Risse im Falzgrund – von der Traufe an auf ca. zwei Drittel Länge der Kehle.

Ursachen

„Verbindungen und Befestigungen von Metalldächern und -fassaden sind so auszuführen, dass sich die Bauteile den jeweiligen Temperaturverhältnissen entsprechend ungehindert ausdehnen, zusammenziehen oder verschieben können, ohne Undichtigkeiten hervorzurufen“, so steht es in den Klempnerfachregeln des ZVSHK. Leider führt die unzureichende Beachtung dieser Grundregel eines Klempners zu den meisten Schäden an den handwerklichen Falzdächern und Fassaden. Im vorliegenden Fall wurde die Längenausdehnung der Schare im schräg verlaufenden Kehlfalz erheblich behindert. Diese doppelt gefalzte Kehlenvariante ist gemäß den Klempnerfachregeln deshalb auf eine Länge von sechs Metern begrenzt.

Klaus Siepenkort

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Letzte Aktualisierung: 03.06.2015